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Der unangenehme Besuch der alten Dame Margaret Court

Australien Open : Der unangenehme Besuch der alten Dame

50 Jahre nach ihrem Grand Slam wird Margaret Court am Montag bei den Australian Open geehrt werden – trotz ihrer Hasstiraden.

Margaret Court konnte nicht an sich halten. An diesem Montag, verriet sie am Rande der Australian Open in einem Radiointerview, werde ihr die längst verdiente Anerkennung zuteil. Die Ankündigung löste erkennbar Unwohlsein aus, vor allem bei den Verantwortlichen des Turniers sowie des australischen Tennisverbandes, was in diesem Fall dasselbe ist. Sie wollten kein Aufsehen. Denn eine der größten Tennisspielerinnen der Geschichte ist eine Hasspredigerin.

Court ist mit ihren 24 Einzeltiteln bei den vier Grand Slams zwischen 1960 und 1973 noch immer die Rekordsiegerin. Sie war ein Idol in Australien, berühmt, verehrt, überhäuft mit Auszeichnungen. Es ist freilich auch keine vier Wochen her, da wetterte die 77-Jährige vor der evangelikalen Gemeinde in Perth zum wiederholten Male gegen Schwule, Homosexuelle und Transgender. „Der Teufel“ sei in diese Menschen gefahren, die Homosexualität eine „gottlose Lust des Fleisches“.

Vor 25 Jahren hat Court eine Pfingstkirche gegründet, sie ist dort seitdem Pastorin. Neu sind ihre Tiraden nicht – ebenso wenig ist es der Aufschrei darüber. Martina Navratilova, deren Outing 40 Jahre zurückliegt, hat Court als „eine einst herausragende Tennisspielerin und eine homophobe Rassistin“ bezeichnet. Der dreimalige Wimbledonsieger John McEnroe warf Court nach einem ihrer hässlichen Ausfälle vor, „uns ins tiefste Mittelalter“ versetzen zu wollen.

Nüchtern betrachtet wird Court an diesem Montag dafür geehrt, dass sie 1970 den Grand Slam gewonnen hat, also innerhalb eines Jahres die vier Turniere in Australien, Paris, Wimbledon und New York. Dabei, versichert Craig Tiley, Chef des Turniers und des Verbandes, soll es auch bleiben. Zwischen der „Anerkennung für etwas“ und „Feierlichkeiten für jemanden“ bestehe „ein Unterschied“, betonte er. Soll heißen: Die sportliche Leistung von Margaret Court wird gewürdigt – nicht Margaret Court.

„Wir haben Margaret klargemacht, dass wir ihre Ansichten nicht teilen“, hat Tiley die Öffentlichkeit wissen lassen. Tennis sei ein Sport, der „offen ist für alle“. Nicht ohne einen gewissen Stolz wies er darauf hin, dass der Verband schon zum dritten Mal Gastgeber des „Grand Slam“ sei, eines internationalen Turniers für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender: Die Finals finden am 2. Februar, dem letzten Turniertag der Australian Open, auf Court 3 im Melbourne Park statt.

Die Diskussionen um Court halten freilich an, es gibt Stimmen wie jene von Navratilova, die fordern, ihren Namen von der zweitgrößten Arena im Melbourne Park zu tilgen. Dies sei vorläufig keine Option, sagt Tiley. Und in der Umkleidekabine? „Kein Thema“, berichtet Angelique Kerber. Aber: Nachdem Rod Laver im Vorjahr für seinen Grand-Slam-Sieg von 1969 geehrt wurde und danach die Siegertrophäe an Novak Djokovic überreichen durfte, ist Court nur Zuschauerin, wenn am 1. Februar die Daphne Akhurst Trophy übergeben wird.

Als sie letzte Woche auf Einladung von Tennis Australia erstmals seit 2017 auf der Anlage vorbeischaute, betonte Court selbstbewusst: „So viele Leute haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Danke, dass sie meine Stimme sind. Ich habe niemanden sagen hören: Ich hasse dich.“ Zugleich beklagte sie: „Ich werde verfolgt, weil ich die Bibel lehre.“ Navratilova lästerte daraufhin bei Twitter, das sage nun eine, für die Homosexuelle und Transgender vom „Teufel befallen“ seien.

Nicht nur Turnierchef Tiley ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums am Montag: „Die australischen Fans sind die besten der Welt“, hat er erklärt im Sinne von: Australien, das weltoffene, tolerante Australien, wird sein Urteil fällen bei der Ehrung in der Rod Laver Arena.