Vor Silverstone: Hamiltons Kampf um Anerkennung bei den Briten geht weiter

Brite wird in der Heimat nicht überall geliebt : Hamiltons Kampf um Anerkennung geht weiter

Dem Weltmeister bleibt trotz aller Erfolge die ganz große Begeisterung auf der Insel verwehrt. Sonntag Heimspiel in Silverstone.

Lewis Hamilton strahlte, als er über sein Heimspiel sprach. Das „speziellste“ Wochenende des Jahres warte in Silverstone auf den Formel-1-Weltmeister, es werde „spektakulär“, viel „Adrenalin“ werde beim Großen Preis von Großbritannien (Sonntag, 15.10 Uhr MESZ/RTL und Sky) durch seinen Körper fließen, schwärmte er.

Doch als die Frage aufkam, warum er es trotz seiner Triumphfahrten nicht schafft, die ganz breite britische Öffentlichkeit hinter sich zu versammeln, wurde Hamilton plötzlich sehr nachdenklich. „Die Leute haben das Recht auszuwählen, wen sie anfeuern“, sagte der 34-Jährige mit den fünf WM-Titeln. Er wolle in Silverstone das Land stolz machen.

Hamilton thront trotz des Rückschlags zuletzt in Österreich mit 31 Punkten Vorsprung auf Teamkollege Valtteri Bottas und über 70 Zählern auf Max Verstappen (Red Bull) und Sebastian Vettel im Ferrari an der Spitze. Und in Silverstone ist Hamilton wieder Top-Favorit – es wäre sein sechster Sieg. Längst jagt er nur noch die als unerreichbar eingestuften Bestmarken von Michael Schumacher. Doch trotz all der Triumphe liegt ihm sein Land nicht zu Füßen. Hamilton werde im Königreich „nicht so anerkannt“, wie er das verdient habe, beklagte jüngst auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Tatsächlich wird er auf der Insel skeptischer gesehen, als man vermuten könnte. Die prestigeträchtige Auszeichnung zum Sportler des Jahres – von der BBC organisiert und vom Publikum gewählt – erhielt Hamilton bisher nur einmal. Damon Hill und Nigel Mansell aber jeweils zweimal, obwohl sie nur einmal Weltmeister wurden. Dabei schaffte es Hamilton dank seines fahrerischen Talents aus der Armut zum Multi-Millionär und Glamour-Boy. Eine Geschichte, die normalerweise immer verfängt. In England wird dem Kosmopoliten allerdings latent vorgeworfen, dass er die amerikanische Kultur auf Kosten seiner britischen Identität angenommen hat. Und so geht sein Kampf um Anerkennung auch in Silverstone weiter.

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