Doppelsieg für Mercedes bei Grand Prix von Aserbaidschan, Vettel Dritter

Formel 1 : Silberpfeile sorgen für Langeweile

Vierter Doppelsieg für Mercedes im vierten Formel-1-Rennen der Saison. Bottas gewinnt vor Hamilton, Vettel fährt auf Platz drei.

Wieder keine Chance gegen die übermächtigen Silberpfeile: Sebastian Vettel verliert im Kampf um den Titel das große Ziel schon früh aus den Augen. Der Ferrari-Star musste sich beim wenig spektakulären Großen Preis von Aserbaidschan am Sonntagnachmittag dem Mercedes-Duo aus Valtteri Bottas und Weltmeister Lewis Hamilton geschlagen geben. Als Dritter verlor Vettel im WM-Rennen damit wichtige Punkte – Mercedes stellte indes mit dem vierten Doppelsieg im vierten Rennen einen Formel-1-Rekord auf. „In dieser Saison waren wir bisher nicht auf der Höhe, wir können nicht mehr als Favoriten gelten“, sagte ein enttäuschter Vettel: „Vor uns liegt jede Menge Arbeit, weil wir nicht da sind, wo wir hinwollen. Wir müssen Mercedes jagen.“

Alles könne in Baku passieren, hatte der Hesse vor dem Rennen gesagt. Doch dann passierte auf dem winkligen Stadtkurs von Baku überraschend ziemlich wenig. Bottas fuhr souverän einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein und schloss damit Frieden mit der Strecke am Kaspischen Meer: In der letzten Saison war er in Führung liegend kurz vor Schluss mit einem Reifenplatzer ausgeschieden. Vorjahressieger Hamilton machte den vierten Doppelsieg perfekt. „So eine Bestmarke zu schlagen, ist Wahnsinn, da muss man sich mal zwicken“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Vettels Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc wurde Fünfter, Nico Hülkenberg (Emmerich) landete im Renault auf Rang 14 und verpasste zum dritten Mal in Serie die Punkteränge. Bottas (87 Punkte) übernahm damit wieder die Führung im WM-Klassement, nur ein Zähler trennt ihn von Hamilton. Vettel (52) hat den dritten Gesamtrang inne.

„Es war ein hartes Rennen“, sagte Bottas, „auch wenn vorne nicht so viel passiert ist. Lewis hat die ganze Zeit Druck gemacht. Ich war einfach froh, die Zielflagge zu sehen.“ Hamilton attestierte seinem Teamrivalen einen „absolut verdienten Sieg, er hat keinen Fehler gemacht“.

Beim Start, der ohne Zwischenfälle verlief, verteidigte Bottas seine Führung gegen Hamilton und Vettel. Im Mittelfeld verlor Leclerc, der nach einem Unfall in der Qualifikation als Achter gestartet war, allerdings zunächst zwei Plätze, die sich der Monegasse dann aber wieder schnell zurückholte. Nach zehn Runden lag Leclerc, der auf den härteren Medium-Reifen gestartet war, schon auf Rang vier direkt hinter seinem Teamkollegen.

An der Spitze konnte Vettel nicht wie geplant Druck auf die Silberpfeile ausüben, er verlor stattdessen viel Zeit. Nach zehn Runden lag er rund zehn Sekunden hinter Bottas zurück, und von hinten jagte Leclerc heran. Als der Shootingstar drohte, Vettel zu überholen, bog der Ex-Weltmeister zum Reifenwechsel ab und reihte sich anschließend als Fünfter wieder ein. Auf den härteren Medium-Reifen war Vettel dann auch deutlich schneller unterwegs, wirklich attackieren konnte er den vor ihm fahrenden Hamilton aber trotzdem nicht. Leclerc blieb lange draußen, doch sein Vorsprung schmolz immer mehr zusammen. Zu Beginn der 32. Runde zog erst Bottas an ihm vorbei, ein Umlauf später auch Hamilton, danach folgte Vettel. Leclerc holte sich erst in Runde 35 neue Reifen und reihte sich zunächst als Sechster wieder ein.

Anschließend kam es zu einer förmlichen Prozessionsfahrt. Bottas blieb vorne cool und zeigte keinen Wackler, Hamilton schien sich mit Platz zwei auch irgendwie abgefunden zu haben. Und Vettel, dessen Ferrari SF90 eigentlich als überlegen auf dieser Strecke eingestuft wurde, hatte nicht die Mittel, die Konkurrenz mit dem Stern herauszufordern. Damit zerschlug sich Vettels große Hoffnung, mit der er nach Baku gereist war. Nämlich „irgendwann sagen zu können, dass Baku der Wendepunkt“ im Kampf um die WM war. Er habe weiter „Vertrauen in unser Paket, wir wissen, dass es gut ist“, hatte er in Baku gesagt. Aber das von Mercedes scheint noch besser zu sein.

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