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SZ-Olympia-Kolumne: Warum keine Zimmer mit Balkon in der Quarantäne?

Olympia-Kolumne : Balkonien liegt wohl nicht in Tokio

Viel wurde bereits über die Quarantäne-Bedingungen der Corona-Opfer bei Olympia geschrieben, es hagelte Kritik. Mittlerweile läuft es hier aber wohl besser. Dabei könnte der Aufenthalt in der Isolation ja schon mit kleinen Mitteln erträglicher sein.

Die Japaner sind einfach ein gruselig höfliches und freundliches Völkchen. Das erzählt jeder, der mal da war, und jeder, der mal mit Touristen aus Nippon zu tun hatte. Durchorganisiert, hochtechnisiert, Japan hat einen guten Ruf. Und glänzt mit Kuriosa wie hochmodernen Toiletten mit etlichen Knöpfen samt Wasserdusche und Musikberieselung gegen unangenehme Geräusche. Was aber irgendwie nicht so gut zu klappen scheint, ist die Unterbringung der Corona-Opfer unter den Sportlern, sei es trotz Impfung selbst infiziert oder Kontaktperson.

Sogar Fußballtrainer Stefan Kuntz aus Neunkirchen maulte: „Wir waren einkaserniert, eingesperrt, durften nicht auf die Straße gehen.“ Nur nach langem Hin und Her habe man mal das Fenster öffnen können. Sicher, alle Sportler wussten im Vorhinein über die Bedingungen Bescheid und haben wohl unterschrieben, einverstanden zu sein. Radfahrer Simon Geschke, er ist wieder zu Hause, klagte als Veganer, tagelang nur Reis mit Sojasauce gegessen zu haben.

Da auch Athleten anderer Nationen lautstark murrten, stellte sich mir eine Frage: Hat der gemeine Tokioter selten einen Balkon? Gehören Balkons nicht zur Kultur, ist die Platz- und Wohnungsnot in der Mega-Metropole zu groß dafür? Warum war es nicht möglich, wie in den Quarantäne-Hotels auf Mallorca Zimmer mit Balkon zur Verfügung zu stellen? Ob es so gefährlich ist, wenn ein „Insasse“ mal das Fenster öffnet, um frische Luft zu schnappen, wage ich als Hobby-Aerosolforscher zu bezweifeln. Also, um künftig noch freundlicher rüberzukommen, wäre vielleicht etwas frische Luft in der Quarantäne ganz nett. Dafür tut es sicher dann auch eine „ganz normale“ Toilette.