Die neue Zeitrechnung im Davis Cup beginnt

Tennis : Die neue Zeitrechnung beginnt

18 Tennis-Nationalmannschaften kämpfen von Montag an in Madrid in einem neuen Format um den Sieg im Davis Cup.

Der Start in die neue Zeitrechnung des Davis Cups begann für Deutschlands Tennis-Herren mit einer Salami-Anreise. Von München, Düsseldorf und Miami machten sich die Spieler am Freitag auf den Weg nach Madrid, wo von Montag bis kommenden Sonntag erstmals in der Geschichte des fast 120 Jahre alten Wettbewerbs der Champion in einem Riesen-Event mit 18 Teams ermittelt wird. Der Deutsche Tennis-Bund hat sich stets gegen die millionenschwere Veranstaltung unter Regie des Kosmos-Investmentkonzerns um Barcelonas Fußball-Star Gerard Piqué ausgesprochen. Doch nun will die Mannschaft das Beste aus dem ungeliebten Format herausholen.

„Ich gebe jeder Idee eine Chance, kritisieren kann man hinterher“, sagte Tennis-Legende Boris Becker während der ATP-Finals in London. Becker, der 1988 und 1989 den Teamwettbewerb nach altem Muster mit Heim- und Auswärtsspielen gewonnen hatte, war zunächst selbst einer der schärfsten Kritiker des neuen Konstrukts. Viele fürchten, dass die einzigartige Davis-Cup-Atmosphäre leidet, wenn in Madrid um 11 Uhr vormittags zum Beispiel Deutschland und Chile aufeinandertreffen. Wie viele Zuschauer da wohl kommen?

„Wir sollten uns erst einmal beruhigen und abwarten, was passiert. Vielleicht sind wir am Sonntag in einer Woche schlauer und sagen, das war das beste Davis-Cup-Event. Ich bin genauso gespannt wie alle anderen“, sagte Becker. Der Boss des Herren-Tennis im DTB wird erst am Montag von London aus nach Madrid fliegen, auch das erstmals für den Davis Cup nominierte Doppel Kevin Krawietz und Andreas Mies reist verspätet an, weil das Duo ebenfalls noch in London aktiv ist.

Und so startet Teamchef Michael Kohlmann erst einmal mit einem Rumpfteam um Jan-Lennard Struff, Philipp Kohlschreiber und Neuling Dominik Koepfer in die Vorbereitung auf das erste Spiel gegen Argentinien am Mittwoch (11 Uhr/DAZN). Am Donnerstag geht es dann gegen Chile, die sechs Sieger der Dreier-Gruppen sowie die beiden besten Zweiten schaffen den Sprung ins Viertelfinale.

Dass mit dem Einstieg von Kosmos alles anders ist, merkte das deutsche Team auch im Detail. Bislang traten Spieler und Verantwortliche bei den offiziellen Terminen immer locker und leger mit Sakko und Jeans auf. Doch dagegen legten die neuen Bosse ihr Veto ein. Prompt mussten für Philipp Kohlschreiber und Co. noch schnell neue Anzughosen bestellt werden.

Die neuen Macher tun alles, damit die von vielen skeptisch beäugte Veranstaltung ein Erfolg wird. Piqués Ehefrau Shakira singt bei der Schlusszeremonie, auch sonst gibt es viel Show. Am wichtigsten ist aber, dass bislang doch mehr Stars als gedacht zugesagt haben. Novak Djokovic, Rafael Nadal, Daniil Medwedew, Andy Murray – sie alle wollen in der spanischen Hauptstadt für ihr Land spielen. Die deutsche Nummer eins, Alexander Zverev, hatte dagegen von Beginn an betont, in dem neuen Format nicht zur Verfügung zu stehen.

Ob Djokovic und Nadal aber tatsächlich in der kommenden Woche dabei sind, ist ungewiss. Beide plagen sich am Ende einer langen Saison mit körperlichen Problemen herum. „Natürlich ist der Tank nicht mehr so voll wie zu Saisonbeginn“, sagte Djokovic nach seinem London-Aus gegen Roger Federer. „Ich weiß es noch nicht“, erklärte Nadal angesprochen auf das Mammutprogramm. Piqué wird die Aussagen der Zugpferde mit Sorge verfolgt haben.