1. Sport
  2. Sportmix
  3. Radsport

Levy peilt mit Triathlon-Erfahrung WM-Erfolge an

Bahnrad-WM : Mit Triathlon-Erfahrung zu WM-Erfolgen

Maximilian Levy zählt zu den erfahrensten Bahnrad-Fahrern im deutschen WM-Team und peilt eine Medaille an.

Das Bier mit Jan Frodeno sollte Folgen haben. Maximilian Levy konnte es damals nicht ahnen. „Ich habe ein anderes Schmerzempfinden. Ich kenne eigentlich keinen Schmerz mehr“, sagte der Bahnrad-Sprinter. Nein, die Feier nach Frodenos Olympiasieg 2008 in Peking uferte nicht aus. Levy, der bei der Bahn-WM in Berlin an diesem Donnerstag in seiner Spezialdisziplin Keirin um ein Top-Ergebnis fahren will, kam an jenem Abend dem Thema Triathlon erstmals nahe.

Der Reiz verflog nie ganz, doch erst im Juni 2019 gab Levy in Frankfurt seine Ironman-Premiere: 12:21:38 Stunden, Platz 936, rund viereinhalb Stunden hinter dem Sieger Jan Frodeno. „Es geht darum zu erfahren: Wo ist deine Grenze? Ich habe sie zum Glück nicht gefunden“, sagte der Berliner: „Ich brauchte die Herausforderung, mal etwas anderes zu machen, mal auszubrechen.“

Levy hat das Experiment nicht bereut – und ist dennoch froh, sich nun wieder seiner eigentlichen Leidenschaft zu widmen: den Kurzzeit-Disziplinen auf der Bahn. Im August peilt er seine vierte Olympia-Teilnahme an, dort und bei der Heim-WM in Berlin liegt sein Fokus auf dem Keirin, jenem Sprintrennen, in dem er 2009 erstmals Weltmeister wurde. „Es kann im Keirin für mich nur um Medaillen gehen, darauf versuche ich mich vorzubereiten“, sagte der 32-Jährige.

Für den „Kampfsprint“, wie ihn Levy nennt, eignet er sich mit seinen Qualitäten bestens. „Ich habe ein kleines Manko bei der Beschleunigung. Es dauert bei mir ein bisschen länger, ich bin eher der Typ Kühlschrank“, sagte Levy: „Aber wenn er läuft, dann läuft er. Das ist gerade im Keirin von Vorteil, der Sprint wird immer länger.“ Im Idealfall trägt ihn seine Sprintausdauer in Berlin ins Finale, dann ist für den Lokalmatador vor den Augen von Freunden und Familie vieles möglich.

Möglich gewesen wäre für Levy, der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde, auch eine Karriere als Straßenfahrer. In jungen Jahren träumte er vom Grünen Trikot bei der Tour de France. Den Wechsel auf die Bahn vollzog er eher unfreiwillig. „Für mich war das ein Abstieg. Ich fand das total uncool“, sagte Levy: „Ich bin dann aber relativ schnell gut geworden. Die Frage, ob ich das machen möchte oder nicht, hat sich nie mehr gestellt.“ Er hätte lieber die Tour de France gewonnen als Keirin-Weltmeister zu werden, räumte Levy ein: „Das war mir nicht vergönnt, aber das ist okay.“

Die Bahn-WM in Berlin, die Sommerspiele in Tokio – und dann? Levy besitzt bei seinem Team einen Vertrag bis 2021. Gut möglich, dass ihn spätestens danach erneut das Triathlon-Virus packt. „Beim Marathon habe ich mir geschworen, es nie wieder zu tun“, sagte Levy: „Aber es juckt schon wieder.“