Formel 1: Andreas Seidl ist Teamchef des britischen Rennstalls McLaren

Formel 1 : Ein Bayer geht bei McLaren voran

Andreas Seidl soll den angestaubten Rennstall wieder zu einem Topteam machen.

Es sind ungewohnte Laute, die da neuerdings durch das Motorhome von McLaren wabern. Das R rollt, das A wird hier und da zum O, und die „Chance“ ist eine „Schangse“. Beim ur-britischen Formel-1-Team hat neuerdings ein Bayer das Sagen – und eine Mammutaufgabe vor der Brust. Andreas Seidl soll die tief gestürzten Serien-Weltmeister von einst wieder zurück zu altem Glanz führen.

Das sei eine große Herausforderung, sagt Seidl vor dem Großen Preis von Österreich (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL und Sky), aber er habe kaum gezögert. „Es hat einen unglaublichen Reiz für mich, Teil dieses Teams mit dieser Historie zu sein“, sagt er: „Hoffentlich kann ich meinen Beitrag leisten, damit McLaren wieder den Weg an die Spitze findet.“ Dieser dürfte lang und steil werden. Der stolze Rennstall aus Woking war in den vergangenen Jahren ans Ende des Feldes abgerutscht.

Für den Neustart fiel die Wahl der Macher nun nicht zufällig auf Seidl, der mit 43 Jahren bereits eine eindrucksvolle Vita aufweist. Von 2000 bis 2009 arbeitete Seidl als Ingenieur bei BMW in der Formel 1, später wechselte er zu Porsche – und führte den Sportwagenhersteller auf der Langstrecke zu drei Le-Mans-Siegen in Serie. Wäre er bei den Zuffenhausenern geblieben, dann wäre Seidl dort heute Motorsportchef. Doch dann klopfte die Formel 1 an. „Ich bin ein Wettbewerbstyp, und ich wollte wieder in dieser Top-Kategorie arbeiten, wenn der Rahmen stimmt“, sagt Seidl, und bei McLaren stimmt er nun. Wieder.

Rund um den Absturz seit 2015 mit Motorenlieferant Honda wurden in Woking viele Fehler gemacht. Darauf angesprochen lächelt Seidl milde, er möchte nicht wirklich darüber reden. „Ich war ja nicht dabei“, sagt er. Wichtig für ihn sei es, einen Überblick zu bekommen. „Ich führe viele Gespräche, an der Kaffeemaschine, an der Hotelbar, bin in vielen Meetings dabei“, sagt Seidl, „weil ich verstehen will, wie die Firma tickt und wie die Atmosphäre ist.“

Und die ist schon jetzt besser als zuletzt. McLaren wechselte 2018 erneut den Antrieb, ist nun mit Renault-Motoren unterwegs, und es geht bergauf. Mit dem Spanier Carlos Sainz jr. und dem jungen Briten Lando Norris steht man auf Platz vier in der Team-WM, das war nicht zu erwarten. Seidl betont aber, dass diese Entwicklung schon vor seiner Ankunft im Mai angeschoben wurde. Ziel für die kommenden Jahre sei nun, den Abstand zu den Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull zu verkürzen – mehr ist ohne Großkonzern im Rücken nicht möglich. „Die Schere ist extrem auseinandergegangen“, sagt Seidl, „nachhaltig kannst du als kleineres Team nicht mehr wettbewerbsfähig sein.“

Ändern soll sich das ab 2021, dann greift das neue Reglement,  ein Budgetdeckel soll das Investitionsrennen der Branchenführer stoppen. Dann wird irgendwann auch der eigene Windkanal in Woking fertig sein. Es tut sich was bei McLaren. Und Andreas Seidl soll vorangehen.

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