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Ehrung beim Radsport-Weltcup in Berlin
Vogel vor emotionaler Rückkehr

Ab Freitag gastiert der Bahnrad-Weltcup in Berlin. Der erste Heim-Weltcup seit 20 Jahren steht auch im Zeichen der Olympia-Qualifikation - und von Kristina Vogel.

Die Rückkehr auf das Holzoval wird emotional - für Kristina Vogel und alle Anwesenden. Wenn die querschnittsgelähmte zweimalige Bahnrad-Olympiasiegerin am Samstag beim Weltcup in Berlin ihre Auszeichnung zur "Radsportlerin des Jahres" entgegennimmt, sind die ganz großen Gefühle garantiert.


Im Velodrom an der Landsberger Allee, wo sie noch vor einem Jahr Doppel-Europameisterin wurde, wird sich Vogel erstmals seit ihrem folgenschweren Trainingsunfall im Juni einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. "Alle Ehrungen sind hochverdient. Man kann es nur begrüßen, auch, wenn sie an der Situation leider nichts ändern", sagte Bundestrainer Detlef Uibel dem SID.

Betreuer, Teamkollegen, Rivalinnen: Vogel wird nach dem laut Uibel "weltweit wahnsinnigen Echo" wohl viele Hände schütteln müssen - und dann den deutschen Startern fest die Daumen drücken. Vogels Auftritt am Samstagabend ist der emotionale Höhepunkt des ersten Heim-Weltcups seit 20 Jahren, bei dem die Athleten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) auch für sportliche Glanzlichter sorgen wollen.



Das gilt speziell für die Teamsprinter, die bereits am Freitag im Einsatz sind. Dabei treibt sie auch der Gedanke an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio an. Die Ergebnisse der Weltcups fließen in das Nationenranking ein, über das letztlich die Olympia-Startplätze vergeben werden. Da den im Teamsprint qualifizierten Nationen zugleich zwei Startplätze in den Einzeldisziplinen Sprint und Keirin zustehen, ist die Verantwortung des Teams groß.

Genau hier liegt derzeit aber ein Problem. "Es ist momentan nicht einfach, im Männerbereich sind wir unter Zugzwang", sagte Uibel. Bei den ersten beiden Weltcups in St. Quentin-en-Yvelines/Frankreich und Milton/Kanada hatte das BDR-Trio eine Spitzenplatzierung klar verpasst. In Berlin ruhen die Hoffnungen auf Keirin-Europameister Stefan Bötticher, der aber nach langer Wettkampfpause "die Erwartungen nicht zu hoch schrauben" wollte.

Im Sprintbereich der Frauen ist die Lage trotz des Karriereendes von Kristina Vogel entspannter. Auf Vogels langjährige Teamsprint-Kollegin Miriam Welte (Kaiserslautern) ist Verlass, zudem machen die jungen Athletinnen Pauline Grabosch (Erfurt) und Emma Hinze (Cottbus) Mut. "Bei den Frauen ist im Gegensatz zu den Männern alles sehr stabil, da bin ich sehr optimistisch", sagte Uibel.

Im Ausdauerbereich sind die Madison-Weltmeister Roger Kluge und Theo Reinhardt die deutschen Zugpferde. Bei den Frauen fehlt hingegen die Top-Besetzung. "Lisa Brennauer, Lisa Klein und Charlotte Becker sind direkt nach der Straßen-WM Ende September in die Bahn-Saison eingestiegen und benötigen methodisch zur weiteren Leistungsentwicklung eine Pause", sagte Sportdirektor Patrick Moster.

(sid/old)