Diamond League feiert Jubiläum und zugleich Abschied vom alten Format

Leichtathletik : Die Premium-Serie der Leichtathletik wird umgebaut

Die Diamond League feiert ihr zehnjähriges Jubiläum und den Abschied vom alten Format. In diesem greifen die deutschen Speerwerfer noch einmal an.

Der Start in die zehnte Diamond-League-Saison ist der Anfang vom Ende der umstrittenen Premium-Serie des Leichtathletik-Weltverbandes. „Es liegt so ein bisschen Umbruch in der Luft, aber es muss nicht radikal geschehen“, sagt Thomas Röhler, deutsches Mitglied in der IAAF-Athletenkommission, vor dem ersten von 14 Meetings an diesem Freitag in Doha/Katar. 2020 soll nicht nur die Diamond League attraktiver werden. „Im nächsten Jahr steht die Sportart Leichtathletik mit dem Wettkampfsystem auf dem Prüfstand“, sagt der Olympiasieger aus Jena: „Ich weiß, dass es positive Bestrebungen gibt, die Verständlichkeit für die Zuschauer zu verbessern.“

In diesem Jahr werden sich die Leichtathletik-Fans noch mühen müssen, bei den 14 Meetings mit insgesamt 32 Disziplinen und zwei Finals den Über- und Durchblick zu behalten. Immerhin haben nach IAAF-Angaben weltweit 2018 rund 360 Millionen Menschen in 172 Ländern die Fernseh-Übertragungen der Diamond League gesehen – in Deutschland allerdings nur im Bezahlfernsehen. „Es ist eine starke Serie, aber wir können sie noch stärker und relevanter machen“, erklärt IAAF-Präsident Sebastian Coe.

Fest steht bisher, dass die 14 Meetings ab 2020 auf zwölf und die 32 Disziplinen auf 24 reduziert werden sollen. Dabei sind im Laufen nur noch Strecken bis 3000 Meter zugelassen, um Programme rasanter zu präsentieren. Statt zwei wird es im kommenden Jahr zudem nur noch ein Finale geben. In diesem Jahr sind noch einmal Zürich (29. August) und Brüssel (6. September) die letzten Schauplätze.

Abgesehen von den bereits von der IAAF avisierten Veränderungen fordert Röhler eine Vereinfachung des Punktesystems und sogar die komplette Abschaffung des Finals. „In vielen Ländern liebt man es nicht, alles am Ende auf ein Finale zu setzen“, meint der Speerwurf-Olympiasieger. Es würde genügen, wenn man über die gesamte Saison – wie in der Formel 1 – verfolgen könnte, wer in der Rangliste führt und wer nicht.

Für den Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Idriss Gonschinska, ist es eine Herausforderung, „eine gelungene Synthese zwischen dem Erhalt traditioneller Merkmale“ der Sportart und „Erneuerungen im Sinne eines modernen Entertainments“ zu entwickeln. Wie kreative Ideen die Attraktivität erhöhen könnten, habe der DLV bei der Heim-EM 2018 in Berlin „eindrucksvoll dargestellt“. Für die Diamond League könne er sich Starts im Nationaltrikot als „durchaus sehr wirksam“ vorstellen.

2018 kämpften knapp 800 Athleten aus 83 Ländern um acht Millionen US-Dollar Preisgeld. „Der Anreiz, in der Diamond League erfolgreich zu sein, ist groß. Es ist die finanziell stärkste Serie, die wir haben“, sagt Röhler. 2018 kassierte sein Speerwurf-Kollege Andreas Hofmann als einziger deutscher Gesamtsieger einer Disziplin 50 000 Dollar plus Prämien und Antrittsgelder bei den Meetings. Hofmann und Co. werden am 18. Mai in Shanghai die ersten Würfe machen.

„Die Speerwerfer um Thomas Röhler, Johannes Vetter, Andreas Hofmann und Julian Weber sind natürlich wieder Anwärter auf den Gesamterfolg“, sagt Gonschinska – und nennt noch ein halbes Dutzend deutscher Asse wie die Europameister Malaika Mihambo (Weitsprung), Christin Hussong (Speer) oder Mateusz Przybylko (Hochsprung).

Beim Diamond-League-Start in Doha will Diskus-Olympiasieger Christoph Harting die erste Punkte und erste Erfahrungen für die Weltmeisterschaften sammeln. Schließlich wird im klimatisierten Khalifa-Stadium vom 27. September bis 6. Oktober auch um die WM-Medaillen gekämpft.

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