Herrmann hält neue Aufmerksamkeit auch für riskant

Biathlon : „Die Aufmerksamkeit ist auch riskant“

Die Biathlon-Weltmeisterin soll die deutsche Mannschaft nach dem Abschied von Laura Dahlmeier anführen. Einfach ist das nicht.

Alle Augen sind auf Denise Herrmann gerichtet: Nach dem Rücktritt von Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier ruhen die Hoffnungen der deutschen Biathletinnen vor allem auf der 30-Jährigen. Im SZ-Interview am Rande des Weltcup-Auftakts in Östersund, wo sie am Sonntag im Sprint den sechsten Platz belegte, verrät Herrmann, wie sie mit ihrer neuen Rolle als Anführerin umgeht.

Frau Herrmann, das Jahr eins nach Laura Dahlmeier hat begonnen, für viele sind Sie nun die deutsche Hoffnungsträgerin. Wie gehen Sie damit um?

DENISE HERRMANN Natürlich war ich zuletzt gut drauf und ich weiß, was ich kann. Aber wir haben im Team viele starke Mädels, die schon auf dem Podest standen. Dass ich nun mehr im Fokus stehen werde, ist mir bewusst. Von außen wünscht man sich ja auch immer eine solche Figur. Wir wollen an jedem Wochenende jemanden Richtung Podium bringen und ich hoffe, dass das bei mir oft klappt.

Liegt Ihnen diese Rolle oder agieren Sie lieber im Hintergrund und überraschen?

HERRMANN Ich bin schon ein paar Jahre dabei und glaube, dass man auf die Aufmerksamkeit nicht zu viel Wert legen sollte. Wenn es gut läuft, steht man im Fokus – das kann sich aber auch schnell wieder ändern. Wir Biathleten stehen in Deutschland auch durch die mediale Aufmerksamkeit generell mehr in der Öffentlichkeit. Das ist schön, aber auch riskant, weil man sich davon ablenken lassen kann.

Dahlmeier hatte trotzdem immer wieder Top-Ergebnisse abgeliefert. Was wird im Team, abgesehen von ihren Erfolgen, nun fehlen?

HERRMANN Sie war die perfekte Biathletin und hat meistens das Podest abgesichert. Sie hat auch im Training immer die Herausforderung gesucht, das hat uns extrem gepusht. Zudem konnte ich viel von ihrer Routine am Schießstand lernen, sie hat die Scheiben bei Wind und Wetter abgeräumt. Da wusste man dann, wie der Hase läuft.

Sie sind vom Langlauf zum Biathlon gewechselt. Bleibt das Schießen im kommenden Winter Ihre größte Herausforderung?

HERRMANN Ich habe im vergangenen Jahr viel gelernt und konnte beim Bau meines neuen Gewehrschafts mehr Input geben. Das ist mittlerweile mehr als nur ein Stück Holz, ich identifiziere mich damit. Das ist zwar keine Garantie für den Wettkampf, aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

In Östersund waren Sie ja ohnehin stets erfolgreich, haben Ihren ersten Weltcup-Sieg und WM-Titel hier geholt. Was macht diesen Ort so speziell?

HERRMANN Die Strecke ist sehr selektiv, da muss man läuferisch was auf dem Kasten haben. Ich fand den Ort schon als Langläuferin cool, treffe mich auch immer mit zwei Ex-Kolleginnen aus dem Langlauf oder spaziere durch die Stadt. Irgendwie gibt mir Östersund viel Energie.

Aber eigentlich sollten Sie ja erst im Februar bei der WM in Antholz auftrumpfen. Sind Sie vielleicht zu früh in Top-Form?

HERRMANN Ich denke nicht. Ich habe im Training auch gemerkt, dass es sich anders anfühlt, wenn ich in Top-Form bin, da kann ich noch ein paar Schippen drauflegen. Außerdem ist die Saisoneinteilung ja so konzipiert, dass man beim Höhepunkt die beste Form besitzt.

Also ist Antholz jetzt schon ein Thema?

HERRMANN Natürlich. Man weiß ja auch schon, was einem bei dieser Strecke abverlangt wird, wie der Körper auf die Höhe reagiert. Die Strecke gefällt mir sehr gut, der Schießstand hat aber seine Tücken. Aber gerade was das Laufen und das Ambiente betrifft, ist Antholz besonders. Wir sind alle keine Schönwetter-Sportler, aber dort macht es einfach immer viel Spaß.