Geiger ist plötzlich der große Gejagte

Skispringen : Geiger ist plötzlich der große Gejagte

Der Skispringer führt nach seinem Doppelsieg in Italien den Gesamtweltcup an und wandelt auf den Spuren eines deutschen Trios.

Auf die Eistonne hatte Karl Geiger nach seinem sensationellen Doppelsieg dann doch keine Lust. Zwar wollte der neue Träger des Gelben Trikots die Form seines Lebens konservieren, aber eben nicht mit allen Mitteln. „Dafür müsste man wohl in die Kühltruhe – und ich glaube nicht, dass mir das gut tut“, sagte der deutsche Skisprung-Star und grinste. Also hieß es nach dem Wahnsinns-Wochenende in Italien: Zurück nach Oberstdorf und ab zum Training.

Das darf Geiger immerhin mit ganz besonderer Motivation angehen: Erstmals in seiner Karriere ist der 26-Jährige im Gesamtweltcup der Gejagte, 120 Punkte liegt er nach seinen beiden Siegen in Val di Fiemme bereits vor Ex-Weltmeister Stefan Kraft aus Österreich. In einer Saison ohne Olympia oder Nordisch-WM kann Geiger doch noch in die Geschichtsbücher fliegen.

„Das wäre natürlich genial. Aber die Saison ist noch lang, wir haben nicht mal die Hälfte. Ich werde weiter Vollgas geben – und dann kann es sein, dass es reicht“, sagte Geiger. Es wäre ein seltenes Kunststück: Der Bayer wäre erst der vierte deutsche Gewinner der großen Kristallkugel nach Jens Weißflog (1983/1984), Martin Schmitt (1998/1999 und 1999/2000) und Severin Freund (2014/2015). Selbst dem großen Sven Hannawald, dem letzten deutschen Gewinner der Vierschanzentournee, war dies nicht gelungen.

Für Geiger spricht derzeit vor allem die Konstanz. Als einziger Springer landete er bislang in jedem Wettkampf in den Top Ten – egal ob bei Wind oder Schnee, auf großer oder kleiner Schanze. „Karl ist momentan wirklich stabil. Bei ihm hat man schon im Sommer das Potenzial gesehen. Und mit so einer Form kann man eben auch gewinnen“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher mit einem zufriedenen Grinsen.

Geigers schlechtestes Ergebnis der Saison ist der achte Rang von Innsbruck, der ihn bei der dritten der vier Stationen den möglichen Triumph bei der Vierschanzentournee kostete. Den Ärger hat er inzwischen in Ehrgeiz umgewandelt. „Ich habe gelernt: Man kann noch so gut vorbereitet sein – die Vierschanzentournee gewinnt man nicht, sie lässt einen gewinnen. Ich werde nächstes Jahr wieder alles geben. Es wäre wunderschön, wenn die Trophäe mal wieder nach Deutschland kommt“, sagte Geiger.

Zunächst gilt es aber, das Gelbe Trikot zu verteidigen. 13 Wettkämpfe sind absolviert, noch 17 stehen an. Schon am kommenden Wochenende geht es mit dem Heimspiel in Horngachers Wahlheimat Titisee-Neustadt weiter. Im Schwarzwald hat Geiger bislang erst drei Einzelspringen absolviert, die Ränge 23 und 29 (2013) sowie 14 (2017) lassen noch Luft nach oben.

Beflügeln dürfte ihn allerdings das neue Kleidungsstück. „Ich fühl mich sehr wohl im Gelben Trikot“, sagte Geiger, der in Italien gleich zwei der begehrten Souvenirs im Gepäck verstauen durfte – und die Sammlung in den kommenden Wochen gerne ausbauen würde. „Ob Gelb meine Lieblingsfarbe ist, weiß ich zwar nicht genau“, meinte Geiger: „Am Trikot aber auf jeden Fall.“