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Rückkehr der Legenden
Spektakuläre Comebacks endeten nicht immer erfolgreich

Augusta. Viele Sport-Legenden meldeten sich in ihrer Karriere wieder zurück – von Muhammad Ali über Michael Jordan bis hin zu Björn Borg. sid

Elf Jahre musste Tiger Woods auf einen Major-Triumph warten, dann siegte er furios beim US Masters. Die SZ hat weitere Geschichten prominenter Rückkehrer im Sport zusammengestellt.


MUHAMMAD ALI (Boxen): Ali war der Größte – und beendete seine Box-Karriere als gebrochener Mann. 1967 musste der gebürtige Cassius Clay zwangsweise erstmals seine Karriere ruhen lassen und als Wehrdienstverweigerer seinen WM-Titel abgeben. 1970 durfte Ali sein Comeback feiern, wurde Weltmeister, der „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman und die Kämpfe gegen Joe Frazier gingen in die Geschichte ein. Mit der Niederlage gegen Leon Spinks 1978 sank sein Stern, Ende des Jahres erklärte er seinen Rücktritt, erste Zeichen seiner Parkinson-Erkrankung machten sich bemerkbar. 1980 kam der 2016 verstorbene Ali dennoch ein drittes Mal zurück, in verheerendem Zustand: Aus dem schnellsten Schwergewichtler war ein tapsiger Bär geworden. Die Niederlagen kratzten am Mythos – zerstören konnten sie ihn nicht.



MICHAEL SCHUMACHER (Formel 1): Knapp drei Jahre hielt es der Rekordweltmeister als Formel-1-Rentner aus. Als auch gelegentliche Renneinsätze auf dem Motorrad keine Befriedigung mehr brachten, zog es den Kerpener ins Kerngeschäft zurück. Ende 2009 unterschrieb Schumacher für drei Jahre bei Mercedes, doch das Denkmal bröckelte: die WM-Plätze acht, neun und 13, nur ein Rennen auf dem Podium.

MICHAEL JORDAN (Basketball): Auf dem Höhepunkt seines Schaffens verabschiedete sich „His Airness“ 1993 nach drei NBA-Titeln in Serie von den Chicago Bulls. Jordan, damals 30, wechselte die Sportart – in Gedenken an seinen kurz zuvor ermordeten Vater James – und unterschrieb beim Baseball-Club Chicago White Sox. Zwei Jahre bemühte er sich vergeblich um einen Platz im MLB-Team der Sox, es blieb bei eher kläglichen Auftritten in den Farm-Teams Birmingham Barons und Scottsdale Scorpions. Am 18. März verkündete Jordan mit einer zwei Worte langen Presseerklärung („I’m back“) seine Rückkehr zu den Bulls und wurde noch drei Mal Meister. Als der Start der Saison 1998/1999 wegen des Lockouts ausfiel, trat Jordan erneut zurück. „Zu 99,9 Prozent bin ich mir sicher, dass ich nie mehr ein NBA-Spiel bestreiten werde“, sagte Jordan. Es wurden noch 142 – für die Washington Wizards von 2001 bis 2003.

KATARINA WITT (Eiskunstlauf): Zwei Mal wurde das „schönste Gesicht des Sozialismus“ Olympiasiegerin, vier Mal Weltmeisterin. 1988 trat Witt zurück, sechs Jahre später feierte sie ihr Comeback. Die Eis-Diva lief bei den Spielen in Lillehammer zu den Klängen des Hildegard-Knef-Evergreens „Sag’ mir, wo die Blumen sind“. Doch der Sport hatte sich weiterentwickelt: Es reichte nur noch zu Platz sieben.

LANCE ARMSTRONG (Radsport): Mit seiner Rückkehr in den Radsport-Zirkus 1998 nach anderthalbjähriger Pause wegen einer Krebserkrankung und den folgenden sieben Tour-Siegen erschuf der Texaner einen Mythos, auf den er sich zeit seiner Karriere berief, der aber spätestens mit der Enttarnung als einer der skrupellosesten Doping-Betrüger im Herbst 2012 zu Staub zerfiel. 2005 hatte Armstrong seinen Rücktritt erklärt, vier Jahre später meldete er sich zurück und fuhr noch zwei Mal die Tour de France. Zum achten und neunten Mal wollte er gewinnen – heute besitzt er keinen einzigen Tour-Titel mehr.

BJÖRN BORG (Tennis): Mit 25 Jahren hatte der Schwede fünf Mal Wimbledon und vier Mal die French Open gewonnen – und die Motivation verloren. 1982 und 1983 spielte Borg jeweils nur das Turnier in Monte Carlo, erklärte danach sein Karriereende, nur um 1984 in Stuttgart anzutreten. Das Kurz-Comeback endete 3:6, 1:6 gegen Henri Leconte. 1991 nahm Borg einen neuen Anlauf. Der fast 35-Jährige gab ein Mitleid erregendes Bild ab, war ein chancenloses Fossil aus einer anderen Epoche.