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Der Aufschwung der schwarzen Quarterbacks in der Football-Liga NFL

American Football : Der Aufschwung der schwarzen Quarterbacks

Lamar Jackson von den Baltimore Ravens steht symptomatisch für eine neue Generation in der nordamerikanischen Football-Liga NFL.

Sie heißen Lamar Jackson, Patrick Mahomes, Deshaun Watson und Russell Wilson. Sie sind Quarterbacks. Sie haben ihre jeweiligen Mannschaften in die Divisional Round, also das Viertelfinale der Play-offs der National Football League (NFL) geführt und damit für ein Novum gesorgt. Denn Jackson, Mahomes, Watson und Wilson sind schwarze Quarterbacks. Dass bei den verbliebenen acht Mannschaften vier Schwarze „under center“ stehen, gab es noch nie.

Der Trend hat sich abgezeichnet: Im Vorjahr waren erstmals seit Beginn der Super-Bowl-Ära im Jahr 1967 fünf schwarze Quarterbacks für die Playoffs qualifiziert. Zu den vier, die jetzt noch dabei sind, zählte damals noch Dak Prescott von den Dallas Cowboys dazu. Doch bis dahin war es ein langer Weg: Bis in die 1960er Jahre waren rassistische Tendenzen in der NFL, die erst 1970 mit der American Football League (AFL) zur heutigen Liga verschmolz, stark ausgeprägt.

Zwei der vier treffen an diesem Sonntag (21.05 Uhr/ProSieben und DAZN) direkt aufeinander: Mahomes (Kansas City Chiefs) und Watson (Houston Texans). Am gleichen Abend gastiert Wilson (Seattle Seahawks) bei den Packers in Green Bay, wo Aaron Rodgers (36) als letzter der „old white Quarterbacks“ noch in den Play-offs dabei ist. Seine Kollegen Tom Brady (42/New England Patriots) und Drew Brees (40/New Orleans Saints) schieden überraschend in der ersten K.o.-Runde aus.

Bereits am Samstag spielen die San Francisco 49ers gegen die Minnesota Vikings (22.35 Uhr/Pro7 und DAZN), danach folgt in der Nacht zu Sonntag (2.15 Uhr/Pro7 und DAZN) der Auftritt des vermutlich besten Spielers (MVP) dieser Saison: Jackson hat die Baltimore Ravens zur besten Bilanz ihrer Geschichte geführt, im „total Quarterback Ranking“, in dem aus statistischen Werten der Einfluss des Regisseurs auf das Spiel des Teams errechnet wird, lag er nach den 16 Spieltagen der regulären Saison auf Rang eins. Vor Mahomes übrigens.

Jackson (23), der auf Brady-Bezwinger Ryan Tannehill und dessen Tennessee Titans trifft, verkörpert nahezu ideal den modernen Quarterback. Herausragend, was Spielverständnis und Pässe angeht – aber auch mit einem ausgezeichneten Laufspiel gesegnet. Jackson warf 36 Touchdowns und erlief als zweitbester „Rusher“ der Ravens sieben weitere. Auch Mahomes (24), Watson (24) und Wilson (31) sind „dual Threats“ – also eine doppelte Gefahr für den Gegner.

Der erste schwarze Quarterback, der in der NFL als „Starter“ aufs Feld durfte, war im Oktober 1968 Marlin Briscoe für die Denver Broncos – allerdings aus der Not geboren, weil die Stammspieler verletzt waren. Die Broncos hatten Briscoe, als Quarterback ein Star der Universität von Omaha, als Defensive Back eingeplant, der aber weigerte sich. „Die dachten, ich sei verrückt“, erinnert sich Briscoe heute, „dass ein Schwarzer bei den Profis Quarterback spielt, das gab es einfach nicht.“

Schwarze Quarterbacks hatten lange mit rassistisch geprägten Vorurteilen zu kämpfen. Das am meisten verbreitete: Schwarze können ihren Körper einsetzen, nicht ihren Kopf. Selbst dem nun überragenden Jackson wurde von Experten geraten, sich doch lieber als Pass­empfänger in der NFL zu versuchen. Die Antwort von Jackson im ersten Saisonspiel: fünf Touchdowns beim 59:10 gegen die Miami Dolphins. Danach sagte er den inzwischen fast legendären Satz: „Nicht schlecht für einen Running Back.“

Jackson werden beste Chancen eingeräumt, die Ravens zum Sieg im Super Bowl am 2. Februar in Miami zu führen. Er wäre der erste schwarze Quarterback seit Wilson 2014 (gegen die 49ers), dem dies gelänge. Der erste schwarze Quarterback, der den Super Bowl und gleich noch den Titel als MVP in diesem Spiel gewann, war 1988 Doug Williams für die Washington Redskins. „Nach diesem Tag“, sagte Williams später, „hat sich viel geändert.“