| 20:32 Uhr

1. FC Saarbrücken
Ein Sommerkick und drei Bewerbungen

 Gillian Jurcher (rechts), hier gegen Offenbachs Kevin Ikpide, traf zum Ausgleich für den 1. FC Saarbrücken. „Es ist einfach schwer“, sagte Jurcher zur Lage nach den erneut geplatzten Aufstiegsträumen.
Gillian Jurcher (rechts), hier gegen Offenbachs Kevin Ikpide, traf zum Ausgleich für den 1. FC Saarbrücken. „Es ist einfach schwer“, sagte Jurcher zur Lage nach den erneut geplatzten Aufstiegsträumen. FOTO: Andreas Schlichter
Völklingen. Der 1. FC Saarbrücken hat beim 1:1 gegen die Offenbacher Kickers einen Sieg verpasst. Das Spiel nahm erst in der Schlussphase so richtig Fahrt auf. Von Patric Cordier

Als Dirk Lottner, der Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, am Samstag nach dem 1:1 (0:0) zuhause gegen die Offenbacher Kickers zur Pressekonferenz erschien, wirkte er gezeichnet. Blass, die Augen müde. Die Erkenntnis, wohl endgültig daran gescheitert zu sein, den FCS wieder zum Drittligisten zu machen, scheint den 47-jährigen Kölner sehr zu belasten. Sein Eingeständnis nach der 2:3-Niederlage im Spitzenspiel bei Waldhof Mannheim, dass er in der Halbzeit trotz Spielstand von 1:1 die Mannschaft nicht mehr fokussieren konnte, ließ aufhorchen. Vor dem Spiel gegen den OFC sagte der Trainer, der noch einen Vertrag bis 2020 hat: „Der letzte Funke Hoffnung ist erloschen.“


„Es ist einfach schwer“, sagte auch Angreifer Gillian Jurcher, „wir hatten alle ein großes Ziel. Das merkt man auch im Umfeld.“ Trotz allem noch immerhin 3117 Zuschauer sahen dann im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion über weite Strecken ein ordentliches „Pflicht-Freundschaftsspiel“, das bei frühlingshaften Temperaturen in der zweiten Hälfte zum „Sommerkick“ verflachte. Nach vier Minuten scheiterte Offenbachs Ko Sawada am glänzend reagierenden FCS-Schlussmann Daniel Batz. Der musste auch nach einer Stunde Kopf und Kragen riskieren, als ein Abwehrschlag postwendend zurückkam und zur gefährlichen Vorlage für OFC-Stürmer Jake Hirst wurde.

Doch auch der FCS hatte seine Chancen – und der OFC einen ebenso guten Torwart. Jurcher scheiterte freistehend an Daniel Endres (18.). An den Freistoß von Markus Mendler knapp über das Gehäuse wäre Endres wohl nicht mehr herangekommen (21.) – es war noch die beste Aktion des oft fahrig wirkenden FCS-Spielmachers. „Wir wollten von Anfang an Gas geben. Aber dann haben sich beide Mannschaften irgendwie neutralisiert“, sagte FCS-Kapitän Manuel Zeitz, „wenn das Spiel aber noch fünf Minuten länger dauert, gewinnen wir. Da hat Offenbach dann geschwommen.“



Zunächst küsste der OFC die Partie aber wach. Hirst ließ Marco Kehl-Gomez einfach stehen, seinen Querpass schoss der zehn Minuten zuvor eingewechselte Moritz Reinhard zum 1:0 ein (77.). Plötzlich wurde es ein richtig packendes Fußballspiel, was auch daran lag, dass die eingewechselten Martin Dausch, José Pierre Vunguidica und Marco Holz Bewerbungen in eigener Sache abgaben.

Dausch vernaschte Jan Marx, seine scharfe Hereingabe konnten die Offenbacher nicht klären, Jurcher nahm den Abpraller direkt und traf zum 1:1-Ausgleich (82.). „Es war etwas Glück dabei“, sagte der Torschütze zu seinem zehnten Saisontreffer, „nach dem 1:0 gab es Chancen am laufenden Band. Und weil wir mehr Chancen hatten, wäre auch ein Sieg nicht unverdient gewesen.“ Wenige Sekunden und eine tolle Vorarbeit von Dausch und Jurcher später fehlten Sebastian Jacob nur Zentimeter zum 2:1.

Der FCS spielte nun stark im 4-4-2-System, hatte das von Lottner bevorzugte, in der Mannschaft aber nicht sonderlich beliebte 3-5-2 hinter sich gelassen. Am dichtesten dran am Siegtor war Vunguidica. Seinen ersten Kopfball (84.) klärte Maik Vetter vor der Linie, den zweiten in der Nachspielzeit parrierte Endres wieder stark. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Lottner an einem Tag, der erneut Spuren hinterlassen hat, „wenn der Ball von der Linie gekratzt wird und der Torwart gut hält, dann ist es halt so.“

Und wenn man wiederholt das Saisonziel verpasst, ist es nicht überraschend, wenn Gerüchte aufkommen, dass die FCS-Verantwortlichen bei ihren Spielbeobachtungen derzeit nicht nur potenzielle Neuzugänge auf dem Platz in Augenschein nehmen.