Hamilton gewinnt Großen Preis von Russland, Vettel scheidet aus

Formel 1 : Hamilton siegt im Ferrari-Duell

Für den italienischen Rennstall wird der Große Preis von Russland in Sotschi zum Fiasko. Vettel raus, Leclerc Dritter.

Sebastian Vettel versteckte seine Wut hinter einer dicken Sonnenbrille. Es war nicht so sehr Lewis Hamiltons erster Sieg seit fast zwei Monaten, der ihm in Sotschi die Laune verdorben hatte: Beim Großen Preis von Russland fühlte Vettel sich im wilden Teamduell mit Charles Leclerc zunächst eingebremst vom eigenen Rennstall – und wurde dann ausgebremst von der Technik. „Ich will das jetzt intern regeln“, sagte er nach seinem vorzeitigen Aus mit versteinerter Miene. Denn am Rennsonntag war er der deutlich schnellere der Ferrari-Piloten, trotzdem wies die Box ihn an, Leclerc vorbeizulassen: „Das habe ich nicht verstanden. Ich bin hier, um Rennen zu fahren.“

Am Ende war sowieso alles hinfällig, denn ein Schaden am Hybrid-System zwang ihn, den Wagen abzustellen – und ausgerechnet sein Aus brachte dann auch Leclerc um den Sieg: Für den Abtransport von Vettels Boliden wurde das Virtual-Safety-Car aktiviert, und dieses warf den Monegassen entscheidend zurück. Ferrari hatte sich selbst geschlagen und Mercedes den Doppelsieg serviert. Hinter Hamilton landete dessen Teamkollege Valtteri Bottas auf Rang zwei, erst danach kam Leclerc ins Ziel.

Die Silberpfeile wussten selbst nicht so recht, wie ihnen geschah. „Dieses Ergebnis ist unglaublich, Ferrari war so schnell“, sagte Hamilton. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hielt fest: „Dass Ferrari selbst das entscheidende Safety Car ausgelöst hat, war skurril.“ Hamilton führt im WM-Klassement mit 322 Punkten vor Bottas (249) und Leclerc (215). Fünf Rennen vor Saisonschluss ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der sechste Titel des Briten auch rechnerisch perfekt ist. Vettel (194) ist längst abgeschlagen.

Die Formel 1 war mit einer großen Frage im Gepäck nach Sotschi gereist: Wie ist die Stimmung zwischen dem Deutschen und Leclerc nur wenige Tage nach dem Sieg Vettels in Singapur – der nur möglich war, weil sein Teamrivale die schlechtere Boxenstrategie verpasst bekam. Würde der offiziell verordnete Friede halten? Er wurde am Samstag gleich auf die Probe gestellt, denn Leclerc demontierte seinen Rivalen im Qualifying geradezu. Vettel fand im Rennen aber die richtige Antwort. Von Rang drei ging er mühelos an Hamilton vorbei, dann nutzte er den Windschatten auf den 890 Metern bis zum ersten Bremspunkt, um auch Leclerc zu kassieren.

Offenbar gehörte das zur Ferrari-Strategie, um mit beiden Autos sofort an die Spitze zu kommen. Denn Leclerc forderte schon wenig später via Funk den Tausch der Positionen. Die Box bestätigte dies, Vettel bat allerdings um einen Aufschub, denn er war klar schneller als Leclerc. „Lasst uns die Lücke auf Mercedes noch vergrößern“, funkte er. Nach schier endlosen Diskussionen zwischen Box, Vettel und Leclerc stimmte die Box letztlich zu, die Plätze sollten später getauscht werden. Umgesetzt wurde dies bei den Stopps, Leclerc erhielt die vorteilhafte Strategie und lag vorne, nachdem beide Ferraris neue Reifen aufgezogen hatten.

Nur wenige Kilometer nach seinem Stopp meldete Vettel Probleme mit dem Hybrid-Antrieb, rollte aus, und das Virtual Safety Car wurde aktiviert. Das war die Chance für Hamilton, und Mercedes nutzte sie. Während die Konkurrenz langsam um die Strecke schlich, kam der Engländer zu seinem einzigen Reifenwechsel – und blieb an der Spitze.

Mehr von Saarbrücker Zeitung