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Olympia-Verschiebung bringt Sportler ins Grübeln

Tokio 2020 findet jetzt 2021 statt : Olympia-Verschiebung bringt die Altstars ins Grübeln

Einige Athleten wollten nach Tokio aufhören, überlegen jetzt aber weiterzumachen. Für andere bringt eine Neuorganisation große Schwierigkeiten.

Aufhören? Weitermachen? Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele auf das kommende Jahr stehen plötzlich viele Sportler vor einer Lebensentscheidung. So sehr sich die meisten angesichts der Corona-Pandemie wünschten und es auch forderten, in diesem Sommer nicht ins ferne Tokio reisen zu müssen – ihre Pläne sind nun über den Haufen geworfen. „Ich wollte nach den Spielen meine aktive Karriere beenden. Jetzt muss ich das erst mal sacken lassen und mit meiner Frau Gespräche führen“, sagt etwa Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe.

Einen kleinen Schritt weiter ist kurz nach der Entscheidung Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, der in Japan seinen Frieden mit den Spielen machen wollte. „Mein Olympia-Traum ist verschoben – nicht geplatzt“, betont der 30-Jährige. Stäbler hängt ein Jahr dran – allerdings unter der Voraussetzung, dass er nicht noch einmal in eine Qualifikation muss. „Das macht mein Körper nicht mehr mit“, erläutert er angesichts seines Plans, für Olympia ein letztes Mal von 75 auf 67 Kilogramm abzukochen. Zweimal? Unmöglich. Das will er keinenfalls.

Athletensprecher Max Hartung konnte Stäbler bisher beruhigen – qualifiziert für 2020 ist qualifiziert für 2021. Das gilt auch für andere, wie etwa Tischtennis-Profi Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken und ihn selbst. Und dennoch: „Jetzt wird alles neu sortiert, genauso muss ich mich jetzt neu aufstellen“, sagt Hartung. „Das Gute ist“, ergänzt der mehrfache Fecht-Europameister, „dass der Druck vom Kessel ist, weil wir ein Jahr Zeit haben“. Sein eigener Plan „für die nächsten zwei, drei Jahre, der ist jetzt Makulatur. Das geht aber auch vielen anderen so. Ich werde mich jetzt hinsetzen und neu planen.“

Unklar ist, wohin der Ruder-Achter steuert. Bisher ging Bundestrainer Uwe Bender davon aus, dass Steuermann Martin Sauer und Richard Schmidt nach Olympia aufhören, Schlagmann Hannes Ocik und Malte Jakschik sind ebenfalls Kandidaten für einen Rücktritt. „Da müssen einige Sportler noch mal in ihre Lebensplanung schauen und überlegen“, sagt Bender, früher Landestrainer beim Ruderbund Saar. Es wäre „hart, das alles noch mal durchzustehen“, sagt Richard Schmidt: „Das bedeutet, dass man ein Jahr nochmal den blöden Mist machen muss, um erst in einem Jahr zu den Spielen zu fahren.“

Hart trifft die Verschiebung eine Athletin wie Paralympics-Siegerin Edina Müller. Weitermachen? „Schwierig. Ich habe alles auf 2020 ausgelegt. Ich weiß noch nicht, wie es mit den Sponsorenverträgen laufen wird.“ Müller, die im Rollstuhlbasketball Gold 2012 in London und als Kanutin Silber 2016 in Rio de Janeiro gewann, müsste sich für 2021 „komplett neu organisieren“. Sie müsste klären, „was mein Arbeitgeber dazu sagt, wenn ich im November nach anderthalb Jahren Elternzeit zurückkomme“ und sie dann eine komplette Vorbereitung auf die Paralympics machen wolle.

Wasserspringer Patrick Hausding, Olympia-Dritter in Rio und derzeit wegen Corona in freiwilliger Quarantäne, will seinen geplanten Rücktritt aufschieben. „Ich werde nicht jünger, und es wird jedes Jahr schwerer, wieder fit zu sein“, sagt er. Doch gerade dies sei für ihn ein „extra Kick – das macht es noch besonderer, als es eh schon ist“. Ein Jahr geht noch, sagt auch Janne Müller-Wieland (31), Kapitänin der Hockey-Nationalmannschaft.

Gelegen kommt die Verlegung Schwimmer Marco Koch: Der frühere Weltmeister über 200 Meter Brust ist wegen der Bäderschließungen in Deutschland derzeit nicht in der Lage, irgendwo ins Wasser zu gehen und normal zu trainieren. „Das nimmt einem den mentalen Stress“, sagt der 30-Jährige: „So kann jetzt jeder ein bisschen Abstand gewinnen und runterkommen in dieser schwierigen Zeit.“ Und dann entscheiden, wie es weitergeht.