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Unabgesprochene Verschiebung der French Open sorgt für Riesenärger

Tennis : Die Tennis-Welt gerät aus den Fugen

Die unabgesprochene Verschiebung der French Open in Paris stürzt die Szene ins Chaos und sorgt für reichlich Ärger.

Roger Federer dürfte ziemlich verärgert sein. Der Schweizer Maestro hat im September 2017 in Prag erstmals den Laver Cup ausspielen lassen, ein sportlich unbedeutendes Spaßturnier, freilich eines, an dem die besten Tennisspieler bisher mit großer Freude teilgenommen haben. Die vierte, für Boston geplante Austragung des Duells „Europa gegen den Rest der Welt“, ist nun aber gefährdet: Seit Dienstag sollen zur gleichen Zeit die French Open in Paris stattfinden.

Die Verschiebung des wichtigsten Sandplatzturniers der Welt auf den Zeitraum zwischen 20. September und dem 4. Oktober hat die Tennis-Szene kalt erwischt – und in ein Chaos gestürzt. Erst eine Woche vorher, am 13. September, soll mit dem Finale der Herren das normalerweise letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres zu Ende gehen, die US Open. Für Rafael Nadal etwa hieße dies: Er müsste seine zwei Titel von 2019 innerhalb eines wahnwitzig kurzen Zeitraums verteidigen.

Auch in der Tennis-Welt hat die Corona-Pandemie alle mühsam austarierten Pläne zur Makulatur werden lassen. Doch mit der Entscheidung der Organisatoren von Roland Garros wird zugleich deutlich: Im anhaltenden Machtkampf zwischen dem Weltverband ITF, den Spieler-Gewerkschaften ATP (Herren) und WTA (Damen), Turnierveranstaltern oder einem Federer mit seinem Laver Cup ist sich jeder selbst der Nächste, und jeder kämpft bisweilen ohne Rücksicht auf Verluste um seine Vorteile.

Die Verlegung der French Open stößt auf wenig Begeisterung. „Excusez moi?“ (Wie bitte?), twitterte die Japanerin Naomi Osaka, Siegerin der Australian Open 2018 und US Open 2019. In der Tat überraschte die Entscheidung nahezu alle Betroffenen. „Das ist krank, einfach Wahnsinn“, sagte Vasek Pospisil, Mitglied im Spielerrat der ATP, der New York Times. Die Entscheidung der Veranstalter in Paris sei „egoistisch“, sie spielten ein „power play“, und das sei in der aktuellen Lage „ziemlich arrogant“.

„Es ist eine schwierige, aber mutige Entscheidung, die wir in dieser außergewöhnlichen und sich weiter entwickelnden Zeit seit diesem Wochenende getroffen haben. Wir handeln verantwortungsbewusst, wir müssen im Kampf um die Gesundheit aller solidarisch zusammenstehen“, sagte Bernard Giudicelli, Präsident des französischen Tennisverbandes FFT.

Der Tennisverband der USA (Usta) schloss nicht aus, seinerseits sein Grand-Slam-Turnier zu verschieben, betonte aber mit einem Seitenhieb auf die French-Open-Organisatoren: Die Usta würde eine Entscheidung wie jene niemals alleine treffen, sondern sie absprechen „mit den anderen Grand-Slam-Turnieren, der WTA und ATP, der ITF und unseren Partnern – den Laver Cup eingeschlossen“. Vor den US Open ist noch Wimbledon terminiert (ab 29. Juni).

Angeblich haben die Veranstalter von Roland Garros, die aufgrund gewaltiger Investitionen in die Anlage auf Einnahmen angewiesen sind, vor ihrer Ankündigung nur den zwölfmaligen Sieger Nadal informiert – unter anderem Federer blieb außen vor. Seine Agentur teilte mit, die Entscheidung der Franzosen werfe „viele Fragen auf“. Und nur damit das klar sei: Der Laver Cup solle an dem dafür vorgesehen Termin (25. bis 27. September) stattfinden. Die Fronten sind also maximal verhärtet.