Der CHIO in Aachen beginnt an diesem Dienstag mit der Eröffnungsfeier

CHIO in Aachen : Immer noch die Nummer eins der Reitwelt?

Der CHIO in Aachen ist das Reitturnier mit den besten Reitern, den meisten Pferden und dem größten Prestige. Aber auch der berühmte Klassiker bekommt die Veränderungen des Sports zu spüren.

Der Sportdirektor sieht es ganz pragmatisch. „Dass die Reiter gerne kommen, hat auch mit dem Preisgeld zu tun“, sagt Frank Kemperman vor der Eröffnungsfeier des CHIO in Aachen an diesem Dienstag. 1,879 Millionen Euro gibt es allein in den Spring-Wettbewerben zu verdienen. Allerdings ist das berühmteste Reitturnier der Erde ausgerechnet beim Preisgeld nicht mehr die Nummer eins der Welt.

Der CHIO gilt im Pferdesport als das Maß aller Dinge, mit seiner Größe, seiner Tradition, seinen enormen Zuschauerzahlen. Viele Jahrzehnte war der Turnierklassiker auch die Nummer eins bei der Dotierung, ehe im vergangenen Jahr beim letzten Turnier der Global Champions Tour in Prag 11,4 Millionen Euro ausgeschüttet wurden – also fast sechs Mal soviel wie in Aachen. „Das ist ein ganz anderes Konzept“, sagt Kemperman. „Da zahlt man erst Millionen in den Pott ein und bekommt das Geld später wieder zurück.“ Tatsächlich müssen die Teams der Millionen-Serie eine siebenstellige Gebühr zahlen, um teilnehmen zu dürfen.

Dass Aachen beim Preisgeld überholt worden ist, wird von den Reitern begrüßt. „Eigentlich kann es doch nicht besser sein“, sagt Marcus Ehning mit einem Augenzwinkern. Der Sieger des Großen Preises von Aachen 2018 betont aber: „Mit dem Ambiente und den Zuschauern bleibt Aachen einmalig.“ 40 000 Zuschauer gibt es nur in Aachen.

Eine Million Euro gibt es in diesem Jahr wieder im Großen Preis zu gewinnen. Gleichwohl wünscht sich Ehning eine höhere Dotierung in anderen Prüfungen wie dem Preis von Europa und dem Preis von Nordrhein-Westfalen, bei denen jeweils 100 000 Euro ausgeschüttet werden. „Die sind so schwer wie woanders die Großen Preise“, sagte Ehning: „Die Dotierung ist nicht entsprechend.“ Der 44-Jährige aus Borken war im Vorjahr der große Gewinner des CHIO, siegte mit der deutschen Nationalmannschaft auch im Nationenpreis. Bei diesem Wettbewerb mit acht Teams zeigen sich ebenfalls die Veränderungen in der Welt des Pferdesports. Seit 2014 gehört der Turnierklassiker nicht mehr zur Serie des Nations Cups. Hintergrund ist der Streit zweier Uhren-
Hersteller: Rolex ist Sponsor in Aachen, Longines finanziert den Nations Cup. Bundestrainer Otto Becker sagt: „Ich bedauere das sehr.“ Für den ersten Turnier-Höhepunkt am Donnerstagabend unter Flutlicht sei das jedoch nicht entscheidend: „Da ist immer volles Haus, das ist ein absoluter Höhepunkt.“

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