Leonie Ebert ist die große Hoffnungsträgerin des deutschen Fechtens

Fechten : Ein Toptalent auf Fichtels Spuren

Die Heim-EM in Düsseldorf könnte zum endgültigen Durchbruch für die 19-jährige Fechterin Leonie Ebert werden.

Lange überlegen muss Leonie Ebert nicht. Ihr größtes Vorbild? „Anja Fichtel, sie war eine unfassbar talentierte und starke Fechterin“, sagt Ebert. Nicht wenige trauen der erst 19 Jahre alten Florettfechterin zu, einen ähnlichen Weg wie die zweimalige Olympiasiegerin einzuschlagen. Bereits in ihrem jungen Alter ist Ebert in der Weltspitze angekommen, sie gilt als goldenes Versprechen für die Zukunft des Fechtens in Deutschland.

Bei den Europameisterschaften in Düsseldorf, die am Montag starteten und bis Samstag andauern, rücken unweigerlich die Vergleiche zur einstigen Ausnahmeerscheinung Fichtel in den Fokus. Die Parallelen sind eindeutig – beide reiften sportlich in der Fecht-Hochburg Tauberbischofsheim, beide schafften bereits in jungen Jahren den Sprung nach oben. Und die beiden sind sich nicht unbekannt. Fichtel sei eine „Mentorin“, sagt Ebert. „Alles, was ich an Problemen und Hindernissen hatte, hat sie selbst schon vorher durchgemacht“, sagt sie über ihr Idol: „Sie wusste genau, wie ich mich fühle, und stand an meiner Seite. Dadurch hat sie mich sehr gepusht.“

Bereits mit 14 Jahren führte Eberts Weg in die Nationalmannschaft, neben mehreren WM- und EM-Titeln in der Jugend gewann sie 2017 EM-Bronze mit der Mannschaft. Welches Potenzial in ihr steckt, bewies Ebert auch durch starke Auftritte in dieser Weltcup-Saison. Ein zweiter Platz zu Jahresbeginn bringt „natürlich mehr Selbstvertrauen für die nächsten Wettkämpfe“, sagt sie: „Das hat mir gezeigt, dass man nicht in Limits denken sollte.“

Konzentration und Fokus – das sind die Schlagwörter, die immer wieder fallen, wenn es um Eberts Stärken geht. Platz sieben in der Weltrangliste kommt nicht von ungefähr. „Sie ist für mich eine Vorzeigeathletin“, sagt Sportdirektor Sven Ressel, in Zukunft sei „alles möglich“. Säbel-Europameister Max Hartung findet ihre Entwicklung „sehr beeindruckend“: „Ich war da als Jugendfechter zerstreuter und habe mehr Mist gemacht.“ Und der ehemalige Bundestrainer Andrea Magro sagt, sie sei „eine freundliche, liebenswerte Person, aber auf der Planche tötet sie dich“.

Die noch junge Karriere erlebte aber auch schon turbulentere Phasen. Im vergangenen Jahr waren Ebert sowie ihre Teamkolleginnen Anne Sauer und Carolin Golubytskyi von Tauberbischofsheim zu Future Fencing Werbach gewechselt. „Wir wollten einfach Ruhe haben, um unser Ding machen zu können“, sagt Ebert rückblickend. Zahlreiche Querelen im Vereinsumfeld und die Entlassung von Bundestrainer Magro, mit dem Ebert und Co. gerne weitergearbeitet hätten, machten den Wechsel unausweichlich: „Wir haben jetzt keinen Stress und keine Unruhe mehr, deshalb war es der richtige Schritt.“

Im neuen Umfeld konnte sie zuletzt in Ruhe arbeiten, dank der problemlosen Vorbereitung geht Ebert nun motiviert in die Heim-EM. Ressel jedoch dämpft die Erwartungen an seine Hoffnungsträgerin. „Wir müssen ein bisschen den Druck rausnehmen“, sagt er, um dann aber klarzustellen: „Wir trauen ihr eine Medaille zu.“

Aus Eberts Sicht sei eine Medaille in Düsseldorf „wünschenswert, aber unser Sport ist unberechenbar. Es kommt auf die Performance am Wettkampftag an.“ Eine gute Vorstellung wäre der nächste Schritt in eine goldene Zukunft – in Anja Fichtels großen Fußstapfen.

Die Florettfechter Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, André Sanita und Luis Klein haben bei der Heim-EM in Düsseldorf enttäuscht. Alle sind am Montag bereits in der zweiten Runde ausgeschieden.

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