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Existenz-Hilfe für deutsche Topligen

Rettungsschirm des Bundes : Existenz-Hilfe für deutsche Topligen

Mit 200 Millionen Euro greift der Bund den besten Vereinen unter die Arme. Auch kleinere Sportarten sollen profitieren.

Der erhoffte Geldsegen aus der Politik kommt, die von der Corona-Krise finanziell gebeutelten Clubs können durchatmen: Mit einem 200-Millionen-Euro-Paket will der Bund im Rahmen des milliardenschweren Konjunkturpakets die Profiligen in Deutschland unterstützen, Insolvenzen verhindern und traditionsreiche Standorte bewahren. Doch auch die vermeintlichen Randsportarten sollen profitieren, was im Saarland mit Interesse zur Kenntnis genommen werden dürfte.

„Es ist ein existenziell wichtiger Beitrag, um vernünftige Wettbewerbe, einen vernünftigen Spielbetrieb und ein vernünftiges Lizenzverfahren in den kommenden zwölf Monaten zu ermöglichen“, sagte CDU-Sportpolitiker Frank Steffel: „Es ist ein wahnsinnig wichtiger Beitrag, um Hunderten von Vereinen die Existenz zu retten.“

Eine entsprechende Beschlussvorlage muss in den kommenden Tagen noch von den entsprechenden Institutionen wie dem Haushaltsausschuss und dem Bundestag beschlossen werden. Dies gilt aber nur als Formalie.

In erster Linie werden die Clubs der großen Profiligen profitieren, die aufgrund der geltenden Regeln zur Eindämmung der Pandemie fehlende Zuschauereinnahmen zu verzeichnen haben. Dazu zählen etwa die Vereine aus der Deutschen Eishockey-Liga, der Basketball-Bundesliga oder der Handball-Bundesliga, aber auch aus der 3. Fußball-Liga und der Frauenfußball-Bundesliga.

Michael Evers, Präsident der Volleyball-Bundesliga, reagierte erfreut auf die Signale aus der Politik. „Diese Entscheidung gibt den Vereinen der Volleyball-Bundesliga die Möglichkeit, die Saison 2020/2021 mit einer größeren Sicherheit zu planen. Die Anpassung der Unterstützung an die spezifischen Bedürfnisse der Profisportligen mindert die wirtschaftliche Angst vor Spielen ohne Zuschauer oder mit nur wenigen Fans in den Hallen“, sagte er.

Ein zentrales Kriterium für die Verteilung der Gelder sind die Zuschauereinnahmen. Die fehlenden Einnahmen der Monate April bis Dezember können laut CDU-Sportpolitiker Steffel „bis zu 80 Prozent netto“ erstattet werden. Der Höchstsatz liegt aufgrund der EU-Beihilfeverordnung bei 800 000 Euro.

Insbesondere der Frauensport partizipiere, auch für den ländlichen Raum seien die Hilfen wichtig. „Es sind ganz, ganz viele kleine Orte, wo die Vereine gerade auch im Frauenbereich eine ganz große Tradition haben“, sagte Steffel, der Präsident des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin ist. Anspruch auf Hilfen haben allerdings nicht nur die Vereine der großen Profiligen, sondern laut Steffel „die 1. und 2. Ligen aller Sportarten“: „Im Grundsatz betrifft es genauso das Ringen. Es gibt Orte, da gehen Tausend Leute zum Ringen. Es gibt Orte, da gehen 300 Leute zum Wasserball oder zu einem Schützenwettbewerb. Das soll ausdrücklich mit drin sein. Wenn die Zuschauereinnahmen wegfallen, gibt es auch hier, wenn die Veranstaltung stattfindet, eine entsprechende Unterstützung.“

Im Saarland werden da zum Beispiel die Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach, ASV Hüttigweiler, KV Riegelsberg und AC Heusweiler profitieren, wobei Heusweiler einen Start in der kommenden Saison nahezu ausgeschlossen hat. Anspruch auf Unterstützung hätten darüber hinaus unter anderem die Volleyballer des TV Bliesen (gerade in die 2. Liga aufgestiegen) und die Volleyballerinnen des TV Holz, der Badminton-Bundesligist 1. BC Bischmisheim, auch der Kunstturn-Bundesligist TG Saar.

Spannend könnte sich der Fall HG Saarlouis entwickeln, der ein Drittligist ist und formal womöglich nicht unter den Bundesschirm fällt. Die Handballer haben aber den größten Zuschauerzuspruch im Saarsport, wenn man die Fußballer außen vor lässt, und enorme Einnahme-Einbußen zu verzeichnen. Ob die landeseigene Hilfe da ausreicht? „Im Saarsport sind auch semiprofessionelle Drittligavereine dringend auf Unterstützung angewiesen“, sagt Raphael Schäfer, der sportpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, „insofern wäre eine Nachbesserung durch das BMI bei der Erarbeitung des Hilfspakets wichtig für den Saarsport.“

Die saarländische Landesregierung hat ebenfalls einen Rettungsschirm gespannt – für alle Vereine, nicht nur den Sport. Von den 9,7 Millionen Euro insgesamt fallen etwa 5 Millionen auf den Sport. Allerdings hatte der Landessportverband für das Saarland (LSVS) bei einer ersten Erhebung einen Bedarf von etwa 20 Millionen ermittelt.

Im Rettungspaket des Bundes wiederum sind auch die Verbände ausdrücklich erwähnt. „Da muss man aber genau gucken, wie dann die Rahmenbedingungen sind“, sagte CDU-Sportpolitiker Steffel. Die staatlichen Hilfen werden die wirtschaftlichen Schäden für die Vereine zumindest mildern. Aufatmen dürften sie allerdings erst, wenn wieder Spiele ganz regulär vor Publikum möglich sind.