Seidenbergs schleichendes Karriereende ist endgültig fix

Eishockey : Seidenbergs schleichendes Karriereende ist endgültig fix

Der Stanley-Cup-Sieger von 2011 hat seine glanzvolle Eishockey-Laufbahn offiziell beendet. Ein stiller Star, der selten Emotionen zeigte.

Große Emotionen sind nicht das Ding von Dennis Seidenberg. Möglicherweise liegt es daran, dass einer der besten und erfolgreichsten deutschen Eishockey-Profis in der Heimat außerhalb seiner Sportart kaum bekannt geworden ist. Bruder Yannic schrieb als Olympia-Silbermedaillengewinner von Pyeongchang 2018 Geschichte. Sein Bild als jubelnder Derwisch nach dem „Jahrhundertspiel“ im Halbfinale gegen Kanada (4:3) ist eines der bekanntesten Sportfotos der letzten Jahre. Dennis feierte seine Erfolge stiller.

„Wer mich kennt, weiß, dass ich nie zu viel Emotionen zeige“, sagte der 38 Jahre alte Schwarzwälder im Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Darin verkündete Seidenberg offiziell das Ende seiner Karriere, das seit zwei Wochen im Raum gestanden hatte. „Körperlich geht es nicht mehr. Meine Schulter und meine Handgelenke sind nach 15 Jahren in der NHL ziemlich fertig. Es ist die Zeit gekommen, ans nächste Kapitel zu denken“, sagte er.

In Seidenberg geht einer der besten Verteidiger, die Deutschland je hatte. 2011 war er nach Uwe Krupp der zweite deutsche Profi, der den Stanley Cup gewann. Im entscheidenden Finale mit den Boston Bruins gegen Vancouver gab Seidenberg zwei Torvorlagen. 13 Finalspiele in den NHL-Playoffs sind für einen Deutschen unübertroffen.

Marco Sturm ist mit 1006 Spielen zwar Deutschlands NHL-Rekordspieler. Seidenberg kommt in seinen 928 Partien für Philadelphia, Arizona, Carolina, Florida, Boston und die New York Islanders aber auf 19 542 Einsatzminuten. Mehr schaffte bislang kein Deutscher.

„Es hat mir bei allen Clubs Spaß gemacht“, sagte Seidenberg rückblickend. Dabei musste sich Seidenberg, der 2001 mit 20 nach der deutschen Meisterschaft mit Mannheim nach Nordamerika ging, erstmal durchbeißen. In Arizona spielte er einst unter Trainer Wayne Gretzky – dem legendären, besten Spieler der Geschichte. Aber: Seidenberg bekam kaum Eiszeit, er erarbeitete sich diese nach und nach.

„Ich bin ein unheimlich harter Arbeiter, ein Psycho in dieser Hinsicht, ich gebe nie auf“, sagte Seidenberg über sich und erklärte damit zudem, warum er es und nicht sein drei Jahre jüngerer Bruder Yannic in die NHL schaffte. „Yannic war von uns beiden immer der bessere Eishockeyspieler, technisch begabter“, sagte Dennis über Yannic, der aber eben auch elf Zentimeter kleiner ist. Gemeinsam standen sie 2017 bei der Heim-WM auf dem Eis, als Dennis Seidenberg zum besten Verteidiger des Turniers gewählt wurde. Es war das letzte Highlight seiner erfolgreichen Karriere.

Zwar spielte er auch noch die WM 2018 in Dänemark. Sein letztes NHL-Spiel im April 2018 hatte er da aber schon hinter sich, ohne es zu wissen. Lange vertragslos konnte er sich, familiär bedingt, danach nicht dazu durchringen, nach Deutschland zu kommen. Seidenberg ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet. Die Familie mit den drei Kindern Breaker Curtis, Story und Noah fühlt sich in New York wohl.

Dort blieb er also, bis die Islanders ihm im vergangenen Winter noch einmal einen Vertrag gaben. Zum Einsatz kam er aber nicht mehr. Das schleichende und stille Karriereende passt perfekt zu dem Eishockey-Profi ohne große Emotionen.

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