1. FC Saarbrücken wirft im DFB-Pokal den 1. FC Köln mit 3:2 raus

Kostenpflichtiger Inhalt: Sensation beim DFB-Pokal : Wie der 1. FC Saarbrücken den 1. FC Köln rauswarf

Regionalligist 1. FC Saarbrücken schafft mit 3:2-Sieg eine Pokalsensation gegen Bundesligist 1. FC Köln.

Die Sensation ist perfekt. Der 1. FC Saarbrücken hat dem ganz schwach spielenden 1. FC Köln am Dienstagabend in der zweiten Runde des DFB-Pokals einen harten Kampf geliefert, zeitweise spielerisch geglänzt – und am Ende einen umjubelten Sieg eingefahren.

Der Tabellenführer der Fußball-Regionalliga Südwest führte vor 6800 Zuschauern im ausverkauften Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion nach 0:0 zur Pause mit 2:0, Köln glich aus, und am Ende schlug Tobias Jänicke zu und schoss nach einer tollen Kombination den 3:2-Siegtreffer gegen den Bundesligisten. „Wir wussten vorher, dass sie Probleme und wir einen Lauf haben“, sagte Jänicke: „Der Verlauf war typisch für den Pokal, deshalb kommen die Zuschauer ins Stadion.“ Und am Ende schlichen die Kölner ausgerechnet zu den Klängen von „Viva Colonia“ in abgewandelter Form (“Bye Bye Colonia“) vom Platz, während die FCS-Spieler tanzten.

Für den Achtelfinal-Einzug gibt es 702 000 Euro vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), die nächste Runde findet Anfang Februar statt.

Vor dem Spiel hatten Unbekannte in der Nacht auf Dienstag den Mannschaftsbus der Kölner beschmiert. Ob es die FCS-Ultras oder wie im Kölner Express vermutet Fans von Fortuna Düsseldorf vor dem Rheinderby am kommenden Sonntag waren, war am Abend noch nicht geklärt. Nicht nur FCS-Trainer Dirk Lottner verurteilte die Aktion.

Die Aufstellung hatte Lottner nach dem 5:0-Heimsieg gegen Kickers Offenbach am vergangenen Samstag kaum geändert. José Pierre Vunguidica ersetzte gegen seinen Ex-Verein Mario Müller auf der linken Außenbahn. Der in der Liga gesperrte Fanol Perdedaj kehrte in die Startelf zurück, für ihn musste Fabian Eisele auf die Bank.

Die Polizei hatte vor der Partie nur mit der Verkehrssituation zu tun. „Und auch da gab es kaum Probleme. Es lief absolut ruhig und geordnet ab“, sagte Einsatzleiter Eric Schweizer.

25 Minuten lang war in einer temporeichen Partie kein Klassenunterschied zwischen Viert- und Erstligist zu erkennen. Dann brannte es zum ersten Mal im Kölner Strafraum. Nach einem Freistoß von Perdedaj zog Kianz Froese aus 18 Metern ab, Kölns Torwart Timo Horn klärte mit den Fingerspitzen zur Ecke. Kurz darauf antwortete der Favorit. Doch Dominick Drexler brachte den Ball freistehend nicht am glänzend reagierenden FCS-Schlussmann Daniel Batz vorbei (21.).

Die Gäste schienen vom engagierten Auftritt der Hausherren überrascht. Einen schlampigen Rückpass von Benno Schmitz schnappte sich der starke Gillian Jurcher. Der Saarbrücker zog aus spitzem Winkel ab, scheiterte aber am guten Horn. Schon Minuten zuvor hatte „Gilli“ einen Alleingang hingelegt, aber deutlich verzogen. Gegen den schnellen und wendigen Jurcher fanden die Geißböcke kaum ein Mittel. Kurz vor der Pause dribbelte sich Jurcher zum dritten Mal in Schussposition, schoss aber erneut deutlich neben das Tor. Köln fehlte das nötige Tempo, ein konstruktives Offensivspiel fand nicht statt.

Der FCS machte nach der Pause genauso weiter. Vunguidicas Schuss konnte Horn nur abklatschen, Jurcher legte quer auf Jacob. Doch der Saarlouiser (bereits 13 Liga-Treffer) schoss aus drei Metern über das leere Kölner Tor (47.). Das hätte die verdiente Führung sein müssen. Die besorgte stattdessen Christopher Schorch. Der Ex-Kölner traf nach einem Freistoß von Fanol Perdedaj per Kopf zum 1:0 (53.). Nur vier Minuten später legte Jurcher nach einem Alleingang das 2:0 nach, er hängte nach tollem Steilpass von Froese drei Kölner ab und umkurvte noch Horn. Im Stadion war nun die Hölle los, der Lärmpegel hoch.

Nach Gillian Jurchers Treffer zum 2:0 war der Jubel bei den Saarbrücker Spielern und Fans groß. Foto: Thomas Wieck
Der schnelle FCS-Offensivspieler Gillian Jurcher (r.) wirbelte die Kölner um den Auersmacher Jonas Hector ein ums andere Mal durcheinander. Foto: dpa/Oliver Dietze
Einer gegen drei: Christopher Schorch (mit Maske) köpfte die Führung für den 1. FC Saarbrücken. Foto: dpa/Oliver Dietze

Erst danach wachten die Kölner auf und versuchten, die Schlagzahl zu erhöhen. Große Torchancen sprangen dabei zunächst allerdings nicht heraus. Erst Hector brach mit einem überlegten Flachschuss nach Vorlage von Drexler Bann (71.) den Bann, der eingewechselte Simon Terodde sorgte für den 2:2-Ausgleich (84.). Der erfahrene Tobias Jänicke wurde für den FCS dann aber in der 90. Minute zum Mann des Tages, als er zum Siegtor traf. In der Nachspielzeit mussten die FCS-Fans dann noch zittern, ehe die Sensation perfekt war. Und ausgerechnet der „Kölsche Jung“ Lottner verschärfte die Krise der lange desolat spielenden Kölner.

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