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Training in Zeiten der Pandemie

Trotz Kontakt-Vermeidung in Deutschland : Training in Zeiten der Pandemie

In ganz Deutschland gelten verschärfte Maßnahmen zur Kontakt-Vermeidung, doch einige Sportler dürfen trainieren, auch in Gruppen.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Zeiten der Coronakrise „nur Abstand Ausdruck von Fürsorge“ – doch der deutsche Spitzensport tut sich wie Teile der Bevölkerung schwer mit der Isolation. Einige Olympia-Athleten trainieren dank Sondergenehmigungen weiter in Hallen oder Schwimmbädern, in den kommenden Tagen steigen auch Fußball-Bundesligisten wieder ins Mannschaftstraining ein.

Die einen treibt der Traum von Olympia an, die anderen die Sehnsucht nach ein Stück Normalität, andere die Sorge um die Existenzgrundlage. Fehlende Solidarität gegenüber der Gesellschaft will sich aber keiner vorwerfen lassen. „Meine Oma fragt mich zwar, warum wir noch trainieren, aber wir sind sensibilisiert und passen auf“, sagt Wasserspringer Patrick Hausding: „So lange wir dürfen, machen wir das.“

Der Olympia-Dritte darf dank einer Ausnahmeregelung der Behörden mit anderen Berliner Wasserspringern an seiner Form arbeiten, seit Donnerstag gilt dies auch für Kaderathleten am Olympiastützpunkt Hamburg. In Magdeburg springt die personell abgespeckte Trainingsgruppe um Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock ins Becken.

Back to business – zumindest in der Schmalversion – das will auch der Profifußball. RB Leipzig steigt an diesem Freitag wieder ins Mannschaftstraining ein, wird dabei aber „die Risiken minimieren“, wie Geschäftsführer Oliver Mintzlaff berichtet. Das komplette Team soll nicht zusammen mit Cheftrainer Julian Nagelsmann auf dem Platz stehen, die Anzahl der Gruppen und Betreuer werde geprüft.

Bayern München beordert seine Profis dagegen bewusst noch nicht aus dem Home Office zurück. Der Verein versuche, „hier Vorbild zu sein, weil ich das Gefühl habe, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht umfänglich verstanden haben, wie ernst die Lage ist“, sagt Vereins-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) prüft derweil die Möglichkeit, das Trainingszentrum Kienbaum östlich von Berlin für Kaderathleten zu öffnen. Dabei gehe es aber weniger um den Formaufbau, sondern um die professionelle Betreuung in Sachen Gesundheit, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Die Athletinnen und Athleten haben sich bis vor wenigen Tagen noch im Hochleistungsmodus befunden und stehen plötzlich vor der Situation, dass sie von heute auf morgen nicht mehr trainieren können.“

Training außerhalb der eigenen vier Wände ist für andere Sportler in diesen Zeiten aber ein No-go. In einer Videobotschaft des Athleten Deutschland e.V. appellieren Leistungssportler eindringlich: „Bleibt zu Hause!“ Der Aufruf ist auch für den Spitzensport gedacht.

Viele haben sich längst zurückgezogen. Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul hält sich auf einem Ruder-Ergometer im Garten der Eltern einigermaßen fit. Hürden-Sprinterin Pamela Dutkiewicz springt im Flur ihrer Wohnung über Mini-Hürden. Kunstturner Marcel Ngu­yen wird dagegen zum Home Office gezwungen, weil die Stadt Stuttgart ihm eine Sondergenehmigung verwehrt. Das bedauert der Olympia-Zweite von 2012: „Ich komme aus einer langwierigen Verletzung und brauche jede Trainingsminute, ja jede Trainingssekunde.“

Da das Internationale Olympische Komitee (IOC) offiziell am Fahrplan für die Sommerspiele in Tokio festhält, tun es die Athleten notgedrungen auch. „Das IOC will, dass wir unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Familien und der Öffentlichkeit riskieren, indem wir weiter trainieren? Ihr bringt uns in Gefahr. Heute, nicht in vier Monaten“, kritisiert Stabhochsprung-Olympiasiegerin Katerina Stefanidi.