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Schwimmer hätten sich lieber im Freibad präsentiert

Die Finals 2019 in Berlin : Schwimmer hätten sich lieber im Freibad präsentiert

Deutsche Meisterschaften statt Urlaub: Sportlich sind die Titelkämpfe in Berlin unmittelbar nach der Weltmeisterschaft in Südkorea bedeutungslos.

Der Saisonhöhepunkt der Schwimmer ist Geschichte, doch einfach mal entspannen und die Beine hochlegen können Florian Wellbrock und seine Freundin Sarah Köhler nicht. Der Doppel-Weltmeister und die doppelte Medaillengewinnerin bei der WM von Südkorea müssen wie ihre Teamkollegen nach kurzem Zwischenstopp in der Heimat direkt weiter nach Berlin. Dort finden von diesem Donnerstag an im Rahmen der Finals die deutschen Meisterschaften statt – zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt und mit überschaubarem sportlichem Wert.

„Natürlich ist die Motivation nicht mehr ganz so groß wie diese Woche“, sagte Köhler kurz vor dem WM-Ende am vergangenen Sonntag. Nach dem Vorbereitungscamp in Japan und harten WM-Tagen freute sich die Gold-Gewinnerin mit der Freiwasserstaffel und Zweite über 1500 Meter Freistil im Becken „auf zwei Nächte zu Hause in meinem eigenen Bett“, bevor die Weiterreise in die Hauptstadt auf dem Programm stand. Der frühere Weltklasseschwimmer Paul Biedermann fühlte mit den Ex-Kollegen: „Es ist nicht leicht, sich wieder zu motivieren, aber man kann trotzdem mit soliden Zeiten rechnen.“

Bei den erstmals ausgetragenen Finals sind die nationalen Titelkämpfe der Schwimmer in ein großes Multisportevent eingebettet. In insgesamt zehn Sportarten werden in Berlin deutsche Meister gesucht. Die ARD überträgt am Samstag, das ZDF am Sonntag. Für die Schwimmer eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren. Die Gelegenheit ist so gut, dass von möglichen Ausnahmen abgesehen, jeder WM-Athlet teilnehmen muss.

„Normalerweise haben wir nach so einer großen Meisterschaft Urlaub“, sagte Brustschwimmerin Jessica Steiger: „Ich denke mit dem Jetlag wird’s ganz schön hart, aber es ist unser Job, sich noch mal zusammenzureißen, und danach haben wir Urlaub.“ Der Zeitplan ist so gestaltet, dass die meisten deutschen Top-Schwimmer am Wochenende antreten, wenn das Fernsehen überträgt. Wellbrocks WM-Gold-Strecke 1500 Meter Freistil steht am Samstag auf dem Programm, auch Brustschwimmer Marco Koch, Weltmeister von 2015 über 200 Meter, startet am Samstag.

„Wir finden die Veranstaltung toll, den Zusammenhang klasse, hätten das aber gerne noch ein bisschen mehr angeschoben“, sagte Teamchef Bernd Berkhahn. Wie gewohnt finden die deutschen Meisterschaften in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark statt, Berkhahn hätte sich einen anderen Austragungsort gewünscht. „Die Idee war, dass wir in das Freibad am Olympiastadion gehen“, sagte Berkhahn. Durch die Nähe zur Leichtathletik und zu anderen Sportarten hätten die Schwimmer Kontakt zu zahlreichen Zuschauern gehabt. In der Halle rechnet Berkhahn dagegen nicht mit vielen spontanen Besuchern. „Das Freibad wäre für die Zuschauer attraktiv und auch für die Sportler etwas Neues gewesen“, sagte er.

Ein Outdoor-Show-Ereignis für die Fans wäre in diesem Jahr aus sportlicher Sicht problemlos möglich gewesen. „Die Zeiten, die dort geschwommen werden, sind vollkommen irrelevant“, sagte Berkhahn – schließlich dienen die deutschen Meisterschaften 2019 weder als Qualifikations-Wettkampf noch als Standortbestimmung für ein Großereignis. 2020 ändert sich das wieder. Dann endet mit den nationalen Titelkämpfen vom 30. April bis zum 3. Mai der Nominierungszeitraum für Olympia in Tokio.