Rafael Nadal schlägt Daniil Medwedew im Finale der US Open

Spanier Nadal mit Kraftakt : Die Wachablösung muss noch warten

Rafael Nadal gewinnt episches US-Open-Finale nach fast fünf Stunden Spielzeit gegen den Russen Daniil Medwedew.

(sid) Als ein Zusammenschnitt seiner nunmehr 19 Grand-Slam-Siege über die Videoleinwände des Arthur-Ashe-Stadiums flimmerte, übermannten selbst den sonst so beherrschten Rafael Nadal die Gefühle. Tränen kullerten dem völlig abgekämpften Matador über die Wangen, schluchzend vergrub er sein Gesicht in den Händen, während „Rafa, Rafa“-Sprechchöre durch die mächtige Arena schallten. Der ganze Druck der fast fünfstündigen Final-Schlacht bei den US Open fiel in diesem Moment vom weinenden Superstar ab.

„Das ist eine der emotionalsten Nächte meiner Tenniskarriere“, sagte der Spanier anschließend, immer noch mit feuchten Augen: „Normalerweise versuche ich, diese Emotionen zurückzuhalten, aber in diesem Moment war es unmöglich.“

Vollkommen entkräftet war Nadal zuvor auf den Court der größten Tennisarena der Welt gesunken, alle Viere von sich gestreckt, nachdem er den beinahe unbeugsamen Russen Daniil Medwedew in epischen 4:50 Stunden mit 7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4 niedergekämpft hatte. Wie zwei Boxer nach einem schonungslosen Schlagabtausch fielen sich die Helden der Nacht anschließend in die Arme. Nadal hatte zwar seinen 19. Grand-Slam-Titel gewonnen, den vierten in New York, doch Gewinner waren beide.

„Er sagte mir, dass ich ein unglaublicher Spieler bin. Da habe ich ihm geantwortet, dass er auch ein unglaublicher Spieler ist“, erzählte Medwedew grinsend. Schon bei der Siegerehrung hatte er in Richtung Nadal gescherzt: „Als eben auf der Leinwand Nummer eins, Nummer zwei, Nummer 19 auftauchte, da habe ich mich gefragt: Was hätten sie gezeigt, wenn ich gewonnen hätte?“

Alleine dieses spektakuläre Endspiel hätte genug Stoff geboten. Alles hatte auf einen klaren Sieg des großen Favoriten hingedeutet, mit zwei Sätzen und Break lag Nadal bereits vorne. Doch Medwedew steckte nie auf, wie zwei fehlerlose Ballmaschinen trieben sich die beiden Kontrahenten über den Platz, gaben keinen Ball verloren und rissen die Zuschauer von den Sitzen. „Ich musste einfach mein Herz auf dem Platz lassen, auch für sie“, sagte Medwedew.

Zwar vermochte auch der 23-Jährige trotz seines Comebacks die Dominanz der „Big Three“ Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic nicht zu durchbrechen. Seit Stan Wawrinka 2016 in New York triumphierte, gingen alle zwölf Major-Titel an das Trio der Superstars, seit 2004 sind es unglaubliche 54 von 64 möglichen. Doch der mutige Medwedew zeigte als erster Spieler der sogenannten Next Generation, zu der auch Alexander Zverev zählt, dass die Wachablösung nicht mehr fern sein muss.

„Er hat eine große Zukunft vor sich und wird bestimmt einige Grand-Slam-Turniere gewinnen“, sagte Nadal über den Russen, der nach dem Titel in Cincinnati und den Finalniederlagen in Washington, Montreal und eben nun New York auf Rang vier der Weltrangliste klettert. Doch vorne stehen eben immer noch die großen Drei.

„Wir kämpfen schon so gut es geht darum, den Übergang zu vollziehen“, sagte Medwedew. Jedoch, stellte er fest, „ist es wirklich hart, weil diese Jungs einfach unfassbares Tennis spielen“. Nur noch einen Grand-Slam-Titel ist Nadal nun von Federers Bestmarke von 20 Major-Siegen entfernt, Djokovic hat 16 auf dem Konto. Doch Nadals Antrieb ist die Jagd nach dem Rekord nicht. „Ich wäre natürlich gerne derjenige, der die meisten Titel gewonnen hat. Aber dafür spiele ich nicht Tennis“, betonte der 33-Jährige: „Ich tue es, weil ich Tennis liebe.“

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