Vettel ist noch kein Fan der Regeln ab 2021

Formel 1 : Vettel ist noch kein Fan der Regeln ab 2021

Formel 1 beschließt eine grundlegende Reform. Derweil kann Hamilton in Austin Weltmeister werden.

Sebastian Vettel war nicht sonderlich aufgekratzt. Vermutlich darf man sogar behaupten: Wenn der viermalige Weltmeister über 2021 hinaus in der Formel 1 bleibt, dann kaum wegen der neuen Regeln. „Ein Modellauto ist die eine Sache. Aber es kommt auf die Ideen der Teams an, die Regeln zu interpretieren. So weit sind wir noch nicht“, sagte der Ferrari-Pilot vor dem Großen Preis der USA in Austin (Sonntag um 20.10 Uhr/RTL und Sky). Mehr Action sei „grundsätzlich gut“, erklärte der Heppenheimer, aber: „Ein Formel-1-Auto muss das schnellste Auto sein, das ein Mensch je gesehen hat.“

Und genau das werden die Boliden anno 2021 nicht mehr sein. 3,0 bis 3,5 Sekunden langsamer pro Runde dürften die Wagen fahren, prognostizierte der Automobil-Weltverband Fia bei der Vorstellung des neuen Konzepts. Ein Unterschied, den ein Zuschauer mit bloßem Auge kaum wahrnimmt. Doch für die Fahrer spielt die Geschwindigkeit sehr wohl eine Rolle. Im Zuge der letzten größeren Regeländerung 2017 seien die Wagen „viel spektakulärer geworden“, sagte Vettel: „In den Kurven waren sie vorher langsamer.“ Weiter bemängelte Vettel, dass die Boliden 2021 25 Kilo schwerer sein werden, vor allem aufgrund der neuen 18-Zoll-Reifen.

Im Sommer noch hatte der 32-Jährige, der auch im fünften Ferrari-Jahr den WM-Titel verpassen wird, seine Zukunft über das Vertragsende 2020 hinaus auch von den neuen Regeln abhängig gemacht. Nun hielt sich der Weltmeister von 2010 bis 2013 mit Red Bull in dieser Frage bedeckt. Unter seinen Kollegen waren die Meinungen eher positiv als negativ. Während der Budgetdeckel von 175 Millionen US-Dollar pro Jahr eher ein (Streit-)Thema für die Teamchefs ist, gingen die Fahrer vor allem auf die vereinfachte Aerodynamik ein, durch die das Feld zusammenrücken soll.

Lewis Hamilton, der seit 2014 mit seinem Mercedes-Team das Maß der Dinge ist, zeigte sich aufgeschlossen. „Ich liebe, was ich tue, und ich will gerne Pionier sein. Das Team hat schon einmal bewiesen, dass es am besten präpariert ist“, sagte der Brite, der in Austin zum sechsten Mal den Titel gewinnen kann.

Max Verstappen hat nur eine Bedingung: „Wenn diese Autos es erlauben, dass wir dichter am Gegner bleiben können, dann bin ich dafür“, sagte der Red-Bull-Pilot. Um zwei bis drei Sekunden sinkende Rundenzeiten sind für den Niederländer „okay“, mehr aber bitte nicht: „Das wäre zu langsam.“

Lando Norris (19) vom Mittelfeldteam McLaren setzt sogar große Hoffnungen in die Reform. „Die 2021er-Regeln werden nicht automatisch bedeuten, dass wir Rennen gewinnen oder auf dem Podium stehen. Allerdings wird die Chance größer, das zu erreichen“, erklärte der Brite. Wenn Norris Recht behält, darf sich Formel-1-Boss Chase Carey auf die Schulter klopfen. Geht es nach dem US-Amerikaner, wird ab 2021 in der Formel 1 vorne sein, „wer sein Geld am cleversten ausgibt, nicht wer am meisten ausgibt“.

Allerdings müssen Carey und sein Team noch die Startaufstellung zur übernächsten Saison füllen. Die Renault-Konzernleitung hat das Formel-1-Engagement offiziell auf den Prüfstand gestellt, auch Red-Bull-Motorenpartner Honda gibt sich extrem zugeknöpft. Mercedes hat zwar Motorenverträge mit Williams und McLaren bis 2025 abgeschlossen, aber klargemacht, dass dies nicht gleichzusetzen ist mit dem eigenen Verbleib. Bei Ferrari hat das Androhen des Ausstiegs schon Tradition.

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