1. FC Saarbrücken gewinnt bei Astoria Walldorf 6:3

1. FC Saarbrücken : Vorne effektiv, nach hinten vogelwild

1. FC Saarbrücken gewinnt bei Astoria Walldorf 6:3, Trainer Lottner sauer.

Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit reißt Dirk Lottner, dem Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, der Geduldsfaden. Wütend donnert er eine Trinkflasche auf den Boden. Als Schiedsrichter Timo Wlodarsczak (Weiterode) die Partie beim FC Astoria Walldorf wenig später beendet, stapft Lottner schnurstracks in die Kabine, lässt den „Abschlusskreis“ von Co-Trainer Robert Roelofsen durchführen. Der Cheftrainer nagelt seine Mannschaft an die Wand – trotz des 6:3 (4:1)-Auswärtserfolgs. „Positiv ist, dass wir gewonnen haben und sechs Tore erzielt haben“, poltert der Kölner, „das war es. Das hatte mit Leistungsfußball nichts zu tun. In jeder U16 hast du mehr taktische Hintergünde, als hier abgelaufen sind.“

Dabei kam der FCS gut in die Partie. Nach 23 Sekunden nutzte Gillian Jurcher den Umstand, dass Walldorfs Abwehr gedanklich noch in der Kabine war. „Ich habe schneller reagiert und getroffen“, sagte Jurcher, der für den gesperrten Markus Mendler in die Startelf rutschte und auch das 2:1 (20.) für den FCS erzielte: „Da hab ich einfach draufgehalten, der hätte wohl sowieso gepasst. Dass er abgefälscht wurde, hat ihn völlig unhaltbar gemacht.“

Unhaltbar war auch das Saarbrücker Abwehrverhalten vor dem 1:1 (9.) Nicolai Groß konnte sich im Strafraum nahezu unbedrängt drehen und abziehen, FCS-Torwart Daniel Batz reagierte stark, war gegen den Nachschuss von Tim Grupp aber chancenlos. Nach Jurchers zweitem Treffer schien alles aber nach Plan zu laufen. Der FCS hatte eine Ballbesitzquote von gefühlt 90 Prozent, aber auch die Fehlpassrate war hoch. „Ein anderer Gegner nutzt das aus“, grantelte Lottner, „dann stehst du mit leeren Händen da.“ Bis zur Pause stand es dank des Doppelpacks von Sebastian Jacob (36., 45.) 4:1. „Das war schön“, sagte der Saarlouiser knapp und meinte zur zweiten Halbzeit: „Das war vogelwild und unkonzentriert.“

Nach einem Handspiel von Sascha Wenninger verwandelte Christopher Hellmann den Strafstoß im Nachschuss zum 2:4 (47.). Tobias Jänicke stellte 20 Minuten später mit einem Schlenzer den alten Abstand wieder her. Doch Steven Zellner verursachte den nächsten Strafstoß, den Erik Wekesser zum 3:5 (76.) verwandelte. In der Nachspielzeit traf Fabian Eisele auf Zuspiel des Ex-Walldorfers Marcel Carl zum 6:3. Für die rund 900 Zuschauer war es bei sommerlichen Temperaturen ein Spektakel, für Lottner Anlass zur taktischen Aufarbeitung: „Was wir gegen den Ball gemacht haben, hatte nichts zu tun mit dem, was wir besprochen haben. Wir haben es in keiner Phase geschafft, Kompaktheit herzustellen.“

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