Multi-Event in Berlin: 2021 könnte es mit den „Finals“ weitergehen

Neues Multi-Event : 2021 könnte es mit den „Finals“ weitergehen

Das Pilot-Projekt mit zehn zeitgleich in Berlin stattfindenden deutschen Meisterschaften hat Zuschauer vor Ort und am TV begeistert.

Das Experiment Mini-Olympia ist geglückt – und was nun? 178 000 Besucher lockten „Die Finals“ zu den Wettkämpfen, Millionen schauten vor dem Fernseher zu – und natürlich denken die Verantwortlichen schon weiter. Das neue Multisport-Event, das Fans und Sportler in Berlin am Wochenende in seinen Bann zog, soll keine Eintagsfliege bleiben. So wünschen es sich vor allem die Organisatoren in Sport, Politik und Fernsehen, die sich in ihrer Lobpreisung des Events geradezu überschlugen.

„Nach all dem tollen Feedback der Sportlerinnen und Sportler sowie der Zuschauer sollen das nicht die letzten Finals in Berlin gewesen sein“, sagte Berlins Sportsenator Andreas Geisel (SPD). Und auch Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), will mehr. „Das ist ein Format, wenn man das jetzt noch mal auswertet, kann es durchaus eine gute Perspektive für die Zukunft sein.“ Er habe eine Atmosphäre verspürt, „wie man sie ganz selten im Sport erlebt“, und brachte zuvor aus Begeisterung gar wieder eine deutsche Olympiabewerbung ins Spiel.

60 550 Zuschauer verschlug es insgesamt am Samstag und Sonntag ins Olympiastadion, wo die Leichtathleten als Zugpferd der „Finals“ die Massen bewegten. „Es waren die höchsten Zuschauerzahlen, die wir in diesem Jahrtausend gehabt haben. Jeder, der im Stadion war, hat eine fantastische Stimmung erlebt“, sagte Kessing. Auch DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska hörte „unheimlich viel positives Feedback“ und riet, man solle bei einer positiven Analyse des Events „ein begonnenes Projekt weiterführen“.

Insgesamt kamen 178 000 Menschen, um die deutschen Meisterschaften in zehn Sportarten live an den Wettkampforten zu verfolgen. Währenddessen schaltete auch das TV-Publikum so eifrig ein, dass eine Wiederholung wahrscheinlich ist. Für Samstag vermeldete die ARD einen durchschnittlichen Marktanteil von 12,5 Prozent. Auch das ZDF, das am Sonntag übertrug, strich zweistellige Marktanteile ein. „Wir sind hochzufrieden. Das war eine großartige Premiere mit tollen sportlichen Leistungen, die in Berlin viele Zuschauer angelockt haben“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

Doch eine unmittelbare Neuauflage im kommenden Jahr wird es schon mal nicht geben. „Das schaffen wir zwischen Fußball-EM und den Olympischen Spielen nicht. Aber für das Jahr darauf kann ich mir eine Wiederholung vorstellen, zumal auch die beteiligten Verbände und die Athleten zufrieden waren“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

Geht es in zwei Jahren also weiter, wären einige Fragen zu klären. „Sollte sich das Format für die Zukunft etablieren, wird ohne Zweifel auch die Standortfrage eine bedeutende Rolle spielen“, sagte Dagmar Freitag (SPD), die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. Denn natürlich hat Berlin alle Voraussetzungen, um auch dann wieder als Ausrichter zu fungieren. Andere Städte dürften aufgrund des großen Erfolges und des öffentlichen Interesses ebenfalls hellhörig werden. Sie müssten aber einen ähnlich hohen Etat zusammenbekommen, wie es Berlin diesmal geschafft hatte (3,3 Millionen Euro).

Der spätere Sieger Richard Murray (rechts) vom EJOT Team TV Buschhütten wartet mit den anderen Sportlern im Strandbad Wannsee auf den Startschuss für den Wettbewerb der Triathlon-Bundesliga. Foto: dpa/Gregor Fischer
Lea Sophie Friedrich jubelt mit Zuschauern im Berliner Velodrom über ihren Sieg im Sprint bei den Bahnrad-Meisterschaften. Die viermalige Junioren-Weltmeisterin, 19 Jahre jung, überraschte mit Topleistungen. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Das Multi-Event „Die Finals“ kam sehr gut an – auch und vor allem bei Randsportarten, die sonst fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Titelkämpfe austragen, war viel los, so wie hier beim Bogenschießen. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Von den Sportlern dürfte es breite Unterstützung für „Finals 2021“ geben, denn bis auf etwas Kritik am Zeitpunkt der Meisterschaften aus einigen Lagern hatte es wenig Gegenwind für das Projekt gegeben. Vielmehr forderten Athleten wie der zweimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange, der über die ungewohnte Triathlon-Kurzdistanz angetreten war, eine Zugabe. „Die Finals sind genau das, was der deutsche Sport braucht“, sagte er: „Die Stimmung hat uns nach vorne gepeitscht, und ich kann nur bitten, das alles zu wiederholen.“