Radprofi Emanuel Buchmann will 2020 auf das Podium der Tour de France

Deutscher Radprofi selbstbewusst : Buchmann wagt sich aus der Deckung

Der deutsche Radprofi verkündet bei der Präsentation seines Teams selbstbewusst seine Ziele für die kommende Tour de France.

In der oberbayerischen Idylle schaltete Emanuel Buchmann plötzlich in den Angriffsmodus. Knapp sieben Monate vor dem nächsten großen Tour-de-France-Abenteuer verdeutlichte der 27-Jährige schon einmal ganz klar sein Verlangen nach dem nächsten Karriereschritt: das Podium beim größten Radrennen der Welt. „Besser als der vierte Platz ist das Podium – das muss das Ziel sein. Die Strecke macht mich zuversichtlich. Ich denke, das sollten wir hinkriegen“, kündigte der diesjährige Tour-Vierte an. Das neue Selbstbewusstsein passte vor rund 400 Gästen bei der Team-Präsentation in Kolbermoor bestens zu seinem Rennstall Bora-hansgrohe, der als klares Ziel ausgab, die Nummer eins der Welt zu werden.

Geht es nach den ambitionierten Machern aus Oberbayern, fordert der eigentlich zurückhaltende Radprofi aus Ravensburg im kommenden Jahr Stars wie Titelverteidiger Egan Bernal oder Vierfach-Champion Chris Froome richtig heraus. Teammanager Ralph Denk sagte: „Wenn man seine Entwicklung anschaut, war das kein kometenhafter Aufstieg, sondern Schritt für Schritt. Ich habe das Gefühl, dass da noch mehr geht. Wenn man Emus Historie anschaut, war das ganz kontinuierlich, aber auch fundiert.“

Bei Bora-hansgrohe werden sie dem Ziel Tour-Podium 2020 einiges unterordnen. Der deutsche Top-Sprinter Pascal Ackermann muss trotz herausragender Leistungen weiter auf sein Tour-Debüt warten, auch eine Situation mit zwei gleichberechtigten Kapitänen wie in diesem Jahr mit Patrick Konrad wird es nicht mehr geben. „Es ist besser, wenn man alles auf einen Kapitän ausrichtet. Ich bin der klare Kapitän“, erklärte Buchmann. Bei der Nominierung des Acht-Mann-Aufgebots wird der 27-Jährige demnach auch ein entsprechendes Mitspracherecht haben.

Buchmann, der im Sommer enorme Tempohärte am Berg bewies und am legendären Col du Tourmalet in den Pyrenäen sogar selbst die Elite angriff, fühlt sich gewappnet für den nächsten Schritt. Das Profil der Frankreich-Rundfahrt 2020 liegt ihm: Es gibt kein Mannschaftszeitfahren, dafür erneut viele Bergetappen, und die 36 Kilometer beim einzigen Einzelzeitfahren sind extrem herausfordernd.

„Einmal mehr wird meine gesamte Konzentration der Tour de France gelten. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet“, sagte Buchmann, der mit solchen Ansagen aber noch etwas unsicher wirkt. Funktionär Denk sieht das anders. „Er ist auch in diesem Punkt gereift, er ist selbstbewusster. Wenn du Vierter beim größten Radrennen der Welt wirst, dann darfst du auch selbstbewusst auftreten“, erklärte er. „Es kommt aus eigenem Antrieb, aber klar, die Teamkollegen und die Öffentlichkeit erwarten das auch. Das ist auch gut so“, beschrieb Buchmann.

2020 wird für die Radprofis ein knüppelhartes Jahr. Neben den drei Grand Tours (Giro, Tour, Vuelta) stehen WM, EM und Olympia auf dem Programm, die jeweils recht schweren Profile dürften „Emu“ liegen. Buchmann plant zwar einen Start bei den Olympischen Spielen in Tokio, seine Präferenzen hat er aber klar benannt: Im Vergleich zu einer Olympia-Medaille würde er, wenn er sich entscheiden müsste, lieber das Gesamtpodest bei der Tour nehmen.

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