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Nach verpasster Goldmedaille
Ehning leidet mit Klimke und übt seine neue Rolle bei WM

Bronze bei der WM im Vielseitigkeitsreiten gewonnen: Ingrid Klimke bei der Siegerehrung auf ihrem Pferd Hale Bob. Foto: Stefan Lafrentz
Bronze bei der WM im Vielseitigkeitsreiten gewonnen: Ingrid Klimke bei der Siegerehrung auf ihrem Pferd Hale Bob. Foto: Stefan Lafrentz FOTO: Stefan Lafrentz
Tryon. Marcus Ehning konnte die gemischten Gefühle von Ingrid Klimke gut verstehen. Der Springreiter erlebte bei der Pferdesport-WM in Tryon live, wie die Kollegin in der Vielseitigkeit Gold am letzten Hindernis verlor und sich mit Bronze begnügen musste. Von Michel Rossmann, dpa

„Da leidet man mit“, sagte der Springreiter: „Ich hätte es ihr sehr gegönnt. Das war schon sehr ärgerlich, aber immerhin hat sie noch eine Medaille bekommen.“


Gold verloren, Bronze gewonnen – die 50 Jahre alte Reiterin war im Zwiespalt nach dem WM-Abenteuer in den USA. „Aber ehrlich gesagt gibt es schlimmere Schicksalsschläge, als hier Dritte zu werden“, sagte Ingrid Klimke. Je länger es dauerte, desto zufriedener war sie mit dem dritten Platz. „Ich habe Bronze gewonnen“, sagte sie: „Darüber hätte ich mich gefreut, wenn ich es vorher gewusst hätte.“

Ehning kennt die Hochs und Tiefs des Sports wie kaum ein anderer. „Ich habe schon einiges durchgemacht“, sagte der Springreiter aus Borken vor dem ersten WM-Springen am Mittwoch. Der dreimalige Weltcupsieger erlebte beispielsweise ein Debakel bei der WM 2006 in Aachen, als seine Stute Küchengirl mehrfach verweigerte. Und an gleicher Stelle gewann der Team-Weltmeister von 2010 vor wenigen Wochen den Großen Preis beim wichtigsten Turnier der Welt.



Jetzt findet er sich in den USA in der Rolle als Kapitän einer Mannschaft mit drei WM-Neulingen wider. „Wir haben so viele junge Leute, da ist er umso wichtiger“, sagte Bundestrainer Otto Becker. „Für mich als Trainer ist das ein Glücksfall. Die haben Respekt und Achtung vor ihm, das macht ihn umso wertvoller.“

Die, das sind Simone Blum aus Zolling mit Alice, Laura Klaphake aus Mühlen mit Catch me if you can und Maurice Tebbel aus Emsbüren mit Don Diarado. „Seit ich ein Kind bin, ist er mein Vorbild“, sagte Klaphake über den 44 Jahren alten Senior im Team: „Ich schaue immer noch zu ihm auf. Ich hätte mir nie träumen lassen, mit ihm in einem Team zu reiten.“

Ehning ist der Vorreiter, auch für Blum (29) und Tebbel (24). „Er ist ein Super-Typ“, lobte Tebbel: „Er meint ernst, was er sagt. Man schaut zu ihm auf.“ Ehning selber versuchte hingegen, seine neue Rolle herunter zu spielen.

„Außer, dass ich älter geworden bin, hat sich nichts geändert“, sagte Ehning: „In Sydney war ich der Junge.“ 2000 gewann er bei seinem ersten großen Auftritt bei den Olympischen Spielen gleich Gold mit der Mannschaft. Und gehört seitdem zur Weltspitze, sammelte Edelmetall bei Europa- und Weltmeisterschaften.

„Er strahlt jetzt Ruhe und Gelassenheit aus“, sagte der Bundestrainer: „In der jetzigen Konstellation hilft er besonders.“ Viel Auswahl hat Becker derzeit nicht mehr. Mit Mühe konnte er ein Quartett zusammenstellen. Zu seinem Team mit drei WM-Neulingen sagte er: „Wir haben Qualität, aber keine Erfahrung.“

Während sich die Springreiter in Tryon auf das Zeitspringen am Folgetag vorbereiteten, landete Klimke wieder in Deutschland. Auf dem zehnstündigen Rückflug hatte sie viel Zeit, um nach ihrer verpassten Gold-Chance die Gedanken zu sortieren. „Im ersten Moment ist man enttäuscht, ganz klar“, kommentierte die 50-Jährige: „Wenn man als Letzter reinreitet und liegt auf Gold-Kurs, würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich nur.“

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