Fußball-Erfahrung macht NHL-Trainer Krueger besser

Eishockey : Mit dem „Krueger-Effekt“ zum Erfolg

Der Deutsch-Kanadier ist nach einem fünfjährigen Intermezzo als Vorstands-Chef des FC Southampton zum Eishockey zurückgekehrt.

Ralph Kruegers Erfolgsrezept ist so einfach wie ungewöhnlich im hektischen und kräftezehrenden Eishockey-Geschäft. „Ich lebe extrem im Moment. Ich erledige einfach das, was ich an diesem einen Tag machen kann“, sagt der Deutsch-Kanadier, der in der Profiliga NHL aus den seit 50 Jahren chronisch erfolglosen Buffalo Sabres binnen weniger Monate ein Spitzenteam geformt hat.

Der ehemalige deutsche Nationalspieler, von 1998 bis 2010 erfolgreicher Nationaltrainer in der Schweiz, ist hochmotiviert, aber auch gelassen wie noch nie. Dazu trägt auch ein selbst gewählter Rollenwechsel bei, der Krueger neue Einsichten vermittelt hat. Von 2014 bis 2019 fungierte er in der englischen Premier League als Vorstandsvorsitzender des FC Southampton. „Die Fußball-Erfahrung war toll, ich möchte sie nicht missen – aber mein Herz blieb immer beim Eishockey“, sagt der 60-Jährige. Die Erkenntnisse aus England „helfen mir auch hier. Etwa wie man einen Sportverein auf diesem Level managt – oder die Spieler.“ Krueger ist sich sicher: „Ich bin durch diese Erfahrungen im Fußball auch ein besserer Coach geworden.“

Und ein erfolgreicher dazu: Die titellosen Sabres, seit acht Jahren nicht mehr in den Playoffs, sind aktuell Zweiter in der Atlantic Division, was Krueger lediglich am Rande zur Kenntnis nimmt: „Die Tabelle zählt nur nach dem letzten Spieltag der Vorrunde.“ Und der findet erst am 4. April 2020 statt. Nach einem glänzenden Saisonstart holten die Sabres aus den vergangenen drei Spielen nur einen Punkt – aber auch das bringt Krueger nicht aus der Ruhe.

Die Fans sind weiter erwartungsfroh und die Medien voll des Lobes über den Wiedereinsteiger, der vor Jahren erfolglos die Edmonton Oilers trainiert hatte. ESPN berichtete ausführlich über einen „unglaublichen Krueger-Effekt“ und das Online-Portal „The Athletic“ kritisierte mit einem Augenzwinkern, dass die US-Weltraumbehörde Nasa den drittältesten Coach der Liga vor ihrer nächsten Mission nicht als Berater angeheuert habe.

Dabei sind es teilweise nur kleine Puzzleteile, die Krueger neu zusammengesetzt hat. So verzichtet er beispielsweise auf ein klassisches Abschlusstraining vor dem Spiel, wenn die körperlichen Belastungen und die Reisestrapazen überhand nehmen: „Daraus ziehen wir immer wieder Vorteile.“ Die Siege geben ihm recht, immerhin gewannen die Sabres neun der ersten 15 Partien.

„Da spielt so einiges mit hinein: Zuerst einmal ein klares System, eine gute Kommunikation mit den Spielern – wir haben in Buffalo einen Weg gefunden, dass wir oben mitmischen können, was auch unser oberstes Ziel ist“, sagt Krueger, der auf die Ausgeglichenheit seines Kaders setzt. Anders als sein Ex-Team aus Edmonton, das auf die Treffsicherheit der Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid baut, sind die Sabres „relativ tief besetzt“. Krueger hat „fünf Spieler“ ausgemacht, die „mindestens 20 Tore schießen könnten“.

Sollte das für die Play-offs reichen, bewiese Krueger, dass er seinen bis 2022 mit geschätzten zwölf Millionen Dollar dotierten Vertrag wirklich wert ist. Die Fans in der sportverrückten Metropole am Eriesee unweit der Niagara-Fälle zweifeln zumindest derzeit nicht daran.

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