Die deutschen Speerwerfer starten in Shanghai in die WM-Saison

Leichtathletik : Die Speerwerfer wollen ins Rollen kommen

Deutsche Asse starten beim Diamond-League-Meeting in Shanghai in die WM-Saison, Vetter muss passen.

Die Speere fliegen wieder – und mit ihnen die Träume der deutschen Leichtathletik. Olympiasieger und Europameister Thomas Röhler, Vize-Europameister Andreas Hofmann und EM-Goldmedaillengewinnerin Christin Hussong starten an diesem Samstag beim Diamond-League-Meeting in Shanghai in die Saison. Mit einem intensiven Trainingslager im türkischen Belek in den Beinen messen sich die Asse erstmals mit der internationalen Konkurrenz.

„Pro Trainingseinheit habe ich etwa 80 Würfe gemacht, hochgerechnet dürften das rund 800 während des gesamten Trainingslagers gewesen sein“, sagt Röhler: „Aber da werden nicht alle voll durchgezogen, vielleicht zehn Prozent haben Wettkampf-Schönheit.“ Nach einem ersten Camp in Südafrika mit viel Grundlagentraining arbeiteten Röhler und Co. zuletzt vor allem an der Abwurfgeschwindigkeit. „Alle sind gesund durch die Vorbereitung gekommen und gut drauf“, sagt Männer-Bundestrainer Boris Obergföll. Zwei Wermutstropfen hat Obergföll allerdings zu beklagen: Der Mainzer Julian Weber ist nach einer Fuß-Operation im Vorjahr noch hinterher. Und Weltmeister Johannes Vetter musste seinen Start in China sowie bei allen Wettkämpfen in den kommenden Wochen dagegen absagen. Der Offenburger leidet laut leichtathletik.de unter einer schmerzhaften Sehnenentzündung im Fuß. Es ist zum Glück nicht die Achillessehne“, sagte Obergföll, „da muss ich den Athleten auch vor sich selbst schützen. Die Gesundheit geht vor.“

Für die noch ferne Leichtathletik-WM vom 27. September bis 6. Oktober in Doha hat der frühere Weltklasse-Werfer aus dem Saarland klare Ziele: „Alle vier Deutschen unter den besten Acht! Und so viele Medaillen, wie es geht – aber am besten drei!“

Vor dem ersten Kräftemessen mit der internationalen Konkurrenz dürfe man aber noch nicht reihenweise 90-Meter-Würfe erwarten, warnt Obergföll. Zumal die Anreise etwas strapaziös sei. „Ich bin körperlich fit, aber weit werfen ist aktuell nicht geplant“, erklärt auch Europameister Röhler: „Wir wollen erst mal ins Rollen kommen. Das ist wie beim ersten Formel-1-Rennen der Saison: Da wissen auch die guten Fahrer noch nicht, wie’s läuft.“ 2017 hatte der Goldmedaillengewinner von Rio de Janeiro beim Diamond-League-
Meeting in Doha gleich deutschen Rekord (93,90 Meter) geworfen.

Die ungewöhnlich späte Weltmeisterschaft erfordert von den Athleten dieses Jahr einen langen Atem. „Das Ziel ist erst einmal, gesund aus Shanghai zurückzukommen“, sagt Obergföll: „Am Ende zählt nur: Wer hat die Diamond League gewonnen, wer hat die WM gewonnen?“ Sieger werde am Ende wohl der sein, „der die cleverste Planung hatte“. Man müsse nach den deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin schauen, wie viele Körner die Athleten noch im Tank haben und danach erst mal regenerativ trainieren – „damit sie wieder Bock haben zu werfen. Es liegt am Trainerteam, dass sie nicht ausgebrannt sind Ende September.“

Für Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken hat das Leichtathletik-Jahr genau genommen bereits Anfang März begonnen. Beim Winterwurf-Europacup in der Slowakei kam die 24-Jährige auf 65,47 Meter und übertraf damit klar die Qualifikations-Norm für Doha. Hussong trainiert – auch mangels Konkurrenz bei den deutschen Frauen – bereits seit vergangenem Jahr mit Röhler und Co. „Ich wünsche Christin, dass sie in der Lage ist, bei der WM-Medaillenvergabe dabei zu sein“, sagt Obergföll und ergänzt schmunzelnd: „Die hat echt Potenzial, die Maus.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung