Der Rekord stillt den Hunger des Tigers nicht

Golf : Der Rekord stillt den Hunger des Tigers nicht

Golf-Superstar Woods feiert seinen 82. Erfolg auf der PGA-Tour und nimmt sein nächstes Ziel ins Visier: die Olympischen Spiele 2020.

An die erste Begegnung mit dem legendären Sam Snead erinnert sich Tiger Woods ungern zurück. Er war gerade fünf Jahre alt, und als beide ein paar Bälle schlugen, deutete noch nichts auf eine Karriere der Superlative hin. „Mein Ball ist in einem Bach gelandet, ich habe nur ein Bogey gespielt“, sagt Woods: „Sam gelang natürlich ein Par.“ Heute, fast vier Jahrzehnte später, stehen beide auf einer Stufe.

Der souveräne Erfolg bei der Zozo Championship im japanischen Chiba war Woods’ 82. Sieg auf der PGA-Tour. Kein Golfer hatte vor ihm diese unglaubliche Anzahl erreicht – außer eben Snead, der im Jahr 2002 gestorben ist und bei seinem Erfolg Nummer 82 neun Jahre älter war als Woods. „Es erfordert Beständigkeit über einen ziemlich langen Zeitraum“, sagt der 43-jährige Woods, der natürlich „glücklich“ ist „mit der Karriere, die ich bislang hatte“.

Woods, das wurde nach seinem historischen Putt zum Abschluss des Turniers mehr als deutlich, ist längst wieder im Reinen mit sich und seinem Spiel. Die unzähligen Rückenoperationen, die ihn so lange aus der Weltspitze verbannt hatten, sind ebenso vergessen wie die Knie-Operation im August. Es war schon die fünfte, „und ich bin sehr froh“, bekennt Woods, „dass ich mich wieder herausgegraben habe“. Und wie!

Abgesehen davon, dass 82 Erfolge wahrscheinlich kein weiterer Golfer mehr erreichen wird, ist bei Woods vor allem der Weg dorthin beachtlich. 1996 hatte der Kalifornier seinen ersten Turniersieg gelandet und danach bis 2009 mindestens einmal jährlich triumphiert. Er durchlebte zwar ein erstes kleines Tief, stand 2012 und 2013 aber wieder oben.

Aus dem gigantischen Loch einer menschlichen Tragödie, in dem er danach fünf Jahre lang festsaß hatte, entstieg Woods dann mit der ihm unvergleichlichen Art: 2018 gewann er die Tour Championship, im Frühling dieses Jahres das US Masters. Und nun eben das erste Turnier der US-Tour auf asiatischem Boden, das ihm die nächste Bestmarke brachte. Als „lebende Legende“ bezeichnet Mitspieler Tony Finau seinen Landsmann. Jack Nicklaus, zu dessen Rekord von 18 Major-Titeln Woods auch nur noch drei fehlen, freut sich „unglaublich für Tiger. Aber auch für den Sport“. Weil Golf eben Woods ist. Und Woods vor allem (und endlich wieder) Golf.

Einen besseren Sieger hätte es für die Premiere in Fernost deshalb auch für PGA-Tour-Boss Jay Monahan kaum geben können. „Wenn man an Tiger denkt“, sagt er nach dem „Wow-Effekt“, „dann denkt man auch an seine globale Reichweite und Bedeutung“. Und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass Woods schon im kommenden Jahr wieder in Japan abschlägt. „Ein paar Freunde von mir haben schon an den Olympischen Spielen teilgenommen und die Zeit als einmalige Erfahrung bezeichnet“, sagt Woods, der in Tokio „unbedingt mein Land repräsentieren will“. Denn: „Wer weiß, wie viele Chancen ich noch bekomme.“ Wenn er so weiterspielt, sicherlich einige.

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