Bolt ist nicht mehr dabei, Leichtathletik sucht neuen Superstar

Leichtathletik : Die Leichtathletik sucht ihren neuen Superstar

Sieben Mal in Serie war Super-Sprinter Usain Bolt bei Weltmeisterschaften am Start. In Doha wird der Jamaikaner schmerzlich vermisst.

Keine Faxen am Start, keine Show nach Siegen – und auch kein Weltrekord-Blitz im tosenden Stadion mehr: Seit Supersprinter Usain Bolt seine Sportler-Rente auf Jamaika genießt, fehlt der Welt-Leichtathletik die Lichtgestalt. Typen wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Roger Federer oder Tiger Woods, die Millionen in ihren Bann ziehen und auch Dollar-Millionen garantieren – die könnte die olympische Kernsportart dringend brauchen. Die am Freitag beginnenden Weltmeisterschaften in Doha sind die ersten globalen Titelkämpfe seit 2003 ohne Bolt. Und nicht nur die Fans sind gespannt: Wer wird der neue Superstar der Leichtathletik?

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler sieht keinen Grund zur Sorge, gerade die Asse seiner Sparte überzeugen seit Jahren durch Leistung. „Die Stadien sind in diesem Jahr auch ohne Usain voll gewesen“, sagt der Thüringer: „Ich begrüße die aktuelle Taktik, in der Vermarktung auf mehr Pferde zu setzen. Davon lebt doch unsere Sportart, die vom Kern aus nun mal aus sehr vielen Disziplinen besteht und so viele verschiedene Charaktere hat.“ Der 27 Jahre alte Röhler ist Athletensprecher des Weltverbandes IAAF.

Aber, auch das ist Röhler natürlich bewusst: Sprinter sind nun mal die Attraktion, ein 100-Meter-Finale ist das Highlight. Bei Olympia oder einer WM schaut die ganze Sportwelt hin. Doch nach der Ära Bolt haben es seine Erben schwer. Kann ein Christian Coleman aus dem Schatten des Weltrekordlers, achtmaligen Olympiasiegers und elfmaligen Weltmeisters treten? Taugt der 23 Jahre alte US-Amerikaner schon zum Star? Schnelle Beine, forsche Töne – für Schlagzeilen hat Coleman in diesem Jahr schon reichlich gesorgt. Auch für negative.

Nach drei verpassten Dopingkontrollen („Missed tests“) drohte dem Mann aus Atlanta eine Sperre. Doch Coleman hat gute Anwälte. Die Anti-Doping-Agentur der USA zog ihre Anklage zurück, weil die drei besagten Tests nicht innerhalb von zwölf Monaten waren. Bei einer Verurteilung hätte dem schnellsten Mann des Jahres (9,81 Sekunden über 100 Meter) eine Sperre von bis zu zwei Jahren gedroht.

Wird Coleman der neue Bolt? Das hat der einen Kopf kleinere Amerikaner gar nicht vor. „Ich will nicht Usain Bolt sein. Ich will auch nicht irgendjemand anderes sein. Ich will die beste Version von Christian Coleman sein“, sagt der Hallenweltmeister: „Ich bin der größte Befürworter eines sauberen Sports. Und ich kann es kaum erwarten, Weltmeister zu werden.“

„Der Sprint wurde ja immer sehr gehypt. Jetzt gilt es, neue Gesichter zu finden, die für mehr stehen als nur für den sportlichen Erfolg“, sagt Weitspringerin Malaika Mihambo. Der 25 Jahre alten Europameisterin trauen viele auch WM-Gold zu. Einen neuen Star am Firmament sieht sie derzeit nicht. „Bolt hat ja ausgezeichnet, dass er über viele Jahre hinweg so gut war“, meint Mihambo: „Da gibt es wenige, die in ihren Disziplinen so dominieren.“

Bolt, der seine Karriere 2017 beendet hat, füllte die Arenen, der Jamaikaner verzückte Fans, Medien, Sponsoren und Manager gleichermaßen. Noah Lyles, Colemans Landsmann und Rivale über 200 Meter, tastet sich ebenso an den Weltrekord heran wie der Norweger Karsten Warholm über 400 Meter Hürden. Stabhochsprung-Europameister Armand Duplantis könnte mal einer werden: Schon als Teenager hat der Schwede die sechs Meter im Griff.

Und bei den Frauen? Eine Überfliegerin wie Jelena Issinbajewa, die Stabartistin und Weltrekordsammlerin aus Moskau, hat längst aufgehört. Caster Semenya wäre eine – aber die zweimalige 800-Meter-Olympiasiegerin aus Südafrika will jetzt lieber Fußball spielen. Sie sucht eine neue Herausforderung, da sie ihren WM-Titel über 800 Meter bei der am Freitag beginnenden WM in Doha nicht verteidigen kann. Eine umstrittene IAAF-Regel würde sie zwingen, ihren genetisch bedingt erhöhten Testosteronspiegel durch eine Hormoneinnahme zu senken. Das lehnt Semenya strikt ab.

Thomas Röhler sieht trotz Bolts Fehlen bei der WM keinen Grund zur Sorge. Foto: dpa/Gregor Fischer
Christian Coleman ist aktuell der schnellste Sprinter der Welt. Foto: dpa/Charlie Neibergall
Weitspringerin Malaika Mihambo hofft auf WM-Gold. Foto: dpa/Jens Büttner
Allyson Felix ist die erfolgreichste Athletin der WM-Geschichte – vor Usain Bolt. Foto: dpa/Antonio Lacerda

Im US-Team steht auch Sprinterin Allyson Felix. Mit 16 Medaillen ist die 33-Jährige die bis dato erfolgreichste Leichtathletin der WM-Geschichte – übrigens noch vor Usain Bolt. Aber ein Superstar wie Bolt ist sie eben nicht.

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