Serena Williams kann bei den US Open Tennis-Geschichte schreiben

Damenfinale bei den US Open : Das große Duell der Generationen

Im Finale der US Open trifft die 37 Jahre alte Serena Williams an diesem Samstag auf die 19-jährige Bianca Andreescu. Die US-Amerikanerin kann mit einem Sieg gegen die Kanadierin Geschichte schreiben.

Selbst wer einfach nur durch die Häuserschluchten von Manhattan spaziert, wird an Serena Williams‘ große Mission erinnert. Dort, wo die Third Avenue die 45th Street kreuzt, blickt der US-Superstar überlebensgroß von einer Häuserwand herab, darunter prangt in riesigen Lettern „Built for Glory“ – geschaffen für den Ruhm.

Ruhmreich ist die Karriere der 37-Jährigen schon lange. 23 Grand-Slam-Titel heimste sie im Einzel ein, doch zum vollkommenen Glück fehlt noch ein kleines Puzzleteil: Titel Nummer 24, mit dem sie endlich die Rekordmarke der Australierin Margaret Court einstellen würde. Im Finale an diesem Samstag (22 Uhr MESZ/Eurosport) im Hexenkessel Arthur-Ashe-Stadium soll es gegen die 18 Jahre jüngere Bianca Andreescu endlich klappen.

Drei Chancen hatte sie schon seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September 2017 – dreimal vergeigte sie es, darunter die deutlich verlorenen Finals von Wimbledon gegen Angelique Kerber und Simona Halep. Wie ein dunkler Schatten schwebt aber noch der Eklat aus dem Vorjahr in New York über ihr, als sie im Match gegen Naomi Osaka völlig die Nerven verlor und Schiedsrichter Carlos Ramos übel beschimpfte. Mittlerweile sei sie „relaxter“ geworden, sagt Williams. „Auf dem Platz zu stehen, ist fast ein bisschen entspannter, als sich mit einer Zweijährigen zu beschäftigen, die dich überall hinzerrt“, scherzte die Mutter.

Als Williams 1999 in New York im Alter von 17 Jahren die Schweizerin Martina Hingis bezwang und ihren ersten Grand-Slam-Titel gewann, war Andreescu noch nicht einmal geboren. „Ich erinnere mich daran, ihr zum ersten Mal zugesehen zu haben, als ich etwa zehn war“, sagte die 19-Jährige und schwärmte: „Ein Traum wird wahr, gegen Serena im Finale der US Open zu spielen.“

Das Endspiel ist auch das Duell der Generationen. Andreescu ist Teil einer neuen aufstrebenden Tennis-Jugend – mutig, aufmüpfig, ohne Angst vor großen Namen. Und die Teenagerin, die als Nummer 152 der Weltrangliste in die Saison startete, ist nicht nur bärenstark in Form, was 41 Siege aus 45 Saisonspielen belegen. Sie ist auch eine Meisterin darin, ihre Gegnerinnen aus dem Konzept zu bringen. Williams sieht sich nämlich der „größten Drama-Königin überhaupt“ gegenüber, wie Angelique Kerber Andreescu im März übers Netz entgegenfauchte. Die emotionale Teenagerin stellt Schmerzen gerne gestenreich zur Schau und bringt ihre Gegnerinnen durch regelmäßige medizinische Timeouts aus dem Rhythmus.

Doch Andreescu hat auch eine andere Seite, wie Williams hautnah miterleben durfte. Als die Amerikanerin bei der US-Open-Generalprobe in Toronto im Finale verletzungsbedingt aufgeben musste und in Tränen ausbrach, spendete ihr die 19-Jährige Trost. „Ich mag sie als Mensch“, sagte Williams – zumindest bis es am Samstag um Rekord und Titel geht.

In der Doppel-Konkurrenz sind die French-Open-Sieger Kevin Krawietz (Coburg) und Andreas Mies (Köln) im Halbfinale gegen Marcel Granollers (Spanien)/Horacio Zeballos (Argentinien) mit 6:7, 6:7 ausgeschieden.

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