Diamond League Rom : Röhler macht sich selbst süchtig

Speerwerfer knackt die 90-Meter-Marke. Ebenfalls stark: Konstanze Klosterhalfen.

() Vor dem ersten Wurf im Olympiastadion von Rom hat Thomas Röhler den am Rande der Speerwurf-Zone postierten TV-Kameramann vorsorglich gewarnt. „Sei vorsichtig“, sagte der 25 Jahre alte Olympiasieger. Die Warnung kam nicht von ungefähr - und zu Recht. Im letzten Versuch gelang Röhler beim Diamond-League-Meeting am späten Donnerstagabend mit 90,06 Metern erneut ein großer Wurf. Beim Auftakt dieser Leichtathletik-Premiumserie hatte Röhler den Speer auf 93,90 Meter katapultiert und nur knapp vor die Füße eines Kameramannes.

„Es war ein schöner Wettbewerb, aber es war eigentlich mein Anspruch, noch einen Tick weiter zu werfen“, sagte der Topathlet vom LC Jena einen Tag später. In Rom hat ihn Johannes Vetter motiviert. Nach fünf Versuchen schien dem Werfer der LG Offenburg, früher SV Saar 05, mit seinen 88,15 Metern der Sieg sicher zu sein. „Wenn Jojo nicht gewesen wäre, wäre es schwer geworden, noch 90 Meter zu werfen“, sagte Röhler.

Für ihn liegt die Messlatte im WM-Jahr nach dem Rekordwurf über 93,90 Meter und dem erneuten 90-Meter-Wurf immens hoch. Deshalb versucht Röhler, dem gewaltigen Erfolgsdruck mit Realitätssinn zu begegnen. „Würfe über 90 Meter können nicht der Anspruch bei jedem Wettkampf sein“, sagte er: „Jeder Wurf über 87 Meter ist eine feine Sache, aber Würfe über 90 Meter machen schon süchtig.“

Röhler ist ein Jahr nach dem Gold-Triumph von Rio der Topfavorit auf den Titel bei der WM im August in London. Wie weit und schnell man auch im Laufen vorankommen kann, zeigte in Rom Super-Talent Konstanze Klosterhalfen (20) bei ihrem starken Debüt in der Diamond League. Über 1500 Meter wurde die Leverkusenerin Dritte und unterbot in 3:59,30 Minuten die Vier-Minuten-Grenze. Dies ist seit dem Mauerfall keiner deutschen Läuferin mehr gelungen. Es ist bereits der dritte persönliche Rekord für sie in dieser Saison. In Karlsruhe hatte sie über 5000 Meter (14:51,38) die 15 Minuten und zuletzt in Pfungstadt über 800 Meter (1:59,65) die Zwei-Minuten Grenze unterboten.

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