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Schon sieben Rennen abgesagt, neues Regelwerk auf 2022 verschoben

Formel 1 : Der große Knall kommt früher als geplant

Die Formel 1 hat bereits sieben Rennen abgesagt. Das neue Regelwerk kommt erst 2022. Übergang mit virtueller Rennserie startet.

Eigentlich war der „große Knall“ in der Formel 1 für 2021 geplant. Ikonische Rennwagen, Chancengleichheit und Spektakel wie nie – so lautete die Vision der Macher. Doch die Corona-Pandemie hat für einen gänzlich ungewollten Knall gesorgt. Mittlerweile sind die ersten sieben Saisonrennen verschoben oder gleich ganz abgesagt. Das neue Regelwerk kommt erst 2022, um Geld zu sparen. Der milliardenschwere PS-Zirkus schwankt zwischen Zwängen und Verzweiflung.

Zu letzterer darf die Einführung einer virtuellen Rennserie gezählt werden. Wie die Formel 1 am Freitag bekannt gab, werden beginnend mit dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag die verlegten Rennen an der Konsole gefahren. Namentlich nicht genannte „aktuelle Formel-1-Fahrer“ sollen sich mit eSport-Profis und Gast-Startern in der Rennsimulation F1 2019 messen. Geplant ist die Austragung der Serie, deren Ergebnisse nicht zur offiziellen WM zählen, bis Ende Mai.

Danach soll möglichst wieder in der Realität gefahren werden, der späteste Saisonstart der Formel-1-Geschichte würde am 7. Juni in Baku in Aserbaidschan erfolgen. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko sagte, er rechne damit, dass „etwa 18“ der 22 geplanten Rennen stattfinden werden.

Ermöglichen soll dies die vorgezogene „Sommerpause“ in den März und April, im August könnten dadurch mehrere WM-Läufe nachgeholt werden. Aus logistischen Gründen kommen hierfür in erster Linie die abgesagten Rennen in Zandvoort (3. Mai) und Barcelona (10. Mai) infrage. Der Klassiker in Monaco am 24. Mai fällt erstmals seit 1954 aus, weil der Umbau der öffentlichen Straßen zur Rennstrecke rund sechs Wochen in Anspruch nimmt.

Das Saisonfinale in Abu Dhabi soll auf den 2. Advent geschoben werden, damit Bahrain auf den 29. November rutschen kann. Die Premiere in Vietnam könnte vor oder nach dem Großen Preis von Japan im Oktober platziert werden und damit für den ersten „Quadruple Header“ der Formel 1 sorgen, also vier Rennen an vier Wochenenden in Serie. Was wie blanker Irrwitz erscheint, entspringt wirtschaftlichen Zwängen. In der Formel 1 fließt nur Geld, wenn auch gefahren wird. Antrittsgelder, TV-Einnahmen, Sponsorenprämien – all das bricht mindestens bis Anfang Juni weg. Kleine Teams, die schon in normalen Jahren am Limit operieren, werden am härtesten getroffen. Doch die Werksteams sind keineswegs sorgenfrei, weil auch die Automobilhersteller im Zuge der Coronakrise Einbußen verzeichnen.

„Wir müssen uns klarmachen, dass der Rennsport Unterhaltung ist. Wir nehmen es sehr ernst, weil wir es lieben. Aber im Großen und Ganzen ist es keineswegs essenziell“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff am Freitag und äußerte Verständnis für die Verschiebung der Rennen und den Aufschub der Regel-Novelle. Die 2020er-Autos werden auch im kommenden Jahr gefahren, die Budgets werden damit um einige Millionen gedrückt.

Über all den Planungen schwebt aber eine bange Frage: Lässt das Coronavirus zu, dass 2020 überhaupt gefahren wird? Acht Rennen müssen in jedem Fall gefahren werden, damit die Saison als Weltmeisterschaft gewertet werden darf. So steht es im Formel-1-Reglement.