Positive Bilanz für deutsche Leichtathleten bei der WM in Doha in Katar

Deutsche WM-Bilanz fällt positiv aus : Das nächste Abenteuer wartet schon

Die deutschen Leichtathleten haben gerade eine enorm schwere WM hinter sich, da geht der Blick schon nach Tokio zu Olympia 2020.

Angeführt von Gold-Gewinnerin Malaika Mihambo verließ die Nachhut der deutschen Leichtathleten am Montag Doha – das nächste Ziel hatte die erfolgreiche deutsche WM-Reisegruppe aber schon vor Augen: Deutlich weniger als ein Jahr dauert es bis zum Startschuss der Olympischen Sommerspiele in Tokio, und es wird ein einziger langer Sprint bis nach Japan. Der Rückenwind aus Katar ist zwar hilfreich, aber allein kein Erfolgsgarant.

„In zehn Monaten ist Olympia schon wieder vorbei. Ich kann trotzdem jedem Athleten raten, die Vorbereitung mit einer sehr umfassenden Regenerationsphase zu beginnen“, sagte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), „denn es war eine der schwersten Weltmeisterschaften, die ich erlebt habe.“ Der späte Termin, die extremen klimatischen Bedingungen, die Ausfälle vieler Leistungsträger: Dass die deutsche Mannschaft dennoch mit zwei Mal Gold und vier Mal Bronze die Bilanz von 2017 (ein Titel, je zwei Mal Silber und Bronze) übertraf, stimmte die Verantwortlichen zufrieden. „Das Team hat sich hervorragend geschlagen und mehr gebracht, als wir vorher erwarten durften“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing.

Zumindest Mihambo, die mit ihrem traumhaften Weitsprung-Gold zum Abschluss gemeinsam mit dem neuen Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul die Führungsfigur in Tokio sein soll, befolgte den „Befehl“ von Chef Gonschinska, sich gefälligst in den Erholungsmodus zu begeben – schon am Montag flog die 25-Jährige nach Thailand. „Ich habe noch vier Wochen frei, die will ich voll auskosten. Ich nehme mir einfach die Zeit, das zu verarbeiten“, sagte die frischgebackene 7,30-Meter-Springerin. Olympia spukt schon im Hinterkopf herum: „Wenn ich gesund bleibe und noch an Kraft und Schnelligkeit zulegen kann, kann ich mich darüber freuen, beim größten Wettkampf überhaupt noch einmal in dieser Form dazustehen.“

Einiges gutzumachen haben die deutschen Speerwerfer. Als Kandidaten für einen Dreifachsieg gehandelt, konnten sie froh sein, dass Johannes Vetter in Doha mit Bronze die Bilanz rettete – auch wenn er seinen Weltmeister-Titel loswurde. Bei Olympia will der verletzungsgeplagte Offenburger wieder fit angreifen, der in der Doha-Qualifikation gescheiterte Rio-Olympiasieger Thomas Röhler wieder Stärke zeigen. „Die Fehler muss ich bei mir suchen, das ist auch der Beginn in Richtung Tokio“, sagte Röhler.

Sollte das deutsche Team Olympia in Bestbesetzung in Angriff nehmen können, wird es schlagkräftig sein: Neben Mihambo und Kaul sind auch die weiteren Doha-Medaillisten Konstanze Klosterhalfen (5000 Meter), Gesa Felicitas Krause (3000 Meter Hindernis) und Christina Schwanitz (Kugelstoßen) auf einem sehr guten Weg. Die Doha-Vierten Christin Hussong (Speer) und Bo Kanda Lita Baehre sowie Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe (beide Stabhochsprung) gehen hochmotiviert in die vorolympische Schufterei, den in Doha enttäuschenden Gina Lückenkemper (Sprint) und Mateusz Przybylko (Hochsprung) geht es nicht anders. Und für Rio-Olympiasieger Christoph Harting, der auch in Doha ein Rätsel blieb, ist Tokio eines der wenigen Ziele, die ihn interessieren.

Niklas Kaul wurde in Doha der jüngste Zehnkampf-Weltmeister der Leichtathletik-Geschichte. Foto: dpa/Michael Kappeler

Fragezeichen gibt es bei einigen Rückkehrern: Während Siebenkämpferin Carolin Schäfer in Tokio wieder eine gute Rolle spielen dürfte, hat sich in den Sparten der ebenfalls in Doha verletzt fehlenden Pamela Dutkiewicz (100 Meter Hürden), Marie-Laurence Jungfleisch (Hochsprung) und David Storl (Kugel) eine Menge getan, das Niveau ist zum Teil gespenstisch hoch. Auch zwei verletzte saarländische Hoffnungsträger hoffen auf Tokio: Siebenkämpferin Louisa Grauvogel und Sprinterin Laura Müller.

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