Golf: Bernhard Langer startet beim Masters in Augusta

Golf : Der Rotwein unter den Golfern

Bernhard Langer ist mittlerweile 61 Jahre alt, ist aber beim legendären Masters in Augusta immer noch zu beachten.

Geborgenheit, Zuversicht, Wohlgefühl – jemand wie Bernhard Langer verspürt so etwas nur an ganz ausgewählten Plätzen dieser Erde. Sein Geburtsort Anhausen gehört dazu, ebenso die Wahlheimat Boca Raton im sonnigen US-Bundesstaat Florida – oder eben das Golf-Mekka von Augusta. „Es ist“, sagte der mittlerweile 61-Jährige, „als würde ich nach Hause kommen“. Wenn Langer in diesen Tagen zum 36. Mal sein malerisches Wohnzimmer an der Magnolia Lane betritt und beim US Masters „das sensationellste und schönste Turnier der Welt“ bestreitet, sind Aufregung und Vorfreude trotzdem noch genauso groß wie am allerersten Tag. „Das wird auch immer so bleiben, auch wenn ich mittlerweile natürlich weiß, was mich dort erwartet“, sagte Langer.

Wie an jedem Dienstag in der Turnierwoche nahm Langer zunächst am traditionellen Champions Dinner teil, bei dem Vorjahressieger Patrick Reed (USA) diesmal Ribeye-Steak mit Käsenudeln, Rahmspinat und Maiskolben serviert. Langer warf sich wie alle anderen ehemaligen Sieger des prestigeträchtigsten Majors in Schale und trug sein grünes Jackett, das er erstmals nach seinem Triumph 1985 überstreifen durfte und acht Jahre später noch einmal erhielt. Von einem neuen „Weltstar“ hatte damals der Spiegel geschrieben, für die französische Sportzeitung „L’Équipe“ war der erste Erfolg Langers „ein großes Signal für Europa“. Auch sportlich wird er deshalb im Vorfeld gefordert sein.

Die Trainingsrunden mit Langer sind extrem begehrt, vor allem wegen seiner unschätzbaren Expertise und den hilfreichen Tricks. „Bei diesem Turnier benötigt man viel Fantasie und Kreativität“, berichtet Langer, „und natürlich Erfahrung.“ Er hat sich im Laufe der Jahre beides angeeignet. Der vierfache Familienvater befindet sich im 45. Profijahr, nimmt mittlerweile aber größtenteils nur noch an Turnieren auf der Senioren-Tour teil, die er nach Belieben dominiert. Der jährliche Abstecher nach Augusta ins Getümmel der jüngeren Rivalen, die seine Kinder sein könnten, sieht Langer daher als Abwechslung und Herausforderung zugleich. „Ich versuche, wie Rotwein zu sein. Der wird im Alter auch immer besser“, sagte Langer im Golf-Magazin der Süddeutschen Zeitung keinesfalls scherzhaft. Denn die Motivation ist ebenso wie „die Hoffnung, ganz vorne mitspielen zu können“, nach wie vor ungebrochen. Auch deshalb ist Langer ein Top-Resultat eher zuzutrauen als dem seit Jahren schwächelnden Martin Kaymer (Mettmann).

Während die deutsche Nummer eins (Weltranglistenplatz 190) die untypisch nach links verlaufenden Spielbahnen einfach nicht meistert, scheint es Langer spielerisch hinzubekommen. Jedes Jahr aufs Neue. Trotz physischer Nachteile. „Ich bin nicht so stark wie die Jungen. Also muss ich versuchen, das auf andere Weise wieder gutzumachen“, sagt Langer. Im Kurzspiel gehört er immer noch zu den Besten, dank seines Ballgefühls hat er es 2014 sogar auf den achten Rang geschafft. Und ein Ende ist nicht in Sicht. „Ich bin voll dabei und habe noch einige Jahre in mir“, sagte Langer.