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Fechter Max Hartung sagt Teilnahme an Olympia in Tokio ab, Druck auf IOC

Diskussion um Olympia in tokio : Hartungs Absage erhöht den Druck

Deutscher Athletensprecher sagt seine Olympia-Teilnahme ab. IOC will in spätestens vier Wochen entscheiden.

Das unrühmliche Spiel auf Zeit von Thomas Bach spaltet die Sportwelt, doch Max Hartung stoppt die Uhr: Der Fechter hat seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio abgesagt und damit den Druck auf das zögerliche Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Präsident Bach erhöht. Ein historischer Boykott des gesamten deutschen Teams könnte folgen.

„Ich mache mir Gedanken, wie ich als Sportler dazu beitragen kann, dass wir möglichst alle gut durch die Krise kommen. Für mich war schnell klar, dass das bedeutet, zu Hause zu bleiben“, sagte Hartung, Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland. Die Reaktionen seien „durch die Bank positiv“. Die Kollegen „haben großen Respekt davor“.

Daher könnte Hartungs „wahnsinnig traurige“ Entscheidung Signalwirkung besitzen. Alle potenziellen deutschen Olympia-Fahrer sollen in den kommenden Tagen darüber abstimmen, ob sie angesichts der Corona-Pandemie an den Sommerspielen (24. Juli bis 9. August) teilnehmen wollen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dürfte das Votum seiner Athleten übernehmen und sich entsprechend positionieren.

„Der DOSB macht das bisher sehr gut. Wir hatten eine Telefonschalte mit 200 Athleten. Da wurde ganz klar gesagt, dass die Stimme der Athleten bei der Positionierung des DOSB ganz viel Gewicht bekommt“, sagte Hartung. Am Sonntagmittag tagte das DOSB-Präsidium, danach gab es eine Telefonkonferenz der Athletenvertreter der Sportarten.

Geht es nach dem Virologen Alexander Kekulé, könnte man sich die Diskussionen sparen. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir in Tokio dieses Jahr die Olympischen Spiele austragen können“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitäts-Klinikum Halle/Saale. Doch Bach hofft weiter auf eine Austragung der Olympischen und auch Paralympischen Spiele (25. August bis 6. September) – im Sinne der Sportler. „Die Absage würde den olympischen Traum von 11 000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören. Eine solche Absage wäre die am wenigsten faire Lösung“, sagte der IOC-Präsident und erntet dafür Unverständnis von Kekulé: „Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung.“

Auch die Politik drängt auf eine Verschiebung. „Wie das IOC nach allem, was wir wissen, überhaupt auf den Gedanken kommen kann, in Kürze Menschen aus aller Herren Länder nach Tokio einfliegen zu lassen, ist mir unbegreiflich“, sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag: „Das IOC muss sich seiner Verantwortung stellen.“

Eine Verschiebung um ein Jahr wäre anders als bei der Fußball-EM nicht so einfach zu regeln. Welt- und Europameisterschaften, Weltcups und Qualifikationsturniere sind auf den olympischen Zeitplan abgestimmt. „Olympische Spiele können Sie nicht verschieben wie ein Fußballspiel am nächsten Samstag“, betonte Bach. Der 66-Jährige erhält auch Zuspruch. „Alle afrikanischen Olympischen Komitees unterstützen den Antrag, mit den Spielen fortzufahren“, sagte Abner Xoagub, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Namibia (NNOC). Auch für Tony Estanguet, Präsident des Organisationskomitees der Spiele 2024 in Paris, sei es „noch zu früh zu entscheiden, ob die Spiele verlegt werden sollten“.

Am Sonntagabend nannte das IOC auch aufgrund des öffentlichen Drucks erstmals eine Frist. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll eine Entscheidung fallen, teilte das IOC in einem offenen Brief an die Athleten nach einer Sitzung des Exekutivkomitees mit. Eine Absage schloss das IOC aus. Diese würde "keines der Probleme lösen", erklärte das IOC und verwies auf "deutliche Verbesserungen in Japan".