Federer nach Aus bei den US Open sichtlich niedergeschlagen

Tennis : Federer will wieder aufstehen

Nach Topfavorit Novak Djokovic ist auch der Schweizer bei den US Open vorzeitig ausgeschieden.

Die riesige Enttäuschung war Tennis-Star Roger Federer aus seinen traurigen Augen abzulesen. Es hatte gerade Mitternacht geschlagen, als der Schweizer ungewohnt einsilbig und mit leiser Stimme sein Ausscheiden bei den US Open zu fassen versuchte. „Es ist eine verpasste Chance“, ärgerte sich Federer, nachdem er im Viertelfinale sowohl am Bulgaren Grigor Dimitrow und an seinem schmerzenden Körper gescheitert war.

„Ich weiß nicht genau welcher Muskel“, sagte der Grand-Slam-Rekordchampion und griff mit der Hand hinter sich: „Es war einfach am oberen Rücken.“ Das ganze Match über habe er die Schmerzen gespürt, doch darauf wollte Federer die Niederlage gar nicht schieben. „Es gehört dazu, ich hatte meine Chancen“, sagte er selbstkritisch: „Ich war trotzdem in der Lage zu spielen. Mein Fehler war, dass ich nicht gewonnen habe.“

Und so musste Federer 51 Tage nach dem auf dramatische Weise verlorenen Wimbledon-Finale die nächste immense Enttäuschung verdauen. Zwei Mal hatte er beim 6:3, 4:6, 6:3, 4:6, 2:6 gegen Dimitrow eine Satzführung aus der Hand gegeben, was den 38-Jährigen umso mehr wurmte. „Du bist in Führung, kannst durchkommen, du hast danach zwei Tage frei. Es sah gut aus“, sagte Federer, betonte aber: „Du musst auch die Niederlagen annehmen, sie sind Teil des Spiels.“

Doch der Ärger über die verpasste Gelegenheit war Federer deutlich anzumerken. Die zwei Tage Pause bis zum Halbfinale hätten seiner Ansicht nach ausgereicht, um wieder fit zu werden: „Von daher ist es noch enttäuschender, dass ich keinen Weg gefunden habe zu gewinnen.“ Die Chancen auf seinen sechsten Triumph in New York hatten sich zuvor sogar unerwartet vergrößert. Titelverteidiger Novak Djokovic war in Federers Tableau-Hälfte bereits ausgeschieden, der Serbe gab wegen Schulterschmerzen im Achtelfinale auf. Und so hätte im Halbfinale der Russe Daniil Medwedew gewartet – dieser überzeugt zwar in Flushing Meadows mit starkem Tennis, quält sich aber mit Oberschenkelproblemen durchs Turnier.

Statt der Aussicht auf Grand-Slam-Titel Nummer 21 blieben Fragen nach Federers Vergänglichkeit. Schon im Vorjahr hatte sein Körper bei den US Open gestreikt, damals brachte die New Yorker Hitze den Maestro an seine Grenzen. Die Chancen auf weitere Titel steigen aber selbst für Federer mit fortschreitender Zeit nicht. „Ich habe keine Kristallkugel“, antwortete er auf die Frage, ob er mit 38 Jahren noch Grand Slams gewinnen könne. „Ich hoffe es natürlich. Ich werde wieder aufstehen, das wird schon wieder“, sagte Federer.

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