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Kubica fährt nach seinem Comeback nur hinterher

Formel 1 : Die Formel 1 kennt keinen Mitleids-Bonus

Der Pole Robert Kubica fährt seit seiner spektakulären Rückkehr abgeschlagen am Ende des Feldes – wohl auch in Monaco.

Beim Saisonauftakt in Melbourne wurde er von seinen Kollegen mit offenen Armen empfangen. Robert Kubica ist unter den Fahrern ein beliebter Zeitgenosse. „Er ist nach seinem Rallye-Unfall durch die Hölle gegangen. Es ist eine herausragende Leistung, dass er nach so langer Zeit wieder an einem Formel 1-Rennen teilnimmt“, stellte Renault-Pilot Daniel Ricciardo erfreut fest. Kubica selbst bezeichnet seinen Weg zurück in die Königsklasse als „eine der größten Leistungen meines Lebens“. Ein Comeback, das mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Nach acht Jahren oder 3045 Tagen Zwangspause sitzt Kubica seit dieser Saison wieder in einem Formel-1-Boliden – in einem Williams FW42. Sein letztes F1-Rennen bestritt der Pole, der 2008 in Kanada seinen bislang einzigen Sieg feierte, 2010 beim Finale in Abu Dhabi für Renault. Die Saison beendete er als Achter der Fahrerwertung.

An diesem Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) bestreitet Kubica in Monaco das sechste Rennen seiner zweiten Formel-1-Karriere. Den eigenen Ansprüchen fährt er bisher weit hinterher. Das liegt vor allem am Williams FW42, der sich in den bisherigen Rennen als nicht konkurrenzfähig erwiesen hat. Und das wird auch beim Auto-Roulette auf dem engen Stadtkurs des Fürstentums nicht anders sein. „Hier haben wir mit dem Auto noch mehr zu kämpfen als bisher“, sagt der Pole und klagt: „Wir haben jetzt schon alles Mögliche versucht, aber geholfen hat bislang nichts. Monaco ist das härteste Rennen, es wird alles andere als einfach werden.“

Was ist nur aus dem glorreichen englischen Traditions-Rennstall mit sieben Fahrer-, neun Konstrukteurs-Titeln und 114 Rennsiegen (letzter Sieg in Spanien 2012 durch Pastor Maldonado) geworden? 2014 und 2015 war der Rennstall noch Dritter in der Marken-Wertung. Heute steckt Williams tief in einer Krise. Während die Mercedes mit Lewis Hamilton und Valtteri Bottas teamintern den Kampf um Platz eins unter sich ausmachen, kämpfen am Ende des Feldes Kubica und sein junger Teamkollege George Russell gegen den letzten Platz. Als Team-Schlusslicht fahren sie bisher durchs Ziel. Dabei hat der 21-jährige Brite als Neuling den 34-jährigen Polen mit der Erfahrung von 81 Grand Prix fest im Griff. In der Formel 1 gibt es keinen Mitleids-Bonus.

Aber es gibt eine gute und schlechte Nachricht für den „Langen“ (1,84 Meter) aus Krakau. Kubica beendete wie sein Stallgefährte Russell die bisherigen fünf Rennen — immerhin. Die schlechte Nachricht: Kubica wurde unter allen Fahrern, die die Zielflagge sahen, jeweils klar Letzter. Fakt ist: Die beiden Williams-Piloten haben nur einen Gegner: ihren eigenen Stallgefährten.

Die Frage drängt sich förmlich auf, ob Williams 2019 überhaupt noch mal vom letzten Platz wegkommen wird. Kubica will die Hoffnung nicht aufgeben. Der gläubige Katholik, den seine Fans verehren, hat immer ein Foto seines 2005 verstorbenen Landsmannes, Papst Johannes Paul II., im Cockpit. Kubica ist bereit zu kämpfen – wie nach dem schwärzesten Tag seines Lebens.

Das war der 6. Februar 2011. Bei einer zweitklassige Rallye in Testico in Italien oberhalb der ligurischen Küste prallt Kubica mit seinem Fabia S2000 in die Leitplanke, die sich wie ein Schwert in die Motorhaube bohrt. Kubica bricht sich den rechten Arm und das rechte Bein, schwebt eine Woche in Lebensgefahr. Notärzte befürchten eine Amputation des Unterarms. Aber sie retten Kubicas fast abgetrennten rechten Unterarm. Sieben Ärzte brauchen sieben Stunden für die Operation. Kubica ist heute ein Formel-1-Fahrer mit körperlicher Beeinträchtigung, ist bis zu 90 Prozent eingeschränkt. Sein linker Arm, seine linke Hand, sie müssen für die rechte Seite mitlenken. Er lenkt fast ausschließlich mit links. Eigentlich ist diese Rückkehr eine der unglaublichsten Geschichten der Formel 1 – unabhängig von den aktuell so miesen Platzierungen.