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Tag der Abschiede bei den Australian Open

Tennis : Tag der Abschiede bei den Australian Open

Caroline Wozniacki beendet ihre Karriere, Serena Williams scheitert überraschend früh. Dafür trumpft eine 15-Jährige auf.

Caroline Wozniacki hatte vorgesorgt. „Ich habe“, sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und Tränen in den Augen, „genug Taschentücher mitgebracht“. Davon benötigte sie eine ganze Menge. Am Freitag ging ihre Karriere dort zu Ende, wo sie zu Ende gehen sollte, wenn auch ein bisschen früher, als die 29 Jahre alte Dänin gehofft hatte. Es waren emotionale Momente, und nicht nur, als sie zu „Sweet Caroline“ noch eine umjubelte Ehrenrunde in der Melbourne Arena drehte. Es war ein tränenreicher Tag in Australien.

Kurz nachdem Wozniacki nach dem umkämpften 5:7, 6:3, 5:7 gegen Ons Jabeur (Tunesien) vom Platz gekommen war, traf sie in den Katakomben der Rod Laver Arena auf eine traurige Serena Williams. Die hatte auf der Jagd nach dem 24. Einzel-Titel bei einem Grand Slam und dem Uralt-Rekord von Margaret Court ebenfalls in Runde drei verloren – 4:6, 7:6 (7:2), 5:7 gegen Wang Qiang aus China. „Wir waren beide ein bisschen deprimiert“, erzählte die 38 Jahre alte Amerikanerin.

Als Williams von dieser Begegnung berichtete, zeigte sich, wie sehr Wozniacki, 71 Wochen lang Nummer eins der Weltrangliste, ihre weiblichen wie männlichen Kollegen auf der Tour über die Jahre hinweg mit ihrem großen Kampfgeist und ihrer Freundlichkeit berührt hat. „Oh mein Gott“, sagte Williams: „Ich werde sie vermissen. Ich kann keine Fragen zu Caroline beantworten. Da muss ich weinen. Sie ist eine meiner besten Freundinnen.“

Wozniacki (29) hatte bereits im Dezember angekündigt, dass sie bei den Australian Open, wo sie vor zwei Jahren ihren einzigen Titel bei einem Grand Slam gewonnen hatte, ihre Laufbahn zu beenden gedenke. Diese Entscheidung traf sie nach ihren bald 15 Jahren auf der Tour, nach 31 Turniersiegen – auch, aber nicht nur wegen einer Krankheit, von der sie im Herbst 2018 berichtete: Sie leidet an Gelenk-Rheumatismus. Für sie, die große Kämpferin, die Dauerläuferin, ein tiefer Einschnitt.

Viel mehr aber trieb Wozniacki der Wunsch, ein neues Leben zu beginnen. Nicht ständig im Trott aus Training und Tour zu stecken. Mit ihrem Mann, dem ehemaligen US-Basketballer David Lee, will sie mehr Zeit verbringen und eine Welt entdecken, die nicht von weißen Linien begrenzt ist. Mit Lee ist Wozniacki seit Mitte Juni 2019 verheiratet. Einst hatte sie der irische Golfprofi Rory McIlroy fünf Monate nach der Verlobung im Dezember 2013 sitzen lassen. Wozniacki hat dies mit einer schier unfassbaren Würde ertragen.

„Ich hatte einen Traum“, sagte Wozniacki: „Ich wollte einen Grand Slam gewinnen, und ich wollte die Nummer eins werden – beides habe ich geschafft.“ Ihr Abschied am Freitag sei „perfekt“ gewesen, versicherte sie. Noch einmal kämpfte sie, „als ob mein Leben davon abhing“, und beinahe hätte sie ja auch noch ein wenig Aufschub bekommen, aber egal: „Volles Haus, Sweet Caroline, die Menschen, die mir am Nächsten stehen, waren da – ich hätte es nicht besser ausmalen können.“

All das hätte Williams auch gerne gesagt. Am besten nach dem Turniersieg. Doch dazu kam es nicht. Die 38-Jährige kasteite sich nach ihrer fehlerhaften Leistung als „unprofessionell“. 2021 will sie zurückkommen nach Melbourne. Aber ob sie noch mal einen Grand Slam gewinnen wird? Die Zeit ist ihr größter Gegner. Und weitere wachsen heran. Etwa die erst 15 Jahre alte Cori Gauff. Ihre US-Landsfrau warf am Freitag, am Tag des Abschieds, die Titelverteidigerin Naomi Osaka aus dem Turnier (6:3, 6:4) – und wurde zur jüngsten Tennisspielerin seit Jennifer Capriati 1991, die eine Top-Fünf-Spielerin besiegte.

Die 15-jährige Cori Gauff wird als „Wunderkind“ gefeiert. Foto: AP/Lee Jin-man
Caroline Wozniacki beendete unter Tränen ihre Karriere. Foto: AP/Andy Brownbill
Für Julia Görges war in Runde drei Endstation. Foto: dpa/Dita Alangkara

Bei derart vielen Geschichten war das Aus von Julia Görges in der dritten Runde gegen die US-Amerikanerin Alison Riske – 6:1, 6:7 (4:7), 2:6 – nicht mehr als eine Randnotiz.