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Mit der Tour de France wankt das gesamte System Radsport

Absage oder nicht? : Mit der Tour de France wankt das gesamte System Radsport

Eine Absage der Frankreich-Rundfahrt hätte für die Sportart wohl verheerende Folgen. Der Veranstalter ASO will vorerst am Termin Ende Juni festhalten.

Fußball-EM: verschoben. Olympia 2020: verschoben. Aber die Tour de France, die am 27. Juni in Nizza beginnen soll, wehrt sich trotz der dramatischen Coronakrise vehement gegen eine Absage – auch weil die finanziellen Schäden immens wären. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Tour nicht gefahren wird“, sagt Deutschlands Rundfahrt-Star Emanuel Buchmann.

Alles andere könne der Radsport verkraften, findet der 27-Jährige – wie die Absagen und Verlegungen von Klassikern wie Mailand-Sanremo oder Rundfahrten wie dem Giro d’Italia: „Aber wenn die Tour ausfällt, wäre das echt schlimm.“ Buchmann regt eine Verschiebung der Großen Schleife um einen Monat an: „Aber es weiß halt niemand, wie die Entwicklung dann aussieht.“

Die finanziellen Folgen einer Absage wären verheerend – insbesondere für die Teams, sagt Patrick Lefevere, mächtiger Boss der Top-Equipe Quick-Step: „Wenn es keine Tour gibt, kann das ganze Modell des Radsports zusammenbrechen. Die Teams investieren Millionen in der Gewissheit, dass sie im Sommer mit einem Engagement bei der Tour belohnt werden. Und da mehrere Teams bereits unter dem Druck stehen, Sponsorengelder für 2021 zu finden, wird die Aufgabe im Falle einer Absage nur noch schwieriger.“

Mit diesem Worst-Case-Szenario setzen sich die Organisatoren der Tour bislang noch nicht auseinander. „Wir stehen in Kontakt mit dem Tour-Organisator Amaury Sport Organisation“, erklärt Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu: „Es ist von größter Bedeutung, dass diese Veranstaltung durchgeführt werden kann.“ So könnte die Tour, die jährlich von zehn bis zwölf Millionen Radsport-Fans am Straßenrand verfolgt und von rund 29 000 Sicherheitskräften begleitet wird, in diesem Jahr mit einigen Restriktionen ablaufen. Das könnte die Streichung der Werbekarawane oder des Tour-Dorfes vor jeder Etappe betreffen. Zudem könnten die Zuschauer im Start- und Zielbereich ausgeschlossen werden.

Tour-Chef Christian Prudhomme hatte vergangene Woche darauf hingewiesen, dass erst zwei Weltkriege das Rennen stoppen konnten. „Sobald die Aktivitäten wieder aufgenommen werden, wird der Hunger auf das Rennen immens sein“, sagt er. Und hofft, in erster Linie zum Wohle des Landes, dass die Situation bis dahin geregelt sei.

So bleibt den Stars um Buchmann in dieser „großen Ungewissheit“ nur eine Devise: weitermachen. Denn trotz der Corona-Ausgangssperre in seinem Wohnsitz im österreichischen Lochau direkt am Bodensee kann Buchmann zum Radfahren noch raus. „Ich trainiere im Moment auf Form halten und hoffe, dass wir in den nächsten Wochen einen besseren Überblick haben, wie es weitergeht“, sagt der Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe.