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Die Sponsoren-Abhängigkeit schmerzt richtig

Radsport : Die Sponsoren-Abhängigkeit schmerzt richtig

Die Corona-Krise ist für den Radsport existenzbedrohend. Der erste Großsponsor eines Rennstalls hat bereits Gelder gestrichen.

Simon Geschke bekam die knallharten Folgen der Corona-Krise für den Radsport als einer der ersten Fahrer zu spüren. „Ich werde quasi in Kurzarbeit geschickt“, sagte der deutsche Profi: „Es sind schwierige Zeiten.“

Das polnische Modeunternehmen CCC, Hauptsponsor von Geschkes Team, ächzt wie viele andere Firmen unter der Pandemie. Die Läden sind geschlossen, die Umsätze brechen ein – und die Töpfe für das Marketing werden kleiner. Im Fall CCC heißt das: drastische Gehaltskürzungen für die Fahrer, Entlassungen im Betreuerstab.

„Alle Mechaniker, die sportlichen Leiter, Ärzte – es ist wirklich nicht viel übrig geblieben“, sagte Geschke. Gehaltseinsparungen sollen das mittelfristige Überleben des Teams in der rennfreien Zeit sichern. Hält die Flut der Absagen jedoch an und findet auch die überaus lukrative Tour de France im Sommer nicht statt, droht das endgültige Aus. Letztlich aber ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Tour zumindest verschoben wird.

„Wenn es so weitergeht, wird es noch viele Mannschaften treffen. Die Teams sind sehr fragil aufgebaut, was Sponsoren angeht“, sagte Geschke. Die Strukturen im Profi-Radsport machen ihn für weltweite Krisen extrem anfällig. Die Teams sind zu großen Teilen abhängig von den Zahlungen der Namenssponsoren. Der Kampf um gut dotierte Verträge ist für die Manager in normalen Zeiten schon schwierig genug. „Für den Radsport ist das eine schwere Situation, da die Teams auf die Sponsorengelder angewiesen sind“, sagte die Rundfahrt-Hoffnung Emanuel Buchmann: „In der Wirtschaft geht im Moment gar nix, den Sponsoren geht es auch schlecht.“ Klassiker-Jäger John Degenkolb sprach vom Worst-Case-Szenario, „dass viele Teams zumachen, weil sie nicht mehr das Sponsoren-Geld haben“.

Das deutsche Top-Team Bora-hansgrohe sieht sich noch gut aufgestellt. „Ich gehe schon davon aus, dass die Sponsoren ihre Verträge einhalten und auch leistungsfähig sind. Das sind ja gesunde Firmen“, sagte Teamchef Ralph Denk. Bora-hansgrohe oder das vom Chemie-Multi unterstützte Topteam Ine­os dürften die Krise vorerst auffangen können. Andere Mannschaften wie das von einem Reiseunternehmen gesponserte Team Sunweb dürften dagegen bald in Schwierigkeiten geraten. Die wirtschaftlichen Folgen könnten die Teams aber auch verzögert treffen. „Die Anschlussverträge werden schwerer zu generieren sein“, sagte Denk: „Es kann schon sein, dass sie gar nicht kommen. Oder, wenn sie kommen, dass sie kleiner ausfallen.“

Bei Bora-hansgrohe beläuft sich der finanzielle Schaden bislang auf einen mittleren sechsstelligen Betrag, der auf Rennabsagen basiert. „Prozentual gerechnet auf das Gesamtbudget ist es noch nicht so dramatisch, dass uns das niederreißen würde“, sagte Denk.

Bei CCC ist die Lage längst bedrohlicher. Die Fahrer erhalten ihr garantiertes Mindestgehalt, weil sonst der Lizenzentzug droht. Existenzsorgen haben die Fahrer daher vorerst nicht. Im Interesse aller Beteiligten hat Geschke dennoch zwei große Wünsche. Möglichst bald sollen wieder Rennen stattfinden, und: „Dass die CCC-Geschäfte bald wieder aufmachen können.“