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Fury gewinnt spektakulären WM-Kampf gegen Wilder

Boxen : „Der König ist auf den Thron zurückgekehrt“

Der Brite Tyson Fury ist nach einem spektakulären Sieg gegen den US-Amerikaner Deontay Wilder neuer Weltmeister im Schwergewicht.

Das Blut seines Gegners hatte sich Tyson Fury für seinen zweiten großen Auftritt schnell aus dem Gesicht gewischt. Mit dem jadegrünen WM-Gürtel über der Schulter verwandelte der furios zurückgekehrte Schwergewichts-Champion den Boxring im MGM Grand in seine ganz persönliche Showbühne. Inbrünstig schmetterte Fury den Evergreen „American Pie“, diese bittersüße Ballade von Don McLean, gewidmet dem Lifestyle des Rock’n’Roll, den er selbst nur zu gut kennt. Und die 15 000 elektrisierten Fans in Las Vegas grölten lauthals mit.

In diesem Moment sang der neue WBC-Weltmeister von einem Leben in höchsten Höhen und tiefsten Tiefen. Einem Leben, das ihn nach bewegten Jahren wieder unter die Besten der Welt geführt hat. „Deontay hat das Herz eines Champions gezeigt, er ist ein Krieger. Aber der König ist jetzt auf den Thron zurückgekehrt“, sagte Fury nach seinem überlegenen Sieg gegen den alten Weltmeister Wilder durch technischen K.o. in der siebten Runde. Und wie: Schon nach zwei Runden rann Wilder, der die erste Niederlage in seiner Profi-Karriere überhaupt kassiert hat, das Blut aus den Ohren, in der dritten schlug der Brite den US-Amerikaner krachend zu Boden.

„Ich war echt angepisst, denn ich habe Runde zwei für den Knockout vorhergesagt“, scherzte Fury nach dem Kampf. Nach dem Niederschlag war es um Wilder geschehen, Fury trieb ihn vor sich her und traf immer wieder hart. Zudem wollte die Blutung aus Wilders Ohr einfach nicht stoppen. Kurios: In der sechsten Runde tropfte Wilder Blut auf die Schulter, Fury streckte beim Klammern seine Zunge danach aus. Als Wilders Ecke das Handtuch in der siebten Runde nach einem Schlaghagel von Fury warf, schien der entthronte Champ schon längst nicht mehr richtig bei sich zu sein.

Für Fury war es die glorreiche Revanche für das Remis aus dem ersten Duell der beiden 2018, das Fury damals bereits als Sieg für sich beansprucht hatte. „Ein Remis ist Versagen für mich. Alles, was ich mache, ist gewinnen, gewinnen, gewinnen. Diesmal wollte ich den Knock­out. Das war der einzige Weg, wie ich sicherstellen konnte, dass ich gewinne“, sagte er nach dem Kampf. Dort erschien er – stilecht auf einem Thron – in schwarzem Mantel, darunter ein weißer Anzug, auf dem er selbst in vielfacher Ausführung aufgedruckt war – und darunter trug er nur eine grüne Krawatte.

Fury ist eben immer noch der Exzentriker, der schon im November 2015 mit dem Sieg gegen Wladimir Klitschko die Boxwelt auf den Kopf gestellt hatte. Aber er wirkt wesentlich gefestigter. Die Zeiten, als er im Oktober 2016 als dreifacher Weltmeister seine Gürtel zurückgeben musste und ihn Depressionen sowie Drogenprobleme plagten, scheinen lange vergessen. Er ist wieder dort, wo er inzwischen nicht nur seiner Meinung nach hingehört.

Und nun? „Ich habe die Kriegsbeute gerade erst eingefahren, ich muss diesen Sieg erst mal genießen“, sagte er, angesprochen auf einen möglichen Vereinigungskampf gegen Anthony Joshua, der alle anderen wichtigen WM-Gürtel hält. Dessen Promoter Eddie Hearn meldete sich prompt bei Twitter und forderte, dass der Kampf noch „dieses Jahr“ steigen müsse.

Fury will aber auch Wilder die Chance geben, die Trilogie zu vervollständigen: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir das noch mal machen – wenn er das will.“ Und falls jener kneift, soll ein anderer das Schicksal Wilders erfahren. „Wer als nächstes kommt, wird die gleiche Behandlung bekommen“, kündigte Fury an.