Eishockey Draisaitl ist zum größten Star der NHL herangewachsen

Nashville · Der 24-Jährige dominiert in der Eishockey-Profiliga wie zuletzt die Legenden Mario Lemieux und Jaromir Jagr. Auszeichnungen sind wahrscheinlich.

 Leon Draisaitl dreht nach einem Tor für die Edmonton Oilers im Spiel gegen Nashville ab und lässt seinen Mundschutz einmal rotieren.

Leon Draisaitl dreht nach einem Tor für die Edmonton Oilers im Spiel gegen Nashville ab und lässt seinen Mundschutz einmal rotieren.

Foto: dpa/Mark Humphrey

In einer magischen Nacht in Tennessee wurde Leon Draisaitl zu Leon „Viersaitl“. Nur eine halbe Stunde benötigte Deutschlands Eishockey-Superstar beim 8:3-Triumph der Edmonton Oilers bei den Nashville Predators, um erstmals in der NHL vier Mal in einem Spiel zu treffen. „Ich muss da nicht um den heißen Brei herumreden. Wenn du vier Tore machst, fühlst du dich gut. Fühlst dich gut für dich selbst, für deine Teamkollegen. Sie haben es mir heute sehr leicht gemacht“, sagte Draisaitl.

Draisaitl alias Viersaitl traf durch die Schoner, aus spitzem Winkel oder direkt von vorn. Der gebürtige Kölner hätte an diesem Abend wohl auch mit verbundenen Augen oder aus der Umkleidekabine noch krachend ins Tor geschossen. „Ich sage es schon seit Jahren: Leon ist ein wunderbarer Spieler. Es ist schön, dass er endlich auch die Anerkennung bekommt“, sagte Connor McDavid über seinen deutschen Sturmkollegen, der im sechsten NHL-Jahr die eigenen Grenzen nochmals nach oben verschiebt.

Mit fünf Scorerpunkten für vier Tore und eine Vorlage schraubte Draisaitl sein Konto als Nummer eins der Liga auf 107 Zähler – das sind bereits zwei mehr als in der Vorsaison. Und noch sind 16 Spiele zu spielen. Statistisch gesehen steuert er auf rund 133 Punkte zu. Das wäre die höchste Ausbeute seit der Saison 1995/1996, als die beiden großen NHL-Idole Mario Lemieux und Jaromir Jagr für die Pittsburgh Penguins auf 161 und 149 Zähler kamen.

Draisaitl könnte mit einer solchen Ausbeute als erster Deutscher die Art Ross Trophy für den besten Punktejäger der Saison gewinnen und große Namen hinter sich lassen. Kanadas Olympiasieger Sidney Crosby gewann 2007 mit 120 Punkten, der Russe Alexander Owetschkin im Jahr darauf mit 112. Den großen Schweden Peter Forsberg (106 Punkte im Jahr 2003) hat er bereits überholt. Auch das zeigt: Draisaitl ist in der besten Liga der Welt an der Spitze angekommen.

13 Punkte beträgt sein Vorsprung vor seinem zweitplatzierten Teamkollegen McDavid (94), der die Auszeichnung 2017 (100 Punkte) und 2018 (108) erhalten hatte. Draisaitl gilt inzwischen auch als Favorit für die Hart Memorial Trophy. Die erhält der wertvollste Spieler (MVP) der regulären Saison. Auch hier wäre er der erste Deutsche.

Zum ganz großen Glück in der NHL würde Draisaitl dann nur noch der Titel fehlen. Der Stanley Cup ist das große Ziel des 24-Jährigen. Ihn holte bislang erst ein deutsches Quartett: Uwe Krupp (Colorado Avalanche 1996), Dennis Seidenberg (Boston Bruins 2011), Tom Kühnhackl (Pittsburgh Penguins 2016 und 2017) und Philipp Grubauer (Washington Capital 2018). Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Zunächst müssen sich die Oilers für die Playoffs qualifizieren. Derzeit sind sie die Nummer fünf im Westen, der Vorsprung auf Rang neun beträgt nur sechs Punkte.

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