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Fußball-Bundesliga
Tabula rasa beim Club

 Thomas Grethlein, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg, stellt sich nach der Entlassung der sportlichen Leitung den Fragen der Presse.
Thomas Grethlein, der Aufsichtsrats-Vorsitzende des Fußball-Bundesligisten 1. FC Nürnberg, stellt sich nach der Entlassung der sportlichen Leitung den Fragen der Presse. FOTO: dpa / Daniel Karmann
Nürnberg. Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Nürnberg entlässt Sportvorstand und Trainer, präsentiert aber keine Folgelösung. sid

Erst wurde Sportvorstand Andreas Bornemann entlassen, dann Aufstiegstrainer Michael Köllner geschasst: An einem spektakulären Tag am Valznerweiher leistete sich der 1. FC Nürnberg mitten im Bundesliga-Abstiegskampf einen „Kahlschlag an sportlicher Kompetenz“, wie der Aufsichtsrats-Sprecher Thomas Grethlein eingestand – eine tragfähige Folgelösung oder wenigstens eine klaren Plan präsentierte der Club vor dem Duell mit Tabellenführer Borussia Dortmund aber nicht.


Bei einer Brotzeit mit Käse- und Wurstplatten nahm in einer stundenlangen Sitzung am Montagabend die folgenreiche Entscheidung Konturen an. „Wir können nicht immer sagen, wir machen einfach so weiter. Wir mussten einen Impuls setzen“, sagte Grethlein am Dienstag und verkündete, dass „bis auf Weiteres“ der bisherige Co-Trainer Boris Schommers gemeinsam mit Club-Ikone Marek Mintal die Mannschaft des Tabellenletzten interimistisch übernimmt. Wann ein neuer Cheftrainer kommt, ist ebenso unklar wie der Zeitraum für die Einstellung eines neuen Sportvorstandes. Der Nachfolger für Bornemann solle „mit aller Sorgfalt“, aber unter „Hochdruck“ gesucht werden.

Der Sportvorstand erhalte dann den Auftrag, einen passenden Trainer zu finden. „Es kann nicht Aufgabe des Aufsichtsrats sein, die Trainerfrage zu lösen. Wir können gar nicht beurteilen, wer ein guter Trainer ist“, sagte Grethlein, der mit seinen Gremiumskollegen kurz zuvor beschlossen hatte, dass Köllner nicht mehr gut genug ist.



Die Trennung von Bornemann war für den Aufsichtsrat der Franken unausweichlich, weil dieser trotz einer Horrorbilanz von 15 Bundesliga-Spielen ohne Sieg und nur zwei Saisonerfolgen überhaupt nicht von Köllner abrücken wollte. „Er hat sein Schicksal mit dem des Trainers verbunden“, erklärte Grethlein. Um satzungsgemäß handlungsfähig zu sein, wurde nach dem Aus von Bornemann Marketingleiter Marcus Rößler übergangsweise zum zweiten Vorstand neben Finanzvorstand Niels Rossow berufen.

Letztlich war es vor allem der erschreckende Pokal-Auftritt vor einer Woche beim Hamburger SV (0:1), der im Aufsichtsrat zu einem Umdenken führte. „Wir wissen“, sagte Grethlein, „dass der Trainerwechsel kein Königsweg ist. Wir waren trotzdem der Überzeugung, wir sollten alles versuchen, um vielleicht die Liga zu halten.“ Doch das scheint derzeit kaum vorstellbar, obwohl der VfB Stuttgart (15 Punkte) auf dem Relegationsplatz lediglich drei Zähler entfernt ist.

Was Bornemann und Köllner auch angelastet wurde, war die zunehmende Verklärung der sportlichen Realität. Beide verblüfften wiederholt mit eigenwilligen Spielanalysen, das blieb auch dem obersten Club-Gremium nicht verborgen. „Es zeugt nicht von Größe, wenn ich permanent auf die widrigen Umstände deute“, sagte Grethlein.

Als wesentlicher Verdienst von Bornemann und Köllner bleibt der achte Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte, womöglich war auch deshalb das Band zwischen beiden so fest. Bornemann hatte zudem eine wesentlichen Anteil an der schrittweisen wirtschaftlichen Konsolidierung, weshalb der Club auch bei einem Abstieg nicht in Depressionen verfallen dürfte.