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138 000 Fans beim Comeback

138 000 Fans beim Comeback

Adelaide. Lance Armstrong hat ein Kirmesrennen in den Adelsstand eines Radklassikers erhoben. 138 000 Zuschauer (Polizei-Angabe), ein Drittel der Einwohner Adelaides, veranstalteten zum Comeback des siebenmaligen Siegers der Tour de France eine gigantische Party

Adelaide. Lance Armstrong hat ein Kirmesrennen in den Adelsstand eines Radklassikers erhoben. 138 000 Zuschauer (Polizei-Angabe), ein Drittel der Einwohner Adelaides, veranstalteten zum Comeback des siebenmaligen Siegers der Tour de France eine gigantische Party. Bei untergehender Sonne, aber immer noch 33 Grad Celsius, strampelte der 37-jährige US-Amerikaner nach dreieinhalb Jahren wieder die ersten 51 Rennkilometer herunter. Es ging 30 Mal rund um den Rymill Park beim "Cancer Council Classics". Der 36-jährige australische Haudegen Robbie McEwen krönte die Party mit einem Sieg im Massensprint der 133 Fahrer.

"Froh, dass Tag vorbei ist"

Dass Superstar Armstrong nur beim Start in der ersten Reihe zu sehen sein und dann im Peloton verschwinden würde, war klar. Daher hatte Mike Rann, Premierminister des Bundesstaates Südaustralien, seinen Staatsgast nach vorne auf die Startlinie gebeten und voller Enthusiasmus seinen Landsleuten zugerufen: "Wenn ihr Pele und Ali nicht gesehen habt, dann seht ihr jetzt Lance Armstrong, den größten Radrennfahrer aller Zeiten." Der deutsche Vorjahressieger Andre Greipel (er wurde Vierter) und der zweite anwesende Tour-Sieger, Oscar Pereiro, durften sich für die Nationalhymne zu Armstrong gesellen.

Während des Rennens habe er sich hinten sicherer gefühlt, erzählte Armstrong, als er vom Rad stieg. Seine Nummer elf wurde auf Platz 64 gesetzt, 23 Sekunden nach dem Sieger. "Ich bin froh, dass der Tag nach all der Nervosität vorbei ist. Es war ein guter Anfang, denn diese Art Rennen sind nicht mein Ding", sagt Armstrong. Ab morgen begibt er sich bei der ProTour-Etappenfahrt "Down Under" auf altgewohntes Terrain.

Sein Comeback wird nicht überall auf der Welt mit einem solchen Hurra begrüßt. Er sagte: "Es gibt bestimmte Länder und Kulturen, die sind gegen mich. Ich bin darauf vorbereitet, durch heiß und kalt zu fahren." In Deutschland wäre es eiskalt. Ein Linus Gerdemann meint, die Rückkehr sei nicht gut für den Radsport. Jens Voigt ist anderer Meinung: "Armstrongs Comeback erzeugt wieder Interesse am Radsport. Alle profitieren davon. Sponsoren und Fernsehen sind glücklich. Deutschland aber ist ein spezieller Fall."

Weil ARD und ZDF das größte Radsport-Spektakel der Welt im Juli nicht übertragen werden, hat sich Lance Armstrong im Internet die Telefonnummer des Präsidenten der European Broadcasting Union (EBU) besorgt und im Dezember bei Fritz Pleitgen angerufen: "Ich habe ihm erklärt: ,Ich fahre für eine große Sache, und ich will erfolgreich sein. Egal, was Sie oder ihr Land denken. Ich komme zurück, und zwar in guter Absicht.' Ich glaube, er hat mich verstanden."

Kampf gegen Verdächtigung

Passion und Mission haben ihn wieder in den Rennsattel gehoben, die Leidenschaft für Radrennen und der Kreuzzug gegen den Krebs. Er hat die Geißel der Menschheit trotz einer Überlebens-Chance von drei Prozent besiegt und anschließend sieben Mal die Tour de France gewonnen. Aber sein Image ist beschädigt. Das Tour-Organ "L'Equipe" entschlüsselte 2005 sechs codierte Urinproben der Tour 1999, in denen ein französisches Anti-Doping-Labor durch neue Testverfahren Spuren von Epo gefunden hatte, und ordnete sie dem zurückgetretenen Armstrong zu.

Um neuen Doping-Verdächtigungen vorzubeugen, unterwirft er sich dem "umfassendsten Anti-Doping-Programm in der Geschichte des Sports", wie Armstrong versichert. Der anerkannte Anti-Doping-Experte Don Catlin kontrolliert ihn und ist autorisiert, seine Blutwerte öffentlich zu machen. Dass die Deutschen den Radsport ächten nach all den Fällen von Jan Ullrich bis Stefan Schumacher kann Lance Armstrong "teilweise sogar nachvollziehen. Die Leute haben viel Geld und Emotionen investiert. Sie fühlen sich verraten und ziehen sich zurück".