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Olympia in Tokio wird zu einer gewaltigen Großbaustelle

Wegen Verschiebung : Die olympische Großbaustelle

Die Folgen der Verschiebung der Spiele in Tokio in das Jahr 2021 sind immens.

Olympia zur bezaubernden Kirschblüte im Frühjahr oder doch erst im heißen Hochsommer? Einen Tag nach der historischen Verlegung der Olympischen Sommerspiele von Tokio ins Jahr 2021 grassierten die wildesten Gerüchte über den neuen Termin des Großevents. IOC-Präsident Thomas Bach, der weiter massiv in der Kritik steht, wollte nichts ausschließen. „Das ist nicht nur auf die Sommermonate beschränkt“, sagte Bach über das Datum im nächsten Jahr: „Alle Optionen vor und einschließlich des Sommers 2021 sind möglich.“ Extra dafür hat das IOC eine Task Force mit dem Namen „Here we go“ („Los geht’s“) gegründet. Das Gremium besteht aus Mitgliedern der IOC-Koordinierungskommission sowie vom Organisationskomitee Tokio 2020.

In einem ersten Schritt werde die Task Force, so Bach, an diesem Donnerstag mit den 33 Sommersportverbänden mögliche Termine besprechen. Der volle Sportkalender für 2021 würde die Aufgabe nicht erleichtern, meinte der IOC-Chef: „Ich denke, wir sollten so schnell wie möglich zu einer Lösung kommen. Aber erste Priorität hat die Qualität dieser Entscheidung.“

Die Konsequenzen auf den Sportkalender werden immens sein – auch in Deutschland. Die Fußball-EM ist bereits auf 2021 (11. Juni bis 11. Juli) verschoben. In olympischen Kernsportarten wie Schwimmen (16. Juli bis 1. August) und Leichtathletik (6. bis 15. August) sind Weltmeisterschaften für 2021 geplant. Der Deutsche Basketball-Bund hofft, dass die Olympia-Verlegung keinen Einfluss auf die EM (2. bis 19. September) mit der Finalrunde in Berlin hat.

Eine der größten Sorgen der Sportler und Sportlerinnen ist der Weg zu den Sommerspielen. 57 Prozent der Athleten hatten das Ticket für Tokio schon sicher – nun muss geklärt werden, welche erfüllten Normen und Platzierungen noch Bestand haben. Aktuell herrscht Ratlosigkeit. Triathlon-Bundestrainer Faris Al-Sultan sagte, er habe „null Informationen“ dazu. Zudem müssen die abgesagten Qualifikations-Wettbewerbe neu angesetzt werden. Auch weitere Regularien sind noch offen: So waren beim olympischen Fußballturnier der Männer eigentlich nur drei Spieler pro Team erlaubt, die vor dem 1. Januar 1997 geboren sind. Nun ist unklar, ob sich diese Altersgrenze für das Team von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz auch entsprechend verschiebt.

Generell sah IOC-Präsident Bach riesige Aufgaben auf die olympischen Bewegung zukommen. „Wir müssen die Spiele 2021 organisieren, dazu stehen die Winterspiele 2022 und die Olympischen Jugendspiele 2022 vor der Tür. Das sind enorme Herausforderungen, die in Zeiten von Home Office nicht einfacher zu regeln sein werden“, sagte Bach. Auch die Frage, ob das Olympische Dorf für über 11 000 Athleten auch 2021 zu nutzen sei, reichte Bach an die Task Force weiter. Das Olympische Dorf sei ein Teil in einem großen Puzzle, das richtig zusammengesetzt werden müsse. Die 5632 Wohnungen sollten nach den Spielen an private Eigentümer übergeben werden, Schätzungen zufolge ist ein Viertel bereits verkauft.

Die Nutzung der bereits fertiggestellten Sportstätten in Tokio ist für 2021 fraglich, die Olympia-Macher müssen etliche Verträge neu verhandeln. Die Zusatzkosten werden auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzt, schon jetzt soll Tokio über 20 Milliarden Euro in das Olympia-Projekt gesteckt haben. Daher ist weiter auch die Frage pikant, wer von beiden, das IOC oder Gastgeber Japan, zuerst die Verlegung der Spiele gefordert hat.  Bach betonte, dass es sich am Ende um eine einheitliche Lösung gehandelt habe.

IOC-Präsident Thomas Bach ist einer der Verlierer der Olympia-Verschiebung. Foto: dpa/Jean-Christophe Bott

Obwohl Bach auch am Mittwoch wieder den ständigen Austausch des IOC mit allen Verbänden hervorhob, fühlten sich diese selbst bei der Entscheidung nicht mitgenommen. Er sei „irritiert“, sagte Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF. „Wir haben uns vor einer Woche mit Thomas Bach beraten, der Solidarität von uns einforderte. Nun wurden wir nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen“, kritisierte Weikert. Der frühere Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, warf Bach Versagen vor. „Letzten Endes hat sich Thomas Bach aus meiner Sicht als unfähig erwiesen, diese Krise zu meistern“, sagte Prokop der „Mittelbayerischen Zeitung“ (Mittwochausgabe).